Die Aktien-Gipfelstürmer der Schweizer Börse

Schon seit Wochen hangeln sich einige wenige sehr beliebte Aktien aus der Schweiz von einem Rekordhoch zum nächsten. cash nennt die Namen und die jeweiligen Hintergründe.
07.06.2016 23:00
Von Lorenz Burkhalter
Für einige wenige Aktien geht es an der Schweizer Börse steil nach oben.
Für einige wenige Aktien geht es an der Schweizer Börse steil nach oben.
Bild: ZVG

Mit den meisten im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Aktien haben Anleger seit Jahresbeginn Geld verloren. Das Börsenbarometer selber notiert noch immer um gut 7 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember, was nur teilweise auf die Dividendenabgänge der letzten Monate zurückzuführen ist.

Schon seit Wochen spielt die Musik vor allem in ein paar wenigen Nebenwerten. Dort spielt sie jedoch so laut wie schon seit Jahren nicht mehr. Eines haben diese "Gipfelstürmer" unter den hiesigen Aktien gemeinsam: Sie alle erfreuen sich schon seit Wochen eines ungebrochenen Kapitalzuflusses aus dem Ausland.

Actelion: Beliebteste SMI-Aktie profitiert vom Nebenwerte-Charakter

Einzige Ausnahme bei den Unternehmen aus dem SMI bleibt der in Allschwil BL beheimatete Biotechnologiekonzern. Schon seit Jahren führt die Aktie von Actelion regelmässig die Gewinnerliste an. Während der breite Markt noch immer gut 7 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember notiert, kann sie auch diesmal wieder mit einem Plus von knapp 18 Prozent auftrumpfen. Mit einem Anteil von gerade mal 1,8 Prozent an der Gesamtkapitalisierung des SMI hat Actelion denn auch Nebenwerte-Charakter.

In den vergangenen Tagen wurde die Actelion-Rekordjagd von wiedererwachten Übernahmespekulationen angeheizt. Neben dem amerikanischen Mischkonzern Johnson & Johnson werden auch Bristol-Myers Squibb und Sanofi aus Frankreich ein Interesse an den Baselbietern nachgesagt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 auf den nächstjährigen Analystenschätzungen ist die Actelion-Aktie jedoch kein Schnäppchen mehr. Der beste Schutz vor einer unerwünschten Übernahme ist halt immer noch ein hoher Aktienkurs.

Schindler: Bekannter Aufzughersteller schnuppert Höhenluft

Als eine der wenigen Publikumsgesellschaften aus der Schweiz kennt Schindler neben der Namenaktie noch den Partizipationsschein. Obschon diese Kapitalstruktur als veraltet gilt und dem Innerschweizer Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen der Ruf anhaftet, etwas träge zu sein, feiern beide Titelkategorien schon seit Wochen einen Rekord nach dem nächsten.

Auch die Auftragsflaute im Schlüsselmarkt China scheint die Zuversicht der vorwiegend ausländischen Aktien-Käufern nicht zu bremsen. Anleger fühlen sich wohl mit der defensiven Ausrichtung des an und für sich zyklischen Aufzugherstellers, bringt es Rahn + Bodmer in einem Handelskommentar treffend auf den Punkt. Dass Schindler die Flaute in China nutzt und wie am Dienstag strategische Firmenübernahmen tätigt, kommt an der Börse ebenfalls gut an.

Auf Basis der nächstjährigen Gewinnschätzungen weisen die Valoren von Schindler ebenfalls ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 auf, was am ganz oberen Ende der historischen Bewertungsbandbreite liegt.

Grossbank verleiht zwei "Industrie-Perlen" Flügel

Am Dienstag zündete die Credit Suisse in der Aktie von Georg Fischer ein kleineres Kursfeuerwerk. Obschon diese im bisherigen Jahresverlauf bereits um knapp 20 Prozent gestiegen ist, bekräftigte die Schweizer Grossbank ihre Kaufempfehlung. Gleichzeitig nutzte sie die Gelegenheit und hob das Kursziel auf 900 (840) Franken an.

Für die Analysten der Credit Suisse steht fest: Die Aktie des Industriekonglomerats aus Schaffhausen verspricht auch in Zukunft eine überdurchschnittliche Kursentwicklung, angetrieben von einer Verstärkung der bisherigen Geschäftsaktivitäten mittels kleinerer Firmenübernahmen. Alleine am Dienstag resultierte bei Börsenschluss ein Kursplus von knapp 4 Prozent.

Nicht minder zuversichtlich äusserte sich derselbe für die Schweizer Grossbank tätige Analyst zu Forbo. Obschon er seine zukünftigen Gewinnschätzungen nur unwesentlich nach oben revidiert, traut er der Aktie neuerdings einen Anstieg auf 1450 (1350) Franken zu. Auch wenn es der Experte nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest durchblicken, dass abermals Kapital an die Aktionäre zurückgeführt werden könnte. In den vergangenen Jahren kaufte Forbo regelmässig eigene Aktien zurück. Von der Kaufempfehlung und der Kurszielerhöhung angestachelt, schoss die Aktie am Dienstag um gut 4 Prozent nach oben und erklomm bei 1294 Franken eine neue Bestmarke.

Auf den ersten Blick sind die beiden von der Credit Suisse wärmstens empfohlenen "Industrie-Perlen" nicht sehr hoch bewertet. Bei Forbo errechnet sich anhand der bankeigenen Schätzungen für das nächste Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 und bei Georg Fischer sogar nur eines von 14. In beiden Fällen liegt die Bewertung jedoch um 30 Prozent über dem Durchschnitt vergangener Jahre.

Temenos: Softwarehersteller aus Genf im Höhenrausch

"Der Himmel ist das Limit", so lautet die Devise bei der Genfer Temenos. Allen Unkenrufen zum Trotz klettert die Aktie des Bankensoftwareherstellers von einem Rekordhoch zum nächsten. Das dürfte vor allem Martin Ebner freuen. Über die Beteiligungsgesellschaft Patinex kontrollieren der Financier und seine Frau Rosmarie gut 15 Prozent der Stimmen. Zwar notiert die Aktie "nur" 12 Prozent über dem Stand von Anfang Jahr. Seit Mitte Januar letzten Jahres hat sich der Börsenwert des Unternehmens jedoch mehr als verdoppelt.

Noch bis vor wenigen Wochen war Temenos für die Banken ein klarer Kauf. Das optisch hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 auf Basis der nächstjährigen Schätzungen schreckt aber immer mehr Analysten ab. Erst kürzlich nahm die Berenberg Bank ihre Anlageempfehlung von "Kaufen" auf "Halten" zurück, nachdem das Kursziel von 51 Franken erreicht worden war. Die UBS Investmentbank und Baader Helvea raten sogar zum Verkauf dieser Aktie, letztere sogar schon eine ganze Weile.

Dass die Börse gerne zu Exzessen neigt, ist kein Geheimnis. Dennoch überrascht, wie sich diese "Gipfelstürmer" unter den hiesigen Aktien von allen anderen abheben. Ein Anstieg in luftige Höhen ist immer auch mit der Gefahr eines Absturzes verbunden. Die Liste mit einst beliebten aber mittlerweile in Ungnade gefallenen Unternehmen reicht von AMS über Evolva bis Leonteq. Nicht nur bei diesen drei Aktien mussten Anleger, welche zu Höchstkursen eingestiegen sind, ein hohes Lehrgeld bezahlen.