Die Aktien-Stars des Tresen-Handels

Die ausserbörslich gehandelten Aktien haben auch ihre Stars. Der beste Titel 2014 ist derjenige eines St. Galler Baggerherstellers, der durch den Skistar Paul Accola so richtig bekannt wurde. Eine Übersicht.
04.06.2014 01:00
Von Ivo Ruch
Die Aktie von Menzi Muck hat in diesem Jahr mehr als 40 Prozent zugelegt.
Die Aktie von Menzi Muck hat in diesem Jahr mehr als 40 Prozent zugelegt.
Bild: Rebes

Auf den ersten Blick ist die Performance der ausserbörslich gehandelten Schweizer Aktien nichts besonderes: Der ZKB-Index der ausserbörslichen KMU hat in diesem Jahr 2 Prozent zugelegt, während es beim Swiss Performance Index um mehr als 9 Prozent nach oben ging.

Für die kleinkapitalisierten Aktien ist das durchaus normal. Dies in erster Linie deshalb, weil die mangelnde Liquidität einen regen Handel verhindert. Im Gegenzug können die "Ausserbörslichen" in schlechten Börsenzeiten die Verluste eingrenzen. "Diese Titel sind für viele Anleger als Substanzwerte interessant, weil sie lange in einem Depot liegengelassen werden", sagt Joël Frey, bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zuständig für den ausserbörslichen Handel.

Weil diese Aktien nicht über die Börse, sondern über spezielle Plattformen gehandelt werden, haben sie auch den Übernamen "Over the counter"-Aktien (was so viel heisst wie "über den Tresen"). In den letzten Jahren sind in der Schweiz mehrere solcher Plattformen entstanden, auf denen nicht-kotierte Aktien gekauft und verkauft werden können. So zum Beispiel bei der ZKB, der Berner Kantonalbank sowie bei der Privatbank Lienhardt & Partner.

Unter diesen OTC-Titeln gibt es dennoch einige, die regelrechte Höhenflüge hinter sich haben. So haben beispielsweise die Stoosbahnen in diesem Jahr ihren Aktienwert bereits verdreifacht. Überhaupt sind mehrere Bergbahn-Aktien jüngst stark in die Höhe geklettert. Doch viele dieser Titel bieten ein zu geringes Volumen, als dass ein Investment empfohlen werden könnte - ein Grundproblem des Handels mit den "Ausserbörslichen". Aber auch unter den liquideren Titeln des ausserbörslichen Segments sind spannende Firmen mit intakten Perspektiven zu finden (siehe Tabelle):

Menzi Muck (plus 43 Prozent seit 1.1.2014): Der beste Titel in diesem Jahr auf der Handelsplattform der Berner Kantonalbank. 2013 konnte der St. Galler Baggerhersteller - das Fetisch-Arbeitsinstrument des ehemaligen Skistars Paul Accola - die Erlöse um 14 Prozent steigern und in der Slowakei ein neues Produktionsgebäude bauen. Obwohl die Aktie in diesem Jahr bereits deutlich dazugewonnen hat, ist sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6 immer noch sehr attraktiv bewertet.

Sven Jacober von der Privatbank Lienhardt & Partner gibt allerdings zu bedenken, dass bei Menzi Muck rund 80 Prozent der Titel in festen Händen sind. "Das heisst, es sind gerade mal rund 800 Aktien im 'free float', wenn man bei einem OTC-Titel überhaupt davon sprechen kann".

Welinvest (plus 18 Prozent seit 1.1.2014): Die Berner Kantonalbank nennt die Beteiligungsgesellschaft als "substanzstarkes Investment für geduldige Anleger" – die Liquidität beträgt rund 26 Millionen Franken. Die Basler Firma investiert hauptsächlich in Immobilien in der Region Basel, die sie als Wohnungen vermietet. Hinzu kommen Investments in Aktien und Edelmetalle. Die Welinvest-Dividende rentiert mit beachtlichen 4,5 Prozent.

Wasserwerke Zug (plus 12 Prozent seit 1.1.2014): Mit dem Wertzuwachs in diesem Jahr gehört auch die Aktie der Wasserwerke Zug zu den erfolgreichsten OTC-Titeln. Das Unternehmen ist deshalb interessant, weil es kein typischer Strom-Titel ist. Denn die Wasserwerke leben in erster Linie vom Handel mit Strom und nicht von dessen Produktion – und leiden deshalb weniger unter den tiefen Schweizer Strompreisen.

"Hinzu kommt eine über die letzten Jahre stetig ansteigende Ausschüttung", sagt Sven Jacober. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 3 Prozent. Und: Die Aktie gehört laut einer ZKB-Analyse zu den liquidesten im ausserbörslichen Handel. Das Problem ist allerdings, dass die Wasserwerke eine grosse Position in Alpiq besitzen, die sie jedes Jahr abschreiben muss.

Brauerei Falken (minus 2 Prozent seit 1.1.2014): Die Aktien der Schaffhauser Brauerei haben in den letzten 52 Wochen 14 Prozent zugelegt und stehen aktuell bei teuren 11'500 Franken. Mit dem 2012 eröffneten Dosenkompetenzzentrum, wo neben den eigenen auch die Biere sämtlicher unabhängiger Schweizer Bierhersteller abgefüllt werden, kann die Brauerei in Zukunft von der steigenden Nachfrage nach Dosenbier profitieren, wie die Berner Kantonalbank in einer Analyse schreibt.

In diesem Jahr stehen die Valoren zwar im Minus, doch der eigentliche Pluspunkt der Brauerei Falken ist nicht die Performance, sondern die Naturaldividende – oft ein wichtiges Argument bei der Investition in Nebenwerte. Diese besteht bei Falken in Form eines grossen GV-Anlasses mit Bier à discretion und einem Nachtessen.

Die liquidesten und besten ausserbörslich gehandelten Aktien in diesem Jahr

Titel Performance seit 1.1.2014
Menzi Muck +43%
Gotthard Raststätte +22%
Welinvest +18%
ADEV Solarstrom +15%
Montana Tech +15%
Wasserwerke Zug +12%
Kongress- und Kursaal Bern +10%
Hof Weissbad +9%
Bad Schinznach +9%
Neue Zürcher Zeitung +9%

Quelle: cash.ch, Stand: 3.6.2014