Die Angst vor dem Stillstand der Märkte

Die Aktienmärkte haben damit begonnen, eine Intervention der EZB einzupreisen. Das ist verfrüht, sagt der Chefstratege der MainFirst Bank, und rechnet mit einem Stillstand an den Märkten.
03.09.2014 08:34
Von Lorenz Burkhalter
Geht es nach der MainFirst Bank, müssen Aktienanleger in den kommenden Wochen und Monaten Geduld und gute Nerven beweisen.
Geht es nach der MainFirst Bank, müssen Aktienanleger in den kommenden Wochen und Monaten Geduld und gute Nerven beweisen.
Bild: Bloomberg

Schon seit Wochen treffen in Europa immer häufiger ernüchternde Nachrichten aus der heimischen Wirtschaft ein. An den Aktienmärkten liess man sich bisher allerdings nicht davon beeindrucken. Alleine seit der ersten Hälfte August hat der viel beachtete Euro Stoxx 50 Index um gut 5 Prozent zugelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird es schon richten, so lautet der Tenor unter den Marktakteuren.

Der für die MainFirst Bank tätige Chefstratege teilt diese Hoffnung als einer der wenigen seiner Berufsgilde nicht. Er stellt in Frage, ob die EZB die drohende Deflation auch wirklich abwenden kann. In Erwartung eines Stillstands an den europäischen Aktienmärkten rät der Experte der Anlagekundschaft zu einer konservativeren Haltung.

EZB-Interventionen erfordern Geduld und Nerven

Mit einer Teuerung von zuletzt 0,3 Prozent habe die Gefahr einer wirtschaftlichen Deflation in Europa klar zugenommen. Das verhaltenere konjunkturelle Umfeld und geopolitische Spannungen hätten der Stimmung zugesetzt, was die erhoffte Belebung der Investitionstätigkeit weiter verzögere.

Der Chefstratege der MainFirst Bank stellt zwar nicht in Abrede, dass die EZB ein grösseres Rückkaufprogramm für europäische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken nach amerikanischem Vorbild ins Leben rufen wird. Anders als viele seiner Berufskollegen rechnet er jedoch nicht schon an der morgigen Sitzung der EZB mit einer Intervention. Eine solche sei frühestens gegen Ende Jahr zu erwarten. Denn erst dann seien die Resultate des TLTRO, der Überprüfung der Bilanzqualität sowie des Stresstests für europäische Banken bekannt.

Aktienmärkte auf eine Belebung bei den Unternehmensgewinnen angewiesen

Für die Situation an den europäischen Aktienmärkten findet der Experte klare Worte: Die Ausweitung der Bewertung sei weit fortgeschritten und eine Fortsetzung der Rally nur dann möglich, wenn bei den Unternehmensgewinnen endlich eine Belebung einsetze. Er empfiehlt Anlegern fürs erste eine defensivere Haltung und dazu, Aktien von Firmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus dem Binnenmarkt zu meiden.