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«Die Anleger sind zu depressiv»

Rezessionsängste, politische Konflikte oder Ebola treiben Anleger aus den Börsen. Doch die Angst sei übertrieben, sagt ZKB-Anlagechef Christoph Schenk im cash-Börsen-Talk. Und er sagt, welche Sektoren man kaufen sollte.
17.10.2014 01:00
Von Frédéric Papp
ZKB-Anlagechef Christoph Schenk im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Die Börsen befinden sich seit Ende September im Korrekturmodus. Seit letztem Mittwoch hingegen ist so richtig Feuer im Dach. In nur zwei Handelstagen korrigierte der Swiss Market Index (SMI) fast 4 Prozent. Damit notiert der Schweizer Leitindex nun 2 Prozent tiefer als noch zu Jahresbeginn.

Auslöser für die Misere waren enttäuschende US-Konjunkturzahlen. Sie befeuerten die bereits vorhandenen latenten Ängste um eine globale Abschwächung der Konjunktur. Für Unsicherheit sorgen auch geopolitische Unruheherde (Ukraine, Hongkong, Islamischer Staat) und die Viruserkrankung Ebola. Angesichts dieses Cocktails an Bad News orientieren sich immer mehr Anleger nach dem Motto: "Take the Profit and run."

Übertreibungen in den Märkten

Doch Christoph Schenk, Anlagechef bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ruft zur Gelassenheit auf: "Die Anleger fürchten sich zu sehr vor der Korrektur der Weltwirtschaft", sagt er im cash-Börsen-Talk. Derzeit würden die schlechten Nachricht die guten überdecken. "Die Anleger sind zu depressiv", stellt Schenk fest.

Die Panik an den Börsen lässt sich auch messen. So kletterte das Angstbarometer (VIX) des amerikanischen Index S&P 500 phasenweise auf über 30 Punkte – das sind definitiv Panik-Levels.

Schenk räumt denn auch ein, dass nicht alles rosig ausschaut, gerade im Hinblick auf die Konjunktur und den Reformstau in Europa, aber es herrsche derzeit viel Übertreibung im Markt. "Es regnet nicht so stark, wie die Märkte es uns vormachen."

Damit es nicht zum Gewitter kommt, ist die Europäische Zentralbank (EZB) gefordert. Verstärkt kommt aber die Befürchtung auf, dass die jahrelange Billiggeldpolitik der Notenbanken unter dem Strich das Wirtschaftswachstum in Europa nicht signifikant ankurbeln könne. Doch Schenk glaubt, dass EZB-Präsident Mario Draghi nun alles daran setzen werde, die Banken zu mehr Kreditgewährungen zu bringen. 

Auf Defensive Werte setzen

Die seit rund drei Wochen andauernde Korrektur hat auch sein Gutes. "Für Anleger, die noch unterinvestiert sind, ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt gekommen", sagt Schenk und ergänzt: Der SMI bilde nun langsam einen Boden aus und dürfte bis Jahresende wieder gegen 6 Prozent zulegen. Damit würde sich der SMI wieder ins positive Kursterritorium vorkämpfen.

Anleger sind laut Schenk gut beraten, ihr Portofolio mit defensiven Titeln zu füttern wie RocheNovartis oder Nestlé. Nicht anfassen würde der ZKB-Anlagechef die Finanztitel. Hier seien die Unsicherheit hinsichtlich potentieller Klagen noch zu hoch. Die UBS und die CS sackten in den letzten fünf Handelstagen 7 beziehungsweise 9 Prozent ab und notieren derzeit so tief wie seit dem Frühling 2013 nicht mehr.

Im cash-Börsen-Talk sagt Christoph Schenk, weshalb er defensive gegenüber zyklischen Werten bevorzugt. Weiter äussert er sich zur Billiggeldpolitik der Notenbanken und inwiefern Ebola für die Finanzmärkte ein Risiko darstellt.

Der Börsen-Talk wurde am Rande des Exchange Traded Product Day in Zürich durchgeführt. Der Anlass wurde organisiert von der SIX Swiss Exchange.