Die Aufreger-Aktien der ersten Halbzeit 2015

Die erste Jahreshälfte an der Schweizer Börse war geprägt von Pessimus und Horrorszenarien für die hieisige Wirtschaft. Trotzdem legten viele Aktien mächtig zu. cash zeigt die Schweizer Gewinner- und Verlierer-Aktien.
25.06.2015 00:01
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Halbzeit im Börsenjahr 2015: Es gab positive und auch negative Überraschungen.

14 Prozent Verlust in nur zwei Handelstagen: Eine Korrektur in ähnlichem Ausmass hatte die Schweizer Börse Mitte Januar selten erlebt. In der Zwischenzeit hat sich der Swiss Market Index (SMI) zwar wieder erholt, der Franken-Schock ist und bleibt aber das prägende Ereignis des ersten Halbjahres.

Unter dem Strich verbleibt ein kleiner Gewinn von 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax legte zu 17 Prozent zu.

Verlauf des SMI seit Anfang Jahr, Quelle: cash.ch

Seit mehreren Wochen kommt der Schweizer Aktienmarkt nun nicht mehr vom Fleck, sondern pendelt zwischen 8800 Punkten am unteren und 9400 Punkten am oberen Ende. Grund dafür sind die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Zukunft Griechenlands und des Europäischen Währungsraumes. Hinzu kommen die abwartende Haltung vieler Marktakteure im Hinblick auf die mit Spannung erwartete erste US-Zinserhöhung seit 2006 und Schwächezeichen der Schweizer Konjunktur.

Die Übernahmekandidaten: Erfolgreich und sexy

Auf Unternehmensseite brodelte es im ersten Halbjahr mächtig in der Übernahme-Gerüchteküche – und das liess so manchen Aktienkurs verrücktspielen. Zahlreiche Namen von börsenkotierten Schweizer Unternehmen wurden als mögliche Kaufziele genannt. Die Titel von Syngenta, Actelion, u-blox, Julius Bär und Sonova – alles herumgereichte Übernahmekandidaten – scheinen dadurch mächtig an Rückenwind gewonnen zu haben, welcher sie bis in die Liste der erfolgreichsten Schweizer Aktientitel im ersten Halbjahr 2015 blies (siehe Tabelle).

Der Agrochemiekonzern Syngenta schaffte es mit einer Performance von plus 36 Prozent seit Jahresbeginn sogar ganz oben aufs Podest unter den SMI-Titeln. Hier ist das Interesse von Monsanto auch sehr konkret: Der US-Konzern unterbreitete Syngenta bereits mehrere Übernahmeofferten, welche von der Syngenta-Führung allesamt dankend abgelehnt wurden.

Obwohl Monsanto sehr deutlich eine Übernahme will, ist auch das US-Unternehmen irgendwann am Ende seiner  Geduld. Stellt sich Syngenta weiterhin quer, wird der US-Saatguthersteller vermutlich auf einen anderen Hersteller von Pflanzenschutzmitteln ausweichen. Vontobel-Analysten raten derzeit zum Kauf der Syngenta-Aktie, sie sehen das Kursziel bei 500 Franken pro Aktie. Just der Preis, den Syngenta-Kreise als akzeptables Übernahmeangebot von Monsanto erwartet.

Ebenfalls bemerkenswert ist der 22-prozentige Aufschwung von Actelion im ersten Halbjahr 2015. Ein Anstieg, der keinesfalls nur kurzfristig ist. Das 1998 gegründete Biotechnologieunternehmen war 2014 mit einer Performance von plus 53 Prozent das erfolgreichste SMI-Unternehmen. Von September 2011 bis heute stieg die Aktie gar um unglaubliche 516 Prozent an. Der grosse Erfolg lockt Interessenten an: Anscheinend soll das britische Pharmaunternehmen Shire Anfang Juni rund 16 Milliarden Euro für eine Übernahme geboten haben. 

Die Banken: Krise! Welche Krise?

Die Probleme bei den Schweizer Grossbanken scheinen plötzllich weit weg. Die Credit Suisse ist in Aufbruchsstimmung dank neuem CEO, die UBS liefert im ersten Quartal das beste Ergebnis seit fünf Jahren und einigt sich mit den US-Behörden im Manipulationsfall im Devisenhandel, und Julius Bär kommt im US-Steuerstreit wohl weitaus besser weg als zuvor befürchtet. Vor allem Anleger, die in der ersten Jahreshälfte auf die UBS und Julius Bär gesetzt haben, kommen voll auf ihre Kosten: Beide Titel können um fast 20 Prozent zulegen. Da wirkt die achtprozentige Kurszunahme der Credit Suisse schon fast mickrig dagegen.

Die Zahlen für das erste Quartal 2015 überzeugen bei den Schweizer Banken eigentlich durchs Band, nicht bloss bei der UBS. Ob die Schweizer Finanzinstitute allerdings auch in der zweiten Jahreshälfte dem Aufwärtstrend folgen können, scheint zumindest fraglich. Denn das erste Quartal ist bei den Banken normalerweise das beste, das dritte Quartal traditionell das ruhigste. Der Strukturwandel in der Finanzwelt ist noch immer im Gang, es drohen Kosten für Rechtsfälle und speziell bei der CS eine Kapitalerhöhung. 

Wie es mit Bankatien tatsächlich weiter geht, wissen auch die Experten nicht. Das verdeutlicht eine divergierende Einschätzung der Aktie von Julius Bär durch Analysten. Die Empfehlungen reichen von "Kauf" (ZKB) über "Halten" (Vontobel) bis "Verkaufen" (Kepler Cheuvreux).

Biotech: Auf und Ab mit unklarem Ausgang

Die Börsen-Entwicklung im ersten Halbjahr gilt zwar bereits als historisch einzigartig, ist in mancher Hinsicht aber auch eine Kopie des letzten Jahres. Ganz besonders trifft das für die Überflieger-Aktien am Schweizer Markt zu. Wer sein Geld zu Jahresbeginn in Biotech-Aktien von Cytos, Molecular Partners oder Addex investierte, kann auf satte Gewinne zurückblicken (siehe Tabelle). Genauso auffällig ist aber, dass die erwähnten Unternehmen vor einem Jahr entweder noch nicht an der Börse kotiert oder aber stark unter Druck waren.

Hierin besteht denn auch Reiz sowie Gefahr von Investments in kleine Biotech-Unternehmen. Übernahmespekulationen und Studienerfolge gehören zu den Haupttreibern dieses Sektors. Im Fall von Cytos war es zudem die finanzielle Sanierung, nachdem das Zürcher Start-Up nach einem Forschungsflop vor dem Aus und der Aktienkurs bei 10 Rappen stand. Mittlerweile ist er bei 61 Rappen angelangt. Doch die Zukunft ist weiter ungewiss, weil Geld für die weitere Forschung fehlt. Der Verkauf an eine andere Gesellschaft könnte der Aktie den nächsten, wohl letzten, Schub geben. Solche und ähnliche Aktien sind also nur für Anleger geeignet, die auch bei starkem Wellengang einen kühlen Kopf bewahren.

Vor allem abwärts ging es für die Aktie von Züblin. Der Immobilienanbieter ist eines von mehreren Schweizer Investments von Victor Vekselberg. Weil die Verluste in den letzten Jahren so stark anschwollen, muss eine Kapitalerhöhung das Überleben sichern. An den Märkten ebenfalls in Ungnade gefallen ist der Backwarenhersteller Aryzta. Wachstumsschwächen führten unlängst dazu, dass die firmeneigenen Gewinnprognosen revidiert werden mussten. In der Folge reduzierten auch mehrere Analysten ihre Kursziele für die Aktie. Es gibt aber auch Stimmen, die dem mittlerweile günstig bewerteten Titel einiges an Potenzial zutrauen (mehr dazu hier).

 

Die Halbjahres-Gewinner und -Verlierer am SMI

Top Flop
Titel Performance, in % Titel Performance, in %
Syngenta +26 SGS -15
Actelion +22 Swatch -14
UBS +19 Transocean -14
Julius Bär +18 Richemont -11
Adecco +14 Givaudan -6
Credit Suisse +8 Zurich -5
Novartis +4 Geberit -4
Swisscom +3 Nestle -3
Swiss Re +2 ABB -2
Holcim +2 Roche +1

Quelle: cash.ch, Stand 24.06.2015, 11:00 Uhr

 

Die Halbjahres-Gewinner und -Verlierer am SPI

Top Flop
Titel Performance, in % Titel Performance, in %
Cytos +161 Züblin -59
Mobilezone +62 Schlatter Industries -56
Cie Fin Tradition +59 CI Com -38
u-blox +44 Zwahlen & Mayr -36
Molecular Partners +44 Aryzta -35
Leonteq +40 Orascom -32
Myriad Group +40 Perrot Duval -30
BVZ Holding +39 Von Roll -29
Lifewatch +38 Swmtl Holding -28
Air Tech Group +37 AFG Arbonia -25

Quelle: cash.ch, Stand 24.06.2015, 11:00 Uhr