Die Bâloise-Aktie fängt sich

Bâloise erleidet in der ersten Jahreshälfte einen Gewinnrückgang. Analysten haben das in ihren Rechnungen offenbar unterschätzt. Dennoch macht die Bâloise-Aktie die Kursverluste wett.
30.08.2016 10:13
Von Lorenz Burkhalter
Der Versicherungskonzern Bâloise verfehlt die Gewinnerwartungen der Analysten. Im Bild: Der Hauptsitz in Basel.
Der Versicherungskonzern Bâloise verfehlt die Gewinnerwartungen der Analysten. Im Bild: Der Hauptsitz in Basel.
Bild: ZVG

Schon in den Tagen vor der Halbjahresergebnispräsentation hatte die Aktie von Bâloise über weite Strecken einen schweren Stand. Der Grund: Neben einer allgemeinen Kursschwäche bei den hiesigen Versicherungsunternehmen wurde an der Börse kräftig auf eine Zahlenenttäuschung spekuliert.

Und tatsächlich fällt der Konzerngewinn in den ersten sechs Monaten 2016 stärker als von den Analysten erwartet wurde. Dabei werden selbst die pessimistischsten Annahmen verfehlt.

Zur Stunde verliert die Bâloise-Aktie an der Schweizer Börse SIX noch 0,1 Prozent auf 111,70 Franken. Im frühen Handel wurden zeitweise sogar Kurse um 109,10 Franken bezahlt.

Millionenschwere Nachreservierungen in Deutschland

In einem Kommentar von Kepler Cheuvreux wird der vorliegende Zahlenkranz als durchwachsen bezeichnet. Das überrascht nicht, werden die bankeigenen Schätzungen doch sowohl bei den Bruttoprämien als auch beim operativen Gewinn, beim Reingewinn sowie beim Eigenkapital verfehlt.

Bisheriger Kursverlauf der Bâloise-Aktie (Stand: 11:11 Uhr), Quelle: www.cash.ch

Neben den spürbaren Folgen der tiefen Zinsen auf das Ergebnis im Lebensversicherungsgeschäft macht der Verfasser des Kommentars auch millionenschwere Nachreservierungen in Deutschland für den tiefer als erwartet ausgefallenen Gewinn verantwortlich. Um diese Sonderbelastungen bereinigt liege das Ergebnis über den Erwartungen, so schreibt er weiter. Der Analyst stuft die Aktie dennoch nur mit "Hold" und einem Kursziel von 110 Franken ein.

Dividendenpolitik wird nicht in Frage gestellt

Sein für Vontobel tätiger Berufskollege zeigt sich von den Nachreservierungen in Deutschland überrascht und nennt die Angelegenheit eine "nicht enden wollende Geschichte". Er erhofft sich mehr vom diesjährigen Investorentag, welcher im Oktober ansteht. In Anbetracht des Abschlags zum Buchwert und der auch sonst vergleichsweise vernünftigen Bewertung stuft der Experte die Aktie weiterhin mit "Hold" ein. Und auch wenn er es nicht explizit schreibt, wird das Kursziel von 128 Franken womöglich einer Abwärtsrevision unterzogen.

Auch in einem Kommentar aus dem Hause Julius Bär wird darauf hingewiesen, dass das Halbjahresergebnis unter Ausklammerung von einmaligen Faktoren die Erwartungen vollumfänglich erfüllt habe. Aufgrund der soliden Eigenkapitalbasis und der dadurch intakten Dividendenaussichten empfiehlt der Verfasser des Kommentars die Bâloise-Aktie mit einem Kursziel von 135 Franken zum Kauf.

Was die Dividendenpolitik anbetrifft, ist man sich in Expertenkreisen zumindest in einem Punkt einig: Die Nachreservierungen in Deutschland stellen die zukünftigen Ausschüttungen keinesfalls in Frage.