Die besten Börsengänge der letzten Jahre

Auch in der Schweiz wagten Unternehmen in den letzten Jahren den Gang an die Börse. cash sagt, mit welchen Aktien sich viel Geld verdienen liess - und mit welchen nicht.
29.06.2015 06:59
Von Lorenz Burkhalter
Für Anleger ein absoluter Glücksfall: Die Leonteq-Aktie
Für Anleger ein absoluter Glücksfall: Die Leonteq-Aktie
Bild: cash

Am Schweizer Aktienmarkt wurde der Appetit der Anleger nach "Frischfleisch" in den letzten Jahren nur mässig gestillt. Als Folge der Finanzkrise wagten nur wenige Unternehmen den Gang an die Börse. Und längst nicht jede Publikumsöffnung war auch ein Erfolg. In diesem Jahr gab es an der SIX bloss zwei IPO. Im internationalen Vergleich hinkt die Schweiz damit weit hintennach.

So richtig viel Geld liess sich in der Vergangenheit mit dem Börsengang von Leonteq machen. Die im Oktober vor drei Jahren von EFG International zu 22,50 Franken platzierte Aktie der auf strukturierte Produkte spezialisierten Tochter gilt heute mehr als das Siebenfache. Zum Vergleich: Der Börsenwert des ehemaligen Mutterhauses stieg seither nur um 70 Prozent.

Börsendebüt trifft den Nerv der Zeit

Leonteq hat es in den letzten Jahren verstanden, immer neue Partnerbanken an Bord zu holen. Dass das Unternehmen dabei auf dieselbe Technologieplattform zurückgreifen kann, lässt die Gewinne sprudeln. Dem Geschäftsmodell sind kaum Grenzen gesetzt, was bei den Anlegern und den Aktienanalysten gleichermassen gut ankommt. Von fünf Banken, welche den Anbieter von strukturierten Produkten abdecken, empfehlen vier die Aktien zum Kauf. Eine davon ist die Zürcher Kantonalbank, welche erst vor wenigen Tagen die Abdeckung mit "Übergewichten" aufgenommen hat.

Auch der Börsengang des Biotechnologieunternehmens Molecular Partners hatte alle Zutaten für einen Erfolg. Allerdings gelang dieser erst im zweiten Anlauf und verlangte den Anlegern von Anfang weg viel Geduld und gute Nerven ab. Am ersten Handelstag im November letzten Jahres kletterte die bei 22,40 Franken ausgegebene Aktie zwar auf 25 Franken. Vier Wochen liess sie eine Verkaufswelle jedoch vorübergehend auf 19,40 Franken zurückfallen.

Fulminanter erster Handelstag

Nicht zuletzt dank den prominenten Partnerfirmen wie Allergan und dem hohen kommerziellen Potenzial des Schlüsselwirkstoffs notiert die Aktie heute gut 50 Prozent über dem damaligen Ausgabepreis.

Erst wenige Monate an der Börse ist der Mobilfunkkonzern Sunrise Communications. Nach einem fulminanten ersten Handelstag - die Aktien schoss damals von 68 Franken um knapp 12 Prozent nach oben - stieg der Kurs innerhalb weniger Wochen bis auf 90 Franken. Für Impulse sorgten einerseits die hochkarätigen Zugänge im Aktionariat wie der Staatsfonds von Singapur oder der grosse deutsche Versicherungskonzern Allianz und andererseits die Aufnahme der Aktie in den viel beachteten Stoxx 600 Index.

Publikumsöffnung kein Erfolgsgarant

Mitte Mai fand der Höhenflug nach einer völlig unerwarteten Ergebnisenttäuschung dann allerdings ein jähes Ende. In Erwartung einer grosszügigen zukünftigen Dividendenpolitik hat sich die Aktie seither etwas gefangen. Seit der Publikumsöffnung resultiert immerhin ein Kursplus von 15 Prozent.

Immerhin 10 Prozent über dem Ausgabepreis von 64 Franken notiert die Aktie der SFS Group, den Dividendenabgang von Mitte Mai miteinberechnet. Dennoch bleibt der Metallverarbeiter der immensen Erwartungshaltung an die Publikumsöffnung bis heute einiges schuldig. Prominente Unterstützung erhält das Unternehmen von den Banken. Von sechs empfehlen immerhin ihre vier die Aktie zum Kauf. Das grösste Aufwärtspotenzial macht mit 17 Prozent auf 81 Franken die Credit Suisse aus. Neben Morgan Stanley und der UBS gehörte die Grossbank zu den federführenden Banken für den Börsengang.

Am ganz oberen Ende der mit 43 bis 51 Franken je Aktie angegebenen Preisspanne kam Cembra Money Bank an die Börse. Nach einer kursseitigen Achterbahnfahrt resultiert für die Aktionäre der ersten Stunde ein Plus von knapp 12 Prozent. Hauptattraktion des Konsumkreditvermittlers ist die attraktiv hohe Dividendenrendite von 5,4 Prozent.

Amerikanischer Grossaktionär macht Kasse

In Erwartung eines strengeren regulatorischen Umfelds und einer Beschränkung des maximalen Zinssatzes für Konsumkredite sagen Banken dem Börsenneuling eine eher schwierige Zukunft vorher. Mit drei Kaufempfehlungen und drei neutralen Einschätzungen halten sich die Analysten die Waage.

Der Ausstieg des ehemaligen Mutterhauses General Electric ist sowohl Fluch als auch Segen. Fluch deshalb, weil auf einen Schlag knapp 8 Millionen neue Namenaktien im Publikum landeten. Jedoch auch Segen, da mit der Beteiligungsplatzierung ein wichtiger Unsicherheitsfaktor wegfällt und die Aktie handelbarer ist.

Banken bei Lastminute.com in der Kritik

"Zurück auf Start", hiess es zuletzt für die Aktionäre der Thurgauer Kantonalbank. Nach einem vorübergehenden Ausflug bis auf 81,40 Franken notiert der Partizipationsschein nur ein Jahr nach der Publikumsöffnung wieder in der Nähe des Emissionspreises von 74 Franken. Nicht zuletzt aufgrund der weiterhin tiefen Zinsen bleibt das Umfeld für die Kantonalbank von Herausforderungen geprägt.

Ein Desaster für die Anleger ist der Börsengang der Bravofly Rumbo Group. Seit dem ersten Handelstag von Mitte April letzten Jahres kennt die Aktie nur eine Richtung: Die nach unten. Nach der in Analystenkreisen als teuer bezeichneten Übernahme des Rivalen Lastminute.com hat der Online-Reiseanbieter dessen Firmenname übernommen. Am immer intensiveren Wettbewerb seitens von Metasuchmaschinen ändert sich damit nichts.

Mit der Hilfe eines ins Leben gerufenen Aktienrückkaufprogramms hat sich die Aktie von ihren Tiefstkursen von Mitte Dezember gelöst. Vom Ausgabepreis von 48 Franken aus betrachtet errechnet sich aber noch immer ein sattes Minus von 65 Prozent.

Unangenehme Fragen müssen sich nicht nur die Firmenverantwortlichen und die Altaktionäre der Bravofly Rumbo Group, sondern auch die mit dem Börsengang betrauten Banken gefallen lassen. Denn Branchenbeobachtern zufolge zeichnete sich schon zum Zeitpunkt der Publikumsöffnung eine Verschärfung des Wettbewerbs ab.