Die Börsen setzen auf weitere EZB-Geldspritzen

Was Janet Yellen bislang nicht geschafft hat, könnte Mario Draghi gelingen: die Aktienmärkte aus ihrer sommerlichen Lethargie zu reissen.
03.09.2016 13:13
Eurofluten für die Märkte bedeuten höhere Aktienkurse.
Eurofluten für die Märkte bedeuten höhere Aktienkurse.
Bild: Pixabay

Anleger hoffen darauf, dass der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag mit seinen Hinweisen zur Geldpolitik den Märkten neuen Schwung verleiht. "Elf Wochen nach dem Brexit-Referendum sollte die EZB genügend Informationen für eine Neueinschätzung der Lage gesammelt haben", sagte Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Er rechne mit einer leichten Senkung der Konjunktur- und Inflationsprognosen und gleichzeitig mit Signalen für weitere Geldspritzen.

Bislang wollen die Währungshüter ihre Anleihekäufe bis "mindestens März 2017" fortsetzen. Robert Greil, Chefstratege des Bankhauses Merck Finck, tippt auf eine Verlängerung um sechs bis neun Monate. Darüber hinaus könnte die EZB Bank-Anleihen in ihr Kaufprogramm aufnehmen, um die durch die Niedrigzinsen gebeutelten Geldhäuser zu entlasten, fügte Greil hinzu. Eine Ausweitung des monatlichen Ankaufvolumens von derzeit 80 Milliarden Euro sei aber unwahrscheinlich, betonte Commerzbank-Experte Schubert.

Fed-Politik bleibt Thema

Überdies sammeln die Investoren weitere Signale, wann die US-Notenbank (Fed) unter Leitung Yellens die Zinsen erhöhen wird. So werden sie am Mittwoch den Konjunkturbericht der Fed ("Beige Book") genau durchforsten. Der durchwachsene Arbeitsmarktbericht für August deutet nach Experteneinschätzung zwar darauf hin, dass eine Anhebung bereits im laufenden Monat unwahrscheinlicher geworden ist.

Als endgültig ausgeschlossen gilt ein solcher Schritt aber nicht. Immerhin gaben die Jobdaten den Aktienmärkten am Freitag Auftrieb. Der SMI schloss am Freitagabend mit einem Plus von 1,9 Prozent bei 8294 Punkten.

In der Schweiz stellen am Montag die Helvetia-Versicherungen und die Immobiliengesellschaft Hiag ihre Zahlen vor. Am Dienstag folgen der Energiekonzern BKW sowie die Jungfraubahnen und die Biotechfirma Santhera. Am Mittwoch lassen sich der Schliesstechniker Dorma+Kaba und der Energiespeicherspezialist Lechlanché in die Bilanz schauen, am Donnerstag schliesslich die Burkhalter-Gruppe aus der Elektrotechnikbranche.

Von der Konjunkturseite her kommen die Wachstumszahlen vom zweiten Quartal durch das Wirtschafts-Staatssekretariat Seco vorgestellt am Dienstag. Bereits am Montag wird das Bundesamt für Statistik mit den Beherbergungszahlen vom August weitere Informationen zur Entwicklung der Tourismusbranche geben.

Wenig Implus von G20

An der Wall Street rückt ausserdem die Präsidentenwahl im November stärker in den Blick. Bislang habe dieses Thema keine grosse Rolle gespielt, sagte Marktstratege JJ Kinahan vom Handelshaus TD Ameritrade. Ferner steht das Stimmungsbarometer der US-Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor (Dienstag) auf dem Terminplan. Die Wall Street bleibt am Montag wegen eines Feiertages geschlossen.

Vom Gipfel der 20 grössten Industrie- und Schwellenländer (G20) erwarten Börsianer kaum Impulse für die Börse. Eine Einigung auf neue Konjunkturprogramme sei wenig wahrscheinlich, sagte Ingo Mainert, Chef-Anlagestratege für Europa bei Allianz Global Investors. "Die USA werden sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen nicht mehr weit aus dem Fenster lehnen, und Deutschland wird angesichts des Ziels der 'Schwarzen Null' zurückhaltend bleiben."

(cash/Reuters)