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«Die Börsen werden wieder galoppieren»

Die momentane Krise in den Schwellenländern ist schwerwiegend und dauert länger als vergleichbare Schocks in den 90er Jahren, sagt Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Dennoch werden die hiesigen Börsen wieder zulegen.
31.01.2014 07:50
Von Daniel Hügli
Alfred Herbert im Börsen-Talk vom 31. Januar.
Bild: cash

Panikartig flüchten Investoren weltweit aus Anlagen in Schwellenländern (Emerging Markets) wie Indien, Türkei oder Brasilien. So fielen die Vermögen des Exchange Traded Fund (ETF) auf dem MSCI Emerging Markets des Anbieters iShares im Januar um satte 11 Prozent. Der Ausverkauf bei Währungen, Aktien und Bonds aus diesen Ländern schüttelt seit fast zwei Wochen auch die Börsen auf der ganzen Welt durch, der Swiss Market Index (SMI) hat seit Mitte der letzten Woche um 6 Prozent nachgegeben.

"Die jetzige Krise in den Schwellenländern ist schlimmer als diejenigen vor zehn oder 15 Jahren. Damals waren nur einige Länder oder Regionen betroffen, nun sind es Schwellenländer weltweit", sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Zudem seien heute viel grössere Beträge im Spiel. Herbert kommt zum Schluss: "Die momentane Krise in den Schwellenländern wird länger dauern als die vorangehenden."

Das Nullzinsumfeld in den entwickelten Nationen hatte viele Investoren dazu verleitet, in den Schwellenländern, die generell ein höheres Zinsumfeld und schnelleres Wachstum bieten, nach einträglicheren Renditen zu suchen. Jetzt, da die US-Zentralbank die ultralockere Geldpolitik zu straffen beginnt, kriegen viele Anleger kalte Füsse und ziehen ihr Kapital ab. Zur Verunsicherung der Anleger trugen auch relativ schwache Wirtschaftdaten aus China und politische Probleme wie in der Türkei bei.

Alfred Herbert glaubt indes nicht, dass sich die Börsen in den entwickelten Ländern weiter vom Abwärtssog der Schwellenländer mitreissen lassen. Das Vorrücken der Aktienmärkte werde zwar langsamer sein als auch schon. "Dennoch versucht die Börse auf den Frühling hin, nochmals zu galoppieren."

Zu viel Geld da

Dafür sprechen laut Herbert vor allem zwei Gründe. Nach wie vor sei zu viel Geld vorhanden. Mangels Anlagealternativen werde das Kapital, das sich durch den Rückfluss aus den Schwellenländern noch zusätzlich vermehre, wieder in solide Aktien investiert. "Das Unglück der Schwellenländer ist das Glück der Industrieländer", so Herbert.

Zudem schütten die Unternehmen in den nächsten Monaten ihre Dividenden aus, die in diesem Jahr nochmals höher liegen als im letzten Jahr. "Diese Gelegenheit wollen viele Investoren nicht verpassen, sie werden daher in den nächsten Wochen vermehrt Aktien kaufen", sagt Herbert im Börsen-Talk.

Die bisherigen Jahreszahlen der Schweizer Unternehmen schaut Herbert mit einiger Skepsis an. Vor allem die Zahlen von Roche und Novartis seien nicht einfach zu interpretieren gewesen. Das waren sie für alle Investoren nicht: Der Kurs des Genussscheins von Roche fiel am Donnerstagmorgen nach der Bekanntgabe der Jahreszahlen über 2 Prozent und touchierte damit ein Dreimonatstief, kletterte dann aber im Handelsverlauf über 4 Prozent. "Die Anleger sind derzeit extrem selektiv beim Analysieren der Jahreszahlen und beim Investieren", sagt Herbert. Das habe auch damit zu tun, dass viele Schweizer Aktien nicht mehr billig seien.

Selektiv wurden die Anleger vor allem bei den Aktien von Swatch und Richemont. Beide Titel befinden sich auf dem tiefsten Stand seit sieben Monaten. Hintergrund ist die Entwicklung in China. Einerseits wegen der Wirtschaftsdaten, andererseits wegen des verschärften Vorgehens der chinesischen Regierung gegen Korruption. Spesen- und Geschenkegelder bei Unternehmen für teure Uhren sitzen deshalb nicht mehr so locker. "Der Kurs der Uhrenhersteller wird daher eher noch mehr leiden", sagt Herbert.

 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zu Bankaktien, zum Goldpreis und dazu, wie sich Anleger im Zeiten von Börsenstürmen verhalten sollten.