Die Credit Suisse in Erklärungsnot

Mit ihrer Kaufempfehlung für europäische Bankaktien lag die Credit Suisse nicht sonderlich gut. In einer aktuellen Strategiestudie rechtfertigt sich die Grossbank nun.
31.07.2014 08:15
Von Lorenz Burkhalter
Die Aktienstrategen der Credit Suisse sehen sich wegen einer Kaufempfehlung für Bankaktien in Erklärungsnot.
Die Aktienstrategen der Credit Suisse sehen sich wegen einer Kaufempfehlung für Bankaktien in Erklärungsnot.
Bild: Bloomberg

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als die Strategen der Credit Suisse mit einer aggressiven Kaufempfehlung für europäische Bankaktien für Schlagzeilen sorgten. Jetzt, rund zwölf Monate später, sehen sich die Experten in einem ausführlichen Kommentar zu Rechtfertigungen gezwungen.

Und das nicht ohne Grund: Seit Ende Juli letzten Jahres resultiert beim Branchenindex des Swiss Performance Index für Bankaktien ein Minus von 6,8 Prozent. Damit schnitt der Unterindex im Vergleich zum Gesamtmarkt um mehr als 20 Prozent schlechter ab.

Credit Suisse nennt mehrere Kaufargumente

Im Kommentar raten die Strategen der eigenen Anlagekundschaft nun dazu, an europäischen Bankaktien festzuhalten. Favorisiert werden jene von Intesa, Caixabank, Société Générale, Deutsche Bank, SEB und Natixis. Für die in den letzten Wochen und Monaten unterdurchschnittliche Entwicklung machen sie die unerwartet rückläufigen Zinsen verantwortlich.

Die Experten führen gleich mehrere Gründe an, weshalb sie dem europäischen Bankensektor weiterhin die Stange halten:

Konjunkturabhängigkeit: Der Credit Suisse zufolge gibt es keine andere Branche, die eine derart hohe Abhängigkeit von den Einkaufsmanager-Indizes aufweist. Die Angst vor einer Deflation in der Eurozone sei übertrieben und bei den Einkaufsmanager-Indizes schon bald mit einer Verbesserung der Situation zu rechnen.

Bewertung: Die europäischen Bankaktien würden derzeit mit dem 1,07-fachen bereinigten Buchwert bewertet. In den Jahren 1960 bis 1990 sei die Bewertung durchschnittlich beim 1,3-fachen gelegen. Aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf die Regulierungen, die Besteuerung und Rechtsrisiken sei ein Abschlag von 15 Prozent von diesem Durchschnitt angebracht. In Erwartung eines um 7 Prozent steigenden bereinigten Buchwerts machen die Strategen für die kommenden 12 Monate ein Aufwärtspotenzial von 15 Prozent aus.

Gewinntreiber sollten helfen: Die Entwicklung bei den Risikoaufschlägen spricht den Experten zufolge für einen substanziellen Rückgang bei den Kreditrückstellungen. Dieser könne 90 Prozent zur zukünftigen Gewinnentwicklung beitragen. Gleichzeitig habe sich das Umfeld so weit entspannt, dass das Kreditwachstum wieder anziehen sollte. Die nicht durch Rückstellungen gedeckten Rechtsrisiken werden in der Studie mit rund 35 Milliarden Dollar beziffert, was nur 5 Prozent der gesamten Börsenkapitalisierung europäischer Banken entspreche.

Darüber hinaus halten die Strategen die europäischen Bankaktien mittlerweile für überverkauft. Bleibt für die Credit Suisse und ihre Anlagekundschaft zu hoffen, dass die aggressive Kaufempfehlung von Ende Juli vergangenen Jahres doch noch aufgeht.