«Die defensiven Titel bleiben attraktiv»

Christian Gattiker, Chefstratege bei Julius Bär, gibt im Video-Interview eine Einschätzung zu den kommenden Halbjahreszahlen der Unternehmen. Er sagt zudem, welche Anlageregion er bevorzugt.
15.07.2013 12:53
Von Frédéric Papp
Christian Gattiker, Chefstratege Bank Julius Bär.
Bild: cash

Der Start in die Halbjahreszahlensaison ist geglückt. Letzten Freitag überraschte EMS-Chemie mit starken Zahlen und auch am Montag kann der Logistiker Kühne + Nagel die Markterwartungen erfüllen. Am Mittwoch wird zudem mit Novartis das erste SMI-Schwergewicht die Zahlen veröffentlichen.

Gerade was die Pharmabranche betrifft, ist Christian Gattiker, Chefstratege bei der Bank Julius Bär, zuversichtlich. "Aufgrund der Dollarstärke werden jene Unternehmen auf der positiven Seite liegen, die grosse Teile ihrer Erträge im Dollarraum erwirtschaften", sagt er im Video-Interview. Laut Gattiker dürften primär Pharmaunternehmen und Biotechfirmen profitieren.  

Seit Jahresbeginn verteuerte sich der "Greenback" gegenüber dem Franken um über 4 Prozent. Am 22. Mai markierte er mit 0,9839 Franken ein vorläufiges Jahreshoch. Die amerikanische Notenbank Fed verhinderte einen noch stärkeren Dollar mit der Zusicherung von letzter Woche, die Geldpressen weiter auf Hochtouren arbeiten zu lassen.

Auf Pharma und Nahrungsmittel setzen

Die Dollarstärke ist laut Gattiker mit ein Grund, auch im zweiten Halbjahr auf die Pharmabranche zu setzen. Weiter spreche die defensive Ausrichtung für Pharmatitel. Dieselben Gründe würden für den Nahrungsmittelsektor gelten. Mit Ausnahme von Nestle konnten Titel wie Roche oder Novartis in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich besser performen als der Gesamtmarkt. Der Genussschein von Roche konnte in diesem Jahr 32 Prozent zulegen, die Aktie von Novartis ist 21 Prozent mehr Wert als Ende 2012.

Ausserhalb der Schweiz favorisiert der Anlagestratege eindeutig die USA. "Die USA haben sich viel stärker zurückgemeldet als allgemein erwarten worden war", stellt er fest. Zudem sei die Region in den Anleger-Portfolios noch untervertreten.

Schwellenländer als Gefahrenherd

Doch den Unternehmen drohen auch Gefahren: "Es kommt Druck aus einer Ecke, den die Schweizer Unternehmen nicht gewohnt seien", warnt Gattiker. Gemeint sind Schwellenländer wie beispielsweise China. Chinas Wirtschaftszahlen haben bereits mehrmals enttäuscht. Allerdings sind die letzten Zahlen besser als erwartet ausgefallen.

Arg unter die Räder gerät auch Brasiliens Wirtschaft. Das Land leidet stärker als andere unter gesunkenen Rohstoffpreisen, die Industrie ist schwach. Die anziehende Inflation wirkt hemmend auf das Wachstum, und die viel gepriesene Entwicklung der Infrastruktur kommt nur langsam voran. Die Folgen: Brasilianische Aktien haben, gemessen am Börsenbarometer Bovespa, in diesem Jahr deutlich nachgegeben: Nach über 63'000 Punkten zu Jahresanfang notiert der Index mittlerweile nur noch bei gut 45'000 Zählern - ein Minus von 28 Prozent.

 

Im Video-Interview sagt Gattiker, welche Unternehmen eher durchzogene Halbjahresresultate präsentieren werden. Zudem äussert er sich zur Frankenstärke und zu deren Einfluss auf die Unternehmen.