Hügli meint

Die Franken-Nörgler sollten Augen auftun

Die Klagen über einen überbewerteten Franken nehmen nicht ab. Dabei ist die Schweiz mit den aktuellen Franken-Kursen mehr als gut bedient.
25.11.2015 14:03
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
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Bild: Geri Born

Gewiss: Die Aufwertung des Schweizer Franken nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze bereitet der Schweizer Volkswirtschaft die erwarteten Probleme. Produktionsverlagerungen ins Ausland fördern die Deindustrialisierung der Schweiz, Teile des Tourismus müssen mit weniger Gästen auskommen. Der damit einhergehende Arbeitsplatzabbau ist schmerzhaft.

Dennoch kann ich die ständigen Klagen wegen des überbewerteten Franken nicht mehr hören. Nicht, weil diese falsch wären. Die Kaufkraftparität zwischen Euro und Franken ist nach wie vor im Ungleichgewicht. Aber die Franken-Nörgler sollten einmal die Augen aufmachen und die derzeitigen Franken-Kurse (zum Euro und zum Dollar) in Relation zu den geopolitischen Ereignissen stellen. Denn eine Behauptung sei hier aufgestellt: Im selben Umfeld wäre der Franken vor einigen Monaten einiges näher an der Parität zum Euro gewesen als heute.

Krieg und Chaos im Nahen und Mittleren Osten, Expansionskurs Russlands und der Eintritt des Landes in den Syrien-Krieg, Flüchtlingsströme in eine bereits destabilisierte Europäische Union, Terrorwelle in europäischen und islamischen Staaten. Die Welt, zumal ökonomisch sehr fragil unterwegs, befindet sich in einer sehr unstabilen Lage, die einige Beobachter gar als die schwierigste geopolitische Situation seit dem Zweiten Weltkrieg beurteilen.

All diese Punkte müssten aufgrund der Devisenmarkt-Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte eigentlich eine massive Flucht in den Franken auslösen. Das passiert aber kaum. Der letzte Beweis kam am Dienstag: Nachdem die Türkei ein russisches Kampfflugzeug abschoss, reagierten die Aktienmärkte weltweit negativ, Investoren flüchteten in sichere Staatsanleihen. Und die Reaktion beim Franken? Ein kaum wahrnehmbares Zucken in der Gegend von 1,0840 Franken pro Euro. Auch wegen der Spekulation, wonach die Europäische Zentralbank nächste Woche ihre Geldpolitik noch mehr lockern und den Euro weiter schwächen dürfte, wertet sich Schweizer Währung bislang kaum auf.

Wirken allmählich die Negativzinsen der Nationalbank? Ist die SNB immer wieder im Markt aktiv mit Devisenkäufen? Oder verliert der Franken generell seine Funktion als sicherer Hafen für Investoren?

Das steht ebenso wenig fest wie die Möglichkeit, dass sich der Franken plötzlich doch wieder schnell aufwerten kann. Fest steht aber, dass die Schweiz mit den aktuellen Frankenkursen angesichts der turbulenten Weltereignisse derzeit gut bedient ist. Das sollten die Franken-Nörgler auch mal zur Kenntnis nehmen.