Die ganze Welt wettet auf den Dollar

Eine Umfrage einer amerikanischen Grossbank zeigt: Noch nie zuvor wurde stärker auf einen steigenden Dollar spekuliert. Kommt nach dem Zinsentscheid alles anders als gedacht?
16.12.2015 08:59
Von Lorenz Burkhalter
Anleger versprechen sich dank höheren Zinsen einen steigenden Dollar. Doch was, wenn alles anders kommt?

Schon seit Wochen versuchen Vertreter der amerikanischen Notenbank die Finanzmärkte auf die erste Leitzinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise einzuschwören. Mehrmals wurde eine solche in der Vergangenheit in letzter Minute doch noch abgesagt. In wenigen Stunden wird sich nun zeigen, ob die Verantwortlichen auf Worte endlich auch Taten folgen lassen.

Steigende Zinsen würden den Dollar für Anleger nur noch interessanter machen, so lautet die gängige Meinung. Eine monatlich bei Fondsmanagern und Vermögensverwaltern durchgeführte Umfrage der Bank of America Merrill Lynch zeigt denn auch: Die ganze Welt wettet auf einen steigenden Dollar.

Die derzeit wohl beliebteste Wette

Auffällig ist, dass nicht nur optimistische Umfrageteilnehmer, sondern auch die pessimistisch gestimmten Finanzmarktteilnehmer Gefallen am Greenback finden. Der Bank of America Merrill Lynch zufolge wird gleich dreimal so häufig auf den Dollar gesetzt wie auf die zweitpopulärste Wette der Fondsmanager und Vermögensverwalter.

Interessant auch: Die optimistische Haltung der Befragten für den Greenback liegt gut eine Standardabweichung über dem Durchschnitt der Vergangenheit, was einem Extremwert gleichkommt. Am beliebtesten ist bei den Umfrageteilnehmern den Kauf von Dollar gegen Euro.

Was, wenn alles ganz anders kommt?

Der Aufwärtstrieb des Greenback werde erst ein Ende haben, wenn der Zinszyklus auslaufe (35 Prozent der Befragten) oder die Unternehmensgewinne amerikanischer Firmen schrumpfen (23 Prozent der Befragten), so zeigt die Umfrage.

Allerdings könnte alles ganz anders kommen, sollte die amerikanische Notenbank in wenigen Stunden tatsächlich die Leitzinsen erhöhen. Denn gemäss Erhebungen der Credit Suisse hat der Dollar seinen Höhepunkt während den vergangenen fünf Zinszyklen jeweils kurz nach dem ersten Zinsschritt erreicht. Wie die Grossbank weiter schreibt, ist der Greenback über die letzten Jahre handelsgewichtet um 40 Prozent gestiegen, was sich ebenfalls mit in der Vergangenheit gemachten Beobachtungen decke.

Die Credit Suisse sagt dem Dollar deshalb trotz steigender Zinsen nur noch ein geringes Aufwärtspotenzial zu. Damit scheint sie - darauf lässt zumindest die Umfrage der Bank of America Merrill Lynch schliessen - allerdings ziemlich alleine da.