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«Die Gier übermannt jeden Börsianer»

Das SMI-Allzeithoch aus dem Jahr 2007 ist wohl bald fällig, sagt cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk. Auch die Marke von 10'000 Punkten werde früher oder später fallen - sofern nichts Ausserordentliches passiert.
29.05.2015 00:01
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk vom 29. Mai 2015.
Bild: cash

Mit derzeit 9400 Punkten bewegt sich der Swiss Market Index wieder auf einem Niveau, das in der Nähe des Allzeithochs von 9531 Zählern aus dem Jahr 2007 liegt. Das Börsenzwischentief im April, als auch die Obligationenkurse weltweit in den Keller rasselten, sind bereits wieder vergessen.

Laut cash-Guru Alfred Herbert ist in nächster Zeit nicht bloss das Allzeithoch des SMI "greifbar", wie er im cash-Börsen-Talk sagt. Auch die Marke von 10'000 Zählern wird früher oder später fallen. "Das war beim deutschen Leitindex Dax so, und das wird uns auch blühen, wenn politisch nicht ganz schlimme Sachen passieren."

Herbert begründet den wahrscheinlichen weiteren Anstieg der Börsen mit der Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB und die Notenbanken der Euro-Länder kaufen seit dem 9. März im Monat für rund 60 Milliarden Euro Wertpapiere. Bis September 2016 sollen auf diese Weise rund 1,14 Billionen Euro in das Finanzsystem gepumpt werden. Die EZB-Geldschwemme soll die Kreditvergabe der Banken beflügeln, was der Konjunktur zugute kommen dürfte. Die Suche nach Dividendenaktien und die Neuinvestition der ausbezahlten Dividenden in Aktien stützten laut Herbert die Börsen ebenfalls.

Doch eigentlich ist das Börsenumfeld beileibe nicht nur positiv. Über Griechenland hängt weiterhin das Damoklesschwert der definitiven Staatspleite, in den USA kommt die erste Zinserhöhung seit langem, das Wachstum in China gerät immer mehr ins Stocken. Und doch investieren die Anleger immer weiter. Das ist laut Herbert typisches Verhalten an den Märkten: "Die Gier ergreift jeden Börsianer".

Fusionen und Übernahmefieber

Angetrieben werden die Märkte auch immer mehr von den Übernahme- und Fusionsaktivitäten. So lehnt der Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta ein Übernahmeangebot des US-Konzerns Monsanto für 449 Franken je Syngenta-Aktie mit einem Baranteil von 45 Prozent ab. Die Transaktion hätte einen Wert von 42 Milliarden Dollar.

Laut Herbert wird der Deal aber sowieso über die Bühne gehen, obwohl keine Mitbieter mehr aufspringen würden. Denn "Monsanto will Syngenta um jeden Preis", so Herbert im Börsen-Talk. Er rechnet damit, dass der US-Konzern sein Angebot auf 470 bis 500 Franken pro Syngenta-Aktie erhöhen wird.

Herbert will im derzeitigen Übernahmefieber vor allem im Pharmasektor Gerüchte gehört haben, wonach auch Novartis und Roche "erste Erkundigungsgespräche" am Laufen haben, "ob man Möglichkeiten sieht für eine vertiefte Zusammenarbeit oder mehr." Novartis hatte unter Daniel Vasella vor knapp 15 Jahren über Monate heimlich 33 Prozent der stimmberechtigten Inhaberaktien von Roche aufgekauft. Die Nachkommen der Roche-Gründer halten ja 50,1 Prozent der 160 Millionen Inhaberaktien, die nicht zu verwechseln sind mit den nicht-stimmberechtigten Genussscheinen von Roche. Der Konzern kann also ohne die Zustimmung des Familienpools nicht übernommen werden.

Roche hatte sich wiederholt gegen ein Zusammengehen mit Novartis geäussert. Roche-CEO Severin Schwan sagte erst Anfang April, es sei "völlig undenkbar", in Mega-Merger hineinzugehen. Damit würde zerstört, was Roche ausmache.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zur Aktienkursentwicklung der UBS und zu möglichen Übernahmekandidaten an der Schweizer Börse.