Die «Golden Agers» sind Renditegaranten

Es gibt immer mehr ältere Leute, die viel Geld haben und es auch ausgeben: Diesen Trend haben auch Fondsmanager entdeckt.
04.02.2015 14:10
Von Frédéric Papp
«Golden Agers» bleiben nicht auf ihrem Geld sitzen - sie geben es zunehmend auch aus.
«Golden Agers» bleiben nicht auf ihrem Geld sitzen - sie geben es zunehmend auch aus.
Bild: © blende40/fotolia.com

Wissen Sie, wie hoch das durchschnittliche Alter eines Kreuzfahrttouristen ist? Rund 60 Jah­re. Oder welche Altersklasse sich im vergangenen Jahr einen Ferrari leistete? In Japan waren es vorwiegend Leute über 70 Jahre. Ins Bild passt Folgendes: Das Durchschnittalter eines Mercedes-Benz-S-Klasse-Fahrers liegt bei 62. Die Zahlen mögen der Strassensicherheit vielleicht abträglich sein, sie zeigen aber, wo aus demografischer Sicht die Kaufkraft liegt: bei den älteren Menschen.

Meret Gaugler kennt solche Zahlen. Gaugler ist Fondsmanagerin des «Golden-Age»-Fonds von Lombard Odier Investment Managers. Der Fonds wurde Ende 2009 lanciert und brachte den Anlegern seither eine Rendite von über elf Prozent pro Jahr ein. Der Fonds – bislang der einzige seiner Art – investiert ausschliesslich in Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Umsätze mit dem Thema Bevölkerungsalterung erzielen. Aktien von Roche, Straumann, Estée Lauder oder Royal Caribbean befinden sich in Gauglers Fonds.

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Was früher Belastung war, ist heute eine Chance

In den letzten fünf Jahren habe sich die Wahrnehmung der Überalterung der Gesellschaft deutlich verändert, sagt Gaugler. «Während früher primär die Lasten der Demografie für künftige Generationen thematisiert wurden, sehen heute Investoren verstärkt die Renditechancen, die mit der Kaufkraft der Babyboomer zusammenhängen.» Zur Baby­boomer-Generation gehört, wer zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Ende der 1960er-Jahre geboren wurde. Diese Generation hat das grosse Los gezogen. Sie konnte schon früh von der Konsumneigung einer rasch wohlhabend werdenden Gesellschaft profitieren. Sie erhielt oft eine gute Ausbildung, hatte nach der Schule kein Problem, einen Job zu bekommen – und die Nachkriegsgeneration profitierte von steigenden Löhnen.

USA: 70 Prozent der Einkommen sind bei Leuten über 50

Mit Folgen: In den USA liegen laut Gaugler 70 Prozent der verfügbaren Einkommen in den Händen von Menschen über 50. In der Schweiz leben rund 140 000 Millionäre, im Schnitt hat jeder 65-Jährige rund 500 000 Franken auf die Seite gelegt. Es handelt sich bei den Babyboomern im wahrsten Sinne des Wortes um eine goldene Generation.  «Eine derart vermögende Generation bleibt wahrscheinlich eine Ausnahmeerscheinung», sagt Gaugler.

Als Grund nennt die Fondsmanagerin mitunter die im historischen Vergleich hohe Rendite auf praktisch allen Anlageklassen in den 1980er- und 1990er-Jahren. Zudem lebte die Generation vor den besagten Babyboomern sparsam und hatte grosse Vermögenswerte weitervererbt. Die ersten Babyboomer haben nun vor fünf Jahren das Pensionsalter erreicht. Nach Gauglers Schätzungen könnte der «Golden-Age»-Trend noch etwa 20 Jahre lang andauern.

Logisch, profitieren auch zahlreiche Firmen von den ausgabefreudigen Alten. Eine wohlhabende Schicht von älteren Menschen ist aber ein Phänomen von Industriestaaten. Gaugler reist denn auch regelmässig für Firmenbesuche in die USA oder nach Japan. Vor einem Aktienkauf eines Unternehmens wird auch die Bewertung des Titels angeschaut. «Wachstum kaufen zu einem vernünftigen Preis», nennt Gaugler das. Auch Treffen mit Managements sind häufig – etwa 150 bis 200 pro Jahr.

Ein boomender Windeln-Markt für Senioren in Japan

Von solchen Reisen bringt Gaugler immer wieder Anekdoten mit, wie etwa diese: «Es mag erstaunen, aber beim Verbrauch von Windeln liegen in Japan die Senioren gegenüber Babys klar vorn.» Auch werden in Japan alte Menschen bereits von Roboter-Krankenschwestern gepflegt. Das Land hat 10 Millionen Menschen, die über 80 Jahre alt sind, aber gerade einmal  300 000 Altersheimplätze. Dazu lässt Japan weiterhin sehr wenig Immigration zu. Die Robotik könnte laut Gaugler somit eines der nächsten grossen Investitionsthemen werden.

«Ein erfolgreicher Investor braucht eine gute Portion Menschenkenntnis»

Meret Gaugler, Sie haben Physik an der ETH Zürich studiert und zu Parkinson doktoriert. Weshalb der Wechsel in die Finanzbranche?
Forschung ist auf lange Sicht sehr spannend, aber der Alltag kann manchmal auch langwierig sein, gerade in monatelangen Experimentierphasen in der biologisch-medizinischen Forschung. Bei den Finanzmärkten hingegen ist gerade das Gegenteil der Fall.

Greifen Sie in Ihrer Arbeit oft auf Ihr naturwissenschaftliches Wissen zurück?
Ja, vor allem bei möglichen Investments im Gesundheitsbereich. Man ist schneller, wenn man Fachwissen hat. Und dies hebt einen von Generalisten ab, welche oft die Kommentare der grossen Brokerhäuser abwarten. Fachwissen und eine analytische Denkweise genügen aber nicht. Am Markt spielt man mit vielen anderen Playern zusammen, daher braucht ein erfolgreicher Investor auch eine gute Portion Menschenkenntnis.

Wie sieht ein Tag bei Ihnen aus?
Man kann seinen Tag nicht richtig planen, und auch in den Ferien ist Abschalten schwierig. Denn Unternehmensnews oder makroökonomische Richtungsentscheide können jederzeit eintreffen. Das kann mitunter zwar stressig sein, zugleich aber auch spannend. Wichtig ist, möglichst oft einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn der Markt nervös reagiert. Wie sind Sie denn persönlich investiert? Die Privatbank Lombard Odier ist streng mit Eigengeschäften. Das «Golden-Age»-Team darf aber in den Anlagefonds investieren, den es selber managt. Und ganz ehrlich gesagt, ist es mir wohl, in etwas investieren zu können, das ich selber mitverantworte.

Meret Gaugler ist seit März 2012 zusammen mit Johan Utterman für den «LO Funds – Golden Age» von Lombard Odier Investment Managers verantwortlich. Sie schloss 2004 ihr naturwissenschaftliches Studium an der ETH Zürich ab und doktorierte 2010 an der ETH Lausanne in Neurowissenschaften. Sie ist seit vier Jahren für Lombard Odier tätig.