«Die Grossaktionäre fordern uns heraus»

Die Goldbach-Aktie gehört in der Schweiz zu den besten im laufenden Jahr. Welche Rolle spielen die aktiven Investoren und wie steht es um die Dividende? CEO Michi Frank und Finanzchef Lukas Leuenberger geben Auskunft.
21.09.2016 17:10
Interview: Ivo Ruch
Finanzchef Lukas Leuenberger (links) und CEO Michi Frank von der Goldbach Group.
Finanzchef Lukas Leuenberger (links) und CEO Michi Frank von der Goldbach Group.
Bild: zvg/cash

Nach Jahren der Seitwärtsbewegung ist die Aktie der Goldbach-Gruppe seit rund einem Jahr auf steilem Aufwärtskurs. Seit Beginn dieses Jahres gehört der Titel mit einem Plus von knapp 50 Prozent gar zu den besten an der Schweizer Börse.

Goldbach ist spezialisiert auf die Vermarktung und Vermittlung von Werbung in privaten Medien, hauptsächlich im elektronischen, mobilen und interaktiven Bereich. 2015 betrug der Umsatz 470 Millionen Franken, alleine 333 Millionen kamen von Schweizer TV-Werbung (Werbefenster für RTL, Sat1, ProSieben etc.).

Im Gespräch mit cash kommentieren Goldbach-CEO Michi Frank und Finanzchef Lukas Leuenberger die Aktienkursentwicklung und äussern sich zur Dividende, zu den Grossaktionären und zur neuen Konkurrenz auf dem Schweizer Werbemarkt.

cash: Die Goldback-Aktie läuft in diesem Jahr auffallend gut. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?

Lukas Leuenberger: In der Vergangenheit herrschte eine gewisse Skepsis am Markt. Aufgrund der seit Ende 2013 ergriffenen Massnahmen und der besser werdenden Zahlen setzte eine andere Wahrnehmung ein. Das hat dazu geführt, dass wir näher an einer fairen Bewertung der Firma sind als früher.

Ist es Ihnen wichtig, dass der Markt Ihre Arbeit entsprechend honoriert?

Michi Frank: Selbstverständlich. Das ist unser Job. Wir haben verschiedene Aufgaben. Eine davon ist sicherlich, für die Aktionäre eine klare Dividendenpolitik zu haben. Wichtig ist auch die Glaubwürdigkeit: Wir halten, was wir erzählen. Wenn wir das beibehalten, sind wir auf dem richtigen Weg.

Die Dividende erhöhten Sie im Geschäftsjahr um 25 Prozent. Können Aktionäre auch in Zukunft mit solchen Wachstumsraten rechnen?

Lukas Leuenberger: Wir haben uns zu einer aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik verpflichtet. Aber wir machen in diesem Bereich bewusst keine zahlenmässige Prognose. Wir werden auch in Zukunft einen grossen Teil unseres Gewinns ausschütten.

Der aktive Investor Veraison ist mit einem Anteil von rund 20 Prozent seit Anfang 2015 einer Ihrer Grossaktionäre. Beeinflusst das die Arbeit des Managements?

Michi Frank: Sie fordern uns heraus. Aber von den Erfahrungen, die Gregor Greber und Valentin Chapero (Anm. d. Red.: die beiden Gründer des Veraison-Fonds) mitbringen, profitieren wir nur. Sie bringen uns auf neue Gedanken, um Goldbach gemeinsam erfolgreich zu gestalten. Ob Aktionäre, Verwaltungsrat oder Management: Wir sitzen alle in einem Boot.

Ein anderer Grossaktionär ist Beat Curti, der nächstes Jahr 80 wird. Welches Szenario haben Sie, wenn er seinen Anteil verkaufen möchte?

Michi Frank: Er hat immer noch Spass an Goldbach. Wir hatten kürzlich ein Strategiemeeting und er war voller Elan bei der Sache. Ich sehe nicht, dass er demnächst mit seinem Engagement bei Goldbach aufhören möchte.

Goldbach hat sich in der Vergangenheit aus Osteuropa und dem adriatischen Raum zurückgezogen, treibt nun aber die Expansion in Deutschland voran. Ist das nicht ein Widerspruch?

Michi Frank: Auf keinen Fall. Wir fokussieren auf die Schweiz, Deutschland und Österreich. Eine Mentalität, eine Sprache. Wir sind in Deutschland nicht so schnell unterwegs wie ursprünglich geplant, aber wir spüren Monat für Monat, dass das Wachstum stimmt. Vor allem im Online-Video-Bereich und im programmatischen TV-Bereich. In Osteuropa herrschen andere Märkte und andere Mentalitäten, die wir aus der Schweiz heraus nicht durchdringen können.

Sie haben mit dem Werbevermarkter Admeira, einem Zusammenschluss von Swisscom, Axel Springer, Ringier und SRG, neue Konkurrenz bekommen. Bricht nun eine neue Zeit an?

Michi Frank: Das glaube ich nicht. Wir schätzen den Konkurrenzkampf, haben aber keine Angst.  Ich nehme Admeira noch nicht als gemeinsame Stimme wahr, die Unternehmen sind noch immer getrennt unterwegs. Ich habe nur ein Problem: Es kann nicht sein, dass Swisscom-Daten nur für Admeira zugänglich sind. Bei einer privaten Firma wäre es eine andere Situation. Aber die Swisscom gehört zu 51 Prozent dem Schweizer Staat. Wir müssen eine nationale Lösung finden. Es gibt ja das Projekt 'Swiss Media Data Hub'. Da hinein gehören die Swisscom-Nutzerdaten.

Das Thema Datenschutz ist ein sehr aktuelles. Wir stimmen am kommenden Sonntag über das Nachrichtendienstgesetz ab. Konsumenten dürften sich vermehrt fragen, was geschieht mit meinen digitalen Daten?

Michi Frank: In der Regel will ein Konsument eine Gegenleistung für seine Daten. Für mich ist die entscheidende Frage: Wem gehören die Daten? Demjenigen, der sie erhebt oder dem Mediennutzer? Dieses Problem ist noch nicht gelöst, weltweit und in der Schweiz.

Online-Werbung wie sie auch Goldbach vermittelt, wird immer wieder ein Akzeptanzproblem nachgesagt. Stellt das Ihre Firma vor Probleme?

Michi Frank: Wir müssen neue Wege finden. Im Online-Bereich bricht das Displaygeschäft zusammen, aber Video legt stark zu. Wir glauben an die Konvergenz. Es werden laufend neue Werbeformen geschaffen, wo sich Kundenbedürfnisse und Medieninhalten treffen.

Wie beurteilen Sie die Schweizer Medienlandschaft? Hält der Rückgang der gedruckten Medien an?

Michi Frank: Ich glaube daran, dass alles über den Inhalt läuft. Inhalte werden immer produziert werden, aber die Nutzung verändert sich. Ich bin überzeugt, dass die Print-Zahlen weiter zurückgehen werden. Entscheidend ist, dass man neue Nutzungsformen anbietet.

Das Interview mit Michi Frank und Lukas Leuenberger fand im Rahmen der Aktienkonferenz Investora 16 in Zürich statt.