Die grosse Aktien-Macht der Index-Kreatoren

Die steigende Beliebtheit von passiven Investments hat Index-Ersteller wie MSCI zu mächtigen Playern an den Finanzmärkten gemacht. Auch wenn sie keinen Rappen Vermögen verwalten.
16.07.2016 10:31
Immer mehr Investoren verfolgen passive Investmentstrategien.
Immer mehr Investoren verfolgen passive Investmentstrategien.
Bild: freeimages.com

MSCI ist für gewöhnlich kein Name, der einem sofort einfällt, wenn man über die mächtigsten Mitspieler auf dem weltweiten Aktienmarkt nachdenkt. Der New Yorker Index-Ersteller verfügt nicht über die Billionen an Dollar, die BlackRock verwaltet, die Armee an Beratern, die Morgan Stanley beschäftigt, oder einen geschichtsträchtigen Namen wie den der UBS.

Doch dank der steigenden Popularität von passiven Investments ersetzen MSCI und dessen Rivalen wie FTSE Russell und S&P Dow Jones Indices still und heimlich die Giganten der Vermögensverwaltung bei der Frage danach, wohin die weltweiten Aktien-Investments fliessen.

Der durchschnittliche Anteil jener Aktienfonds in den USA, Europa und Asien, die die Entscheidungen von Index-Anbietern zu Wertpapier- und Länder-Verteilungen abbilden, hat sich in den vergangenen acht Jahren auf rund 33 Prozent verdoppelt. Das geht aus Daten von Morningstar hervor.

Fondsmanager folgen den Indizes sklavisch

Die steigende Macht war in diesem Jahr gut in China zu beobachten. Dort hatten Entscheidungsträger einige der bislang weitreichendsten Marktreformen des Landes angeschoben. Dahinter stand die Hoffnung, dass die Volksrepublik in die globalen Aktien-Indizes von MSCI aufgenommen wird. Der am Ende nicht erfolgreiche Versuch zementierte den Status von MSCI als einem der wenigen globalen Unternehmen, die die Entscheidung der regierenden Kommunisten in China beeinflussen können.

"Sie haben ziemlich viel Macht", sagt George Cooper, der Investmentchef bei Equitile Investments Ltd. in London. "Fonds-Manager und Investoren folgen diesen Indizes sklavisch."

Index-Anbieter sind allerdings keine Aktien-Auswähler in demselben Sinn, wie es aktive Manager sind, die durch die Auswahl der vermeintlich besten Titel versuchen, den Gesamtmarkt zu schlagen. Die meisten von MSCI genutzten Kriterien sind eher Massstäbe für die Investierbarkeit - etwa Marktkapitalisierung oder tägliches Handelsvolumen.

Subjektivität ist doch vorhanden

Doch auch bei den Index-Anbietern gibt es ein gewisses Mass an Subjektivität bei der Auswahl der Titel für Börsenbarometer. Das gilt besonders für kontroverse Fragen - etwa, ob ein Land als Industriestaat, Entwicklungsland oder Frontier-Staat eingestuft wird.

Die MSCI-Entscheidung im Juni, chinesische Aktien nicht in die eigenen globalen Indizes aufzunehmen, hatte viele Beobachter überrascht. Gleichzeitig führte in demselben Monat das Votum, Pakistan in die Gruppe der Schwellenländer heraufzustufen, zu einer Rekord-Rally bei Aktien in Karatschi. Das deutet darauf hin, dass Investoren den Schritt vorher nicht eingepreist hatten. MSCI reagierte nicht auf die Bitte um Stellungnahme.

Neben Markt-Einstufungen fallen oder steigen Aktien in vielen Fällen auch, wenn Index-Anbieter selbst kleine Veränderungen bei ihren wichtigsten Barometern bekanntgeben. Solche Entscheidungen sind so wichtig, dass Broker wie Societe Generale SA Analysten beschäftigten, die Händlern bei Prognosen dazu helfen, wann Aktien hinzugefügt und herausgenommen werden oder sich die Gewichtung einzelner Titel im Index verändert.

"Index-Anbieter werden zunehmen zum Aktien-Auswahlentscheider", sagt Rodney Comegys, Chef für Investments in Asien-Pazifik bei Vanguard Group. Das Unternehmen verwaltet mehr als 3 Billionen Dollar, hauptsächlich in passiven Fonds. "Auf eine gewisse Art und Weise ersetzen sie den aktiven Manager."

Bloomberg LP, das Mutter-Unternehmen von Bloomberg News, steht mit MSCI und anderen derartigen Unternehmen im Wettbewerb bei der Erstellung von Indizes und beim Angebot von Analysen zu Aktien, Anleihen und Rohstoffen.

(Bloomberg)