Die grössten Spielverderber im nächsten Börsenjahr

2016 war für viele Schweizer Börsianer ein Jahr zum Vergessen. Doch auch beim Blick auf das kommende Jahr müssen Anleger mit einigen Stolpersteinen und Fallgruben rechnen.
05.12.2016 13:11
Von Ivo Ruch
Es gibt mehrere Gründe, weshalb 2017 ein nervenaufreibendes Börsenjahr werden könnte.
Es gibt mehrere Gründe, weshalb 2017 ein nervenaufreibendes Börsenjahr werden könnte.
Bild: Bloomberg

Anders als in den Jahren zuvor zeigten sich 2016 grosse Unterschiede beim Betrachten der globalen Börsen-Landkarte. Während in den USA die wichtigsten Indizes unlängst auf neue Rekordstände kletterten, stehen europäische Aktienmärkte tief im Minus – mit dem Swiss Market Index (SMI) als grossem Verlierer (siehe Tabelle).

Umso grösser ist das Interesse am kommenden Börsenjahr. Eine Serie von politischen Ereignissen, die auch Folgen für Wirtschaft und Finanzmärkte haben können, schicken ihre Boten bereits voraus. Dazu gehören die politische Umsetzung des Brexit, die wirtschaftspolitischen Eckpunkte der US-Präsidentschaft unter Donald Trump sowie das zukünftige Machtgefüge in Italien.

Vielerorts werden die Rahmenbedingungen für Aktien-Investments 2017 zwar als intakt bezeichnet: In den USA und anderen grossen Volkswirtschaften bleibt die Konjunktur auf Wachstumskurs. Und auch die Geldpolitik der Notenbanken bleibt vielerorts noch expansiv. Dennoch kursieren unter Aktien-Profis einige mögliche Spielverderber, die das nächste Aktienjahr zur nervenaufreibenden Achterbahnfahrt machen könnten:

  • Die Finanzmärkte fürchten sich am meisten vor einer Einschränkung der amerikanischen Handelspolitik unter dem Präsidenten Trump. Weniger Welthandel und reduzierte Zirkulation von Gütern und Dienstleistungen würden vielen Firmen auf die Umsätze drücken und langfristig den Wohlstand senken. Donald Trump übernimmt sein Amt im Januar. Dann dürfte er allmählich Licht in seine wirtschaftspolitische Agenda bringen. Am vergangenen Freitag hatte er als erster neugewählter US-Präsident seit 1979 mit einem Repräsentanten Taiwans gesprochen und damit für Verstimmung in Peking gesorgt.
  • Was kommt nach der US-Zinserhöhung, fragen sich viele Beobachter. Nicht nur in den USA, auch in Europa deutet sich langsam ein Ende der ultraexpansiven Geldpolitik an. Zwar wird gemeinhin eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet. Doch ein Anfang vom Ende ist absehbar. Ein Zurückfahren der über die letzten Jahre aufgebauten Liquidität gilt als grosser Fitnesstest für die Finanzmärkte. Der Fokus wird sich dann stärker auf das Gewinnwachstum der Unternehmen richten.
  • Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland: Es ist noch zu früh, um sich nach der Präsidentschaftswahl in Österreich und dem italienischen Verfassungsreferendum auf politisch ruhige Zeiten einzustellen. Alle 2017 anstehenden politischen Weichenstellungen haben ein gewisses Mass an Sprengkraft. Im Zentrum stehen immer rechtsgerichtete Parteien oder Bewegungen, die das Establishment bekämpfen. Deren Erfolg oder Misserfolg an den Urnen tangiert die Wirtschaft und die globalen Aktienmärkte.
  • Auch China wird die Investoren weiterhin umtreiben. Dass die dortige wirtschaftliche Lage von der Regierung beschönigt dargestellt wird, davon muss ausgegangen werden. Gegenüber dem Dollar hat die chinesische Währung Yuan über die letzten 16 Monate mehr als 10 Prozent an Wert verloren. Offenbar kann oder will die chinesische Zentralbank diese Abwertung nicht stoppen. "Sie ist ein Belastungsfaktor für die Entwicklung der Aktienmärkte weltweit", schrieb die St. Galler Kantonalbank letzte Woche in ihrem Ausblick auf das Anlagejahr 2017.
     

Die weltweit wichtigsten Börsen und ihre Rendite 2016

Börsenindex Performance seit 01.01.16, in %
Dow Jones (USA) +10
FTSE 100 (England) +8,7
S&P500 (USA) +7,2
Hang Seng (Hongkong) +2,7
Dax (Deutschland) -0,3
Nikkei (Japan) -4
Euro Stoxx 50 (Europa) -6,4
SMI (Schweiz) -10,6

Quelle: cash.ch (Stand 05.12.16)