Die Gründe für die Kursschwäche bei Sonova

Schon seit Wochen bekundet die Aktie des Hörgeräteherstellers Sonova sichtlich Mühe. Die Gründe dafür sind vielfältig und dürften das Unternehmen noch länger beschäftigen.
13.12.2016 08:32
Von Lorenz Burkhalter
Ganz so wolkenlos präsentiert sich der Himmel über dem Sonova-Hauptsitz in Stäfa nicht mehr.
Ganz so wolkenlos präsentiert sich der Himmel über dem Sonova-Hauptsitz in Stäfa nicht mehr.
Bild: ZVG

Schon seit Wochen bietet sich den Aktionären von Sonova ein ungewohntes Bild: Der Aktienkurs des bekannten Hörgeräteherstellers aus Stäfa fällt und fällt.

Am vergangenen Donnerstag war die Aktie zeitweise sogar für 115 Franken zu haben – so günstig wie seit Mitte Februar nicht mehr. Von den im August erklommenen diesjährigen Höchstständen aus betrachtet errechnet sich sogar ein Minus von mehr als 17 Prozent.

Für Verstimmung bei den Anlegern sorgten zuletzt Pläne der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). Diese will den Patienten den Zugang zu Hörgeräten erleichtern. Macht die amerikanische Gesundheitsbehörde Ernst, bedarf es in Zukunft vor dem Kauf eines Hörgeräts nicht mehr zwingend einer medizinischen Vorabklärung.

Intensiver Wettbewerb unter den führenden Anbietern

Auf den ersten Blick sind das eigentlich gute Neuigkeiten für Sonova & Co. Allerdings will die FDA mit diesem Schritt vor allem kostengünstigere Geräte fördern, was beim mittleren und hohen Preissegment zu einer Kannibalisierung führen könnte. Diese Gefahr wird in Analystenkreisen heruntergespielt. Weder der für die Credit Suisse tätige Experte, noch sein Berufskollege von Morgan Stanley rechnen bei den führenden Hörgeräteherstellern mit grösseren Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung.

Kursentwicklung der Sonova-Aktie (rot) im Vergleich mit dem SPI (grün); Quelle: www.cash.ch

Dennoch ist der Wettbewerb härter geworden. War Sonova der Konkurrenz technologisch einst weit überlegen, hat letztere in den vergangenen Jahren zum Weltmarktführer aus der Ostschweiz aufgeschlossen.

Das Wachstum verlangsamt sich

Die Tage der zu Lasten anderer Anbieter wie GN Resound oder William Demant gehenden Marktanteilsgewinne sind bei Sonova gezählt. Seit Finanzinvestoren das Hörgerätegeschäft von Siemens unter ihre Fittiche genommen haben, ist auch dieses innerhalb kürzester Zeit zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten aufgestiegen.

Die Folge: Das organische Umsatzwachstum hat sich bei Sonova verlangsamt und Margenverbesserungen lassen sich nur noch schwer erzielen. Es überrascht deshalb nicht, dass das Unternehmen Mitte November ein schwächer als von Analysten erwartet ausgefallenes Halbjahresergebnis vorlegen musste.

Für das Gesamtjahr streben die Firmenverantwortlichen zwar ein auf den ersten Blick hohes Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent an. Allerdings ist darin die Übernahme von AudioNova mitberücksichtigt. Diesen Akquisitionseffekt ausgeklammert ist der Weltmarktführer in der ersten Hälfte des im März endenden Fiskaljahres 2016/17 aus eigener Kraft um gerade mal 2 Prozent gewachsen. Im Kerngeschäft mit Hörgeräten betrug das organische Wachstum sogar nur 1,6 Prozent.

Nicht nur bei den Anlegern, auch bei den Analysten ist die Sonova-Aktie daher nicht mehr allzu beliebt. Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge raten nur zwei von 15 Banken ihrer Kundschaft zum Kauf der Aktie. Sogar drei empfehlen sie zum Verkauf, alle übrigen schätzen sie neutral ein. Das lässt sich auch damit erklären, dass die Anleger derzeit einen grossen Bogen um den als weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängig geltenden Medizinaltechniksektor machen und statt dessen auf zyklische Papiere setzen.