Die «günstigen» unter den teuren SMI-Aktien

Der Swiss Market Index steigt und stiegt – angetrieben vor allem wegen der defensiven Werte, die daher kaum noch erschwinglich sind. cash nennt die SMI-Titel, welche noch relativ günstig bewertet sind.
08.05.2013 09:34
Von Frédéric Papp
Die Swiss-Re-Aktie ist derzeit am günstigsten bewertet.

Der Leitindex der Schweizer Börse ist nicht zu stoppen. Allein seit Jahresbeginn liegt die Performance des Swiss Market Index (SMI) bei 17 Prozent. Am Dienstag stieg der SMI zum ersten Mal seit fünf Jahren über 8000 Punkte.

Der Kursschub macht sich auch in der Bewertung der einzelnen Aktien bemerkbar. Vor allem bei bekannten Namen aus dem Pharma- und Nahrungsmittelbereich sowie aus dem Dienstleistungssektor sind die Bewertungsaufschläge teilweise massiv.

Die Titel des Genfer Warenprüfers SGS zum Beispiel sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 8,3 am teuersten. Ebenfalls eine vergleichsweise hohe Bewertung zeigen die Nestlé-Papiere sowie jene von Swisscom und der beiden Pharma-Riesen Roche und Novartis.

Die erhöhten Bewertungsaufschläge sind auch eine Konsequenz der rekordtiefen Kapitalmarktzinsen. Anleger, die eine vernünftige Rendite erzielen wollen, sind gezwungen, in Dividendenpapiere zu investieren. Obwohl das Kurspotenzial dieser Titel noch nicht ausgereizt sein dürfte – einige Marktbeobachter rechnen mit einem SMI-Stand per Ende Jahr bis 8300 Punkte – lohnt es sich, das Augenmerk auf günstiger bewertete Titel zu legen. Diese versprechen bei weiter steigenden Börsen mehr Kurspotenzial. Allerdings sind bei diesen Titeln auch die Risiken für Anleger höher als bei Aktien, die höhere Bewertungen aufweisen. Denn nicht umsonst sind die Aktien "günstiger".

Credit Suisse: Obwohl sich die Valoren der Grossbank seit Jahresbeginn um 30 Prozent auf über 28 Franken verteuerten, ist die Aktie im Branchenvergleich immer noch attraktiv bewertet. Das KGV liegt bei 10,4, während das KBV bei 1,1 liegt (siehe Tabelle). Die Credit Suisse gehört zusammen mit der UBS zu den bestkapitalisierten Banken der Welt. Und auch charttechnisch gestaltet sich die Lage günstig. So ist der Aktie am Dienstag der Ausbruch aus dem mittelfristigen Abwärtstrend gelungen.

Gerade das Investmentbanking beschert der Credit Suisse volle Kassen. In den ersten drei Monaten 2013 sind weltweit deutlich mehr Emissionen von Bonds, Fusionen und Akquisitionen sowie Börsengänge über die Bühne gegangen als noch in der Vorjahresperiode. Und laut Marktkennern dürfte der Geldsegen weiter anhalten. Als Folge davon hat das deutsche Analysehaus Independent Research hat das Kursziel für die Aktie auf 33 Franken angehoben. Andere Analysten sehen die Aktie bis 35 Franken steigen.

Transocean: Beim Ölplattformbetreiber dreht sich derzeit alles um die Höhe der Dividendenausschüttung. Während CEO Steve Newman eine Dividende von 2,24 Dollar vorschlägt, verlangt Grossaktionär Carl Icahn 4 Dollar. Für Spannung ist also gesorgt. Die Generalversammlung findet am 17. Mai statt.

Zudem hat das in Zug domizilierte Unternehmen ein Kostensenkungsprogramm im Umfang von 300 Millionen Dollar angekündigt. Die Einsparungen würden jedoch noch nicht im laufenden Jahr wirksam, da sie durch die anfallenden Restrukturierungskosten aufgewogen würden. Erste Resultate erwartet Transocean zu Beginn 2014.

Der nächste Kursimpuls steht unmittelbar vor der Tür. Das Unternehmen präsentiert am Mittwoch seine Erstquartalszahlen.

Holcim: Die Aktien des Zementherstellers haben seit Anfang Jahr knapp 12 Prozent zugelegt - im Vergleich zum SMI eine unterdurchschnittliche Entwicklung. Der Holcim-Titel dürfte aber in den nächsten Wochen vermehrt von der Sektorrotation von defensiven in zyklische Titel profitieren. Einen ersten Kursschub erleben die Valoren am Mittwoch, obwohl das Unternehmen eher durchzogene Zahlen präsentiert hat. Derzeit notieren die Titel bei 74 Franken, unweit des Jahreshochs bei 78,25 Franken von Mitte März.

Holcim ist in den Schwellenländermärkten Lateinamerikas und besonders Asiens besser positioniert als ihre Konkurrenten. Und die Wirtschaftslage in den Schwellenländern ist auf den Erholungspfad eingeschwenkt, was die Bautätigkeit in diesen Ländern beschleunigen sollte.

Swiss Re: Von den 20 SMI-Titeln ist der Rückversicherer Swiss Re am günstigsten bewertet. Der Versicherungskonzern verfügt über eine starke Kapitaldecke. Dies ist auch der Grund für die überdurchschnittlich hohe Ausschüttung.

Ein Zeichen der Stärke setzte Swiss Re bei der Präsentation der Quartalszahlen am 2. Mai. Das Unternehmen hat zum Auftakt des 150-Jahr-Jubiläums die Markterwartungen in fast allen Punkten geschlagen. Der Aktienkurs kletterte seither um über drei Prozent. Das Gros der Analysten prognostizieren noch höhere Kurse. Die Spanne reicht von 76 bis 85 Franken. Nach einem kräftigen Kursplus am Dienstag notiert die Aktie bei 74,50 Franken.

 

Aktie KGV KBV
Swiss Re 8,5 0,8
Credit Suisse 10,4 1,1
Transocean 11,4 1,3
Holcim 15,5 1,4

Quelle: cash.ch/FuW, Stand: 7. Mai 2013