Die Hypothekarzinsen fallen wieder

Die Hypothekarzinsen sind wieder leicht am Sinken. Aber ist das ein Grund, sich auf eine noch günstigere Wohnfinanzierung freuen zu können?
05.11.2015 01:05
Von Marc Forster
Bei den meisten Anbietern sind die Hypothekarzinsen inzwischen deutlich unter 2 Prozent.
Bei den meisten Anbietern sind die Hypothekarzinsen inzwischen deutlich unter 2 Prozent.

Normalerweise steigen oder sinken die Hypothekarzinsen, wenn sich die Rendite des "Eidgenoss", also der zehnjährigen Regierungsobligation der Schweiz, auf- oder abbewegt. Die Bond-Rendite, die sich seit September im negativen Bereich befindet, ist jedenfalls in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Sie erreichte Ende Oktober bei -0,32 Prozent sogar ein Rekordtief.

 

Renditen von zehnjährigen Bundesobligationen in den vergangenen sechs Monaten (Grafik: cash.ch)

Die Korrelation spielt so in den letzten Woche: Bei den Hypothekarzinsen liess sich wie beim "Eidgenoss" eine Absenkung beobachten. Gemäss dem Hypothekenmakler Moneypark fielen die Zinsen für zehnjährige Hypotheken im Verlauf des Oktobers von 1,91 auf 1,80 Prozent. Bei Allianz Suisse beispielsweise sind die Zinsen für zehnjährige Hypothekarkredite seit Mitte September von 1,80 Prozent auf 1,70 Prozent gefallen, wie eine Übersicht des Vergleichsportals Comparis zeigt.

Bei den meisten anderen Banken und Versicherungen, die zu den grossen Anbietern von Hypotheken gehören, zeigt der Chartverlauf abwärts. Bei einigen Anbietern liegt der Hypothekarzins für zehn Jahre schon seit langem unter 2 Prozent. Bei Wohn-Finanzierern ist der Zins im Spätsommer oder im September unter die 2-Prozent-Marke gefallen und liegt nun teils deutlich darunter.

Durchschnittliche Entwicklung von 10-Jahres-Hypotheken (grau) und Fünf-Jahres-Hypotheken (schwarz), innerhalb der letzten sechs Monate. (Quelle: comparis.ch)

Den Tiefststand gab es im Januar, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) Knall auf Fall den Wechselkurs vom Franken zum Euro freigab: Damals sanken Zinsen für zehnjährige Hypotheken auf 1,5 Prozent. Danach erfolgte wieder ein Anstieg, der sich im Lauf dieses Herbstes wieder in eine sinkende Tendenz verwandelte.

Stellt der Rückgang nun einen Trend dar? Die gesunken Renditen auf zehnjährigen Bundesobligationen dürften den Hypothekenmarkt nicht entscheidend aufmischen, sagt dazu Marc Parmentier von Comparis: "Ich denke nicht, dass es im vierten Quartal zu spürbaren Ausschlägen kommt. Die Basisindikatoren weisen nicht darauf hin."

Für Immobilien-Experte Claudio Saputelli von der UBS wird es bei den Hypothekarzinsen mehr oder weniger seitwärts gehen, solange die SNB die Negativzinsen beibehält, wie er im September zu cash sagte. Die dabei beobachteten leichten Veränderungen im Hypothekarzinssatz seien nur kleinere Volatilitäten. Mit einer Verkleinerung der SNB-Negativzinsen von derzeit 0,75 Prozent rechnen Ökonomen übrigens nicht vor 2017.

Kunden sind entspannt

Was anhält, ist ein leichter Trend hin zu kürzeren Laufzeiten, wie Comparis festgestellt hat. Dies betreffe vor allem auch Mischhypotheken, sagt Bankenspezialist Parmentier. Die Verschiebung sei zwar noch nicht signifikant, sage aber etwas aus über das Verhalten der Hypothekarkunden.

"Viele Kunden sehen die Zinssituation entspannt. Sie gehen davon aus, dass die Zinsen noch lange tief bleiben werden. Deswegen wählt man beispielsweise eine 5-Jahres-Hypothek, die günstigere Konditionen aufweist als eine Hypothek mit zehnjähriger Laufzeit und geht davon aus, dass bei der Ablösung in ein paar Jahren die Zinsen immer noch sehr tief sein werden."

Bei Zehn-Jahres-Hypotheken sei es je nach Bank und je nach persönlicher Kreditwürdigkeit immer noch möglich, mit Verhandlungsgeschick einen Zins von 1,5 Prozent oder gar darunter zu bekommen, sagt Parmentier. Einige wenige Bankinstitute würden bezüglich der Vergabe von Hypotheken restriktiver: Dies dürfte auf strategische Überlegungen zurück zu führen sein.

Die Bedingungen für die Finanzierung von Immobilien blieben jedoch dank der sehr niedrigen Hypothekarzinsen so oder so weiterhin äusserst günstig. Bei einer Dreimonate-Libor-Hypothek, die an den regelmässig neu definierten Zinssatz gekoppelt ist, zahlen die Kunden im Schnitt laut Moneypark im Moment 1,06 Prozent. Im Gegensatz zu Festhypotheken muss der Kunde dabei aber darauf vorbereitet sein, dass die Zinsen sofort ansteigen können.