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Die Kuoni-Aktie fällt ins Bodenlose

Die Aktie von Kuoni ist auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren gefallen. Was sind die Gründe? Und lässt sich mit einem Einstieg in letzter Minute womöglich noch die Ferienkasse aufbessern?
02.09.2015 00:02
Von Lorenz Burkhalter
Egal, was Kuoni auch macht - an der Börse hagelt es Kritik.

Die Aktie von Kuoni wird derzeit übel drangenommen: Am Dienstagvormittag tauchte der Titel kurzerhand auf unter 200 Franken. Dort wurden einige grössere, limitierte Verkaufsaufträge losgetreten, was den Kurs vorübergehend auf 186 Franken einbrechen liess. Bei Handelsende mit 191 Franken pro Aktie resultierte dann noch immer ein satter Tagesverlust von 6 Prozent.

Die Aktionäre des Reiseunternehmens haben derzeit wenig zu lachen. Egal, was Kuoni auch macht - an der Börse hagelt es Kritik. Alleine in den vergangenen zwei Wochen hat die einst gefeierte Aktie knapp 25 Prozent ihres Kurswerts eingebüsst. Die Aktie ist auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren gefallen, zum Rekordtiefstand im Herbst 2002 von 166 Franken fehlt nicht mehr viel.

Schwacher Zahlenkranz und vorsichtiger Ausblick

Auslöser für die Talfahrt der letzten Tage ist, so wird zumindest gemunkelt, ein gezielter Angriff ausländischer Hedgefonds. Diese hatten rückblickend ein leichtes Spiel. Nach einem schwächer als erwarteten Halbjahresergebnis und einem vorsichtigen Ausblick für die zweite Jahreshälfte sahen sich Analysten zu prozentual zweistelligen Gewinnschätzungsreduktionen gezwungen.

In Erwartung negativer Folgen für die Nettoverschuldung strich jener der Citigroup nicht nur das Kursziel auf 200 (350) Franken zusammen, er stufte die Aktie auch gleich noch von "Neutral" auf "Verkaufen" herunter.

Dividendenaussichten mit Fragezeichen verbunden

Diese Vorbehalte erwiesen sich rückblickend als nicht völlig unbegründet. Wie seit Montag bekannt ist, strebt Kuoni per Ende Jahr eine Nettoverschuldung von 200 bis 250 Millionen Franken an. Damit erwischte das Unternehmen selbst die vorsichtigsten Analysten wie denjenigen der Citigroup auf dem falschen Fuss. Er ging von einer Nettoverschuldung von 102 Millionen Franken aus.

In Anbetracht der noch immer sehr tiefen Zinsen ist das zwar keine Katastrophe. Eine grosszügigere Dividendenpolitik ist jedoch genauso in weite Ferne gerückt wie ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm. Dabei hatten sich die Aktionäre von der strategischen Neuausrichtung der letzten Monate doch so viel mehr erhofft.

Kuoni hatte im Juni mitgeteilt, dass das Unternehmen seine Reiseveranstalter, Spezialisten und Reisebüros sowie den Onlinevertrieb in den Märkten Schweiz, Grossbritannien, Skandinavien/Finnland und Benelux an Rewe verkauft. Der Verkauf des Reiseveranstaltergeschäfts in Indien und Hongkong wurde im August kommuniziert. Kuoni will sich als reiner Branchendienstleister positionieren. Weiterführen will Kuoni die Bearbeitung von Visaanträgen im Auftrag von Staaten, den Grosshandel mit Hotelübernachtungen und Reisedienstleistungen sowie Gruppenreisen.

Aktie nur etwas für Mutige mit Geduld

Die Citigroup ist die einzige Bank, welche die Aktie zum Verkauf empfiehlt. Drei Banken raten Anlegern sogar zum Einstieg, Baader Helvea mit einem Kursziel von 390 Franken. Ein Gros der Analysten, bestehend aus deren acht, nimmt hingegen eine neutrale Haltung ein.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 und einem Verhältnis vom Unternehmenswert zum operativen Gewinn (EBITDA) von 5 auf Basis der Konsensschätzungen für 2017 ist die Aktie von Kuoni alles andere als teuer.

Schnäppchenjäger seien jedoch gewarnt: Das noch auf Monate hinaus schwierige Umfeld und die eher mässigen Dividendenaussichten lassen keine rasche Kurserholung erwarten. Es ist sogar denkbar, dass ausländische Hedgefonds noch umfassendere Wetten gegen das traditionsreiche Reiseunternehmen aufbauen und so den Kurs weiter drücken könnten. Mit anderen Worten: Für eine schnelle Aufbesserung der Urlaubs-Kasse bietet die Aktie wohl kaum Hand.