«Die Leute wollen den Sommer nachholen»

Marcel Bürgin, seit April CEO von Kuoni Schweiz, äussert sich im cash-Interview zu Strategie und Online-Plänen, zu Buchungstrends 2015 - und zum Umstand, dass wieder mehr jüngere Leute im Reisebüro buchen.
18.09.2014 01:00
Interview: Daniel Hügli
Kuoni-Schweiz-CEO Marcel Bürgin im Interview mit cash.
Bild: cash

cash: Herr Bürgin, offenbar läuft das Herbstgeschäft für Reiseveranstalter nach dem verregneten Sommer auf Hochtouren. Auch bei Kuoni Schweiz?

Marcel Bürgin: Das ist auch bei uns so. Das Jahr lief gut an, im Mai und im Juni wurde es dann ruhiger. Da spielte das Wetter eine Rolle, aber auch die Fussball-WM. Die Leute wollen nun im Herbst den Sommer nachholen, sie buchen sehr kurzfristig. Die Nachfrage liegt zurzeit über den Vorjahreswerten.

Welcher Markt bereitet Ihnen noch am meisten Sorgen?

In den letzten eineinhalb Jahren war dies Ägypten, obwohl sich die Buchungslage zuletzt wieder etwas gebessert hat. Ägypten ist während der kalten Monate in der Schweiz eine sehr wichtige Destination für uns.

Ägypten bleibt aber unberechenbar für Reiseveranstalter?

In Ägypten ist in den letzten Jahren sehr viel passiert, wobei sich die Ereignisse hauptsächlich auf Kairo und Umgebung beschränkten. Verschiedene Länder, darunter auch die Schweiz, rieten bis vor wenigen Wochen vor Reisen auf die Sinai-Halbinsel ab. Ich verstehe, wenn die Leute dann mit einer gewissen Vorsicht an die Planung der Ferien gehen. Die für uns wichtigen Regionen am Roten Meer blieben von den Ereignissen weitgehend verschont, das wird vermutlich auch so bleiben.

Welches sind die Buchungstrends für das Jahresende und Frühling 2015?

Die Kunden wollen die Reisen an Weihnachten gerne mit Shopping verbinden, ob dies nun in London, Paris oder New York ist. Diesen Trend gibt es schon seit Jahren. Zuletzt wurden die Christkindlmärkte gut gebucht. Bei den längeren Distanzen und in der Hochsaison rechnen wir im Indischen Ozean mit den Seychellen oder Mauritius sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten mit guten Buchungszahlen.

Sie sind seit April CEO von Kuoni Schweiz. Auf diesem Posten gab es in den letzten zehn Jahren sechs Wechsel. Welches ist Ihre Strategie für Kuoni Schweiz?

Es stimmt, wir hatten aufgrund von Reorganisationen einige Wechsel. Reiseunternehmen haben eine hohe Fluktuationsrate, da sie viele junge Mitarbeitende haben. Aber ein Grossteil erfahrener Leute arbeitet nach wie vor bei Kuoni. Ich bin seit 25 Jahren bei Kuoni Schweiz und kenne unsere Geschäfte gut. Ich will eine gewisse Kontinuität schaffen. Das ist wichtig in einem Markt, der sich in einem grossen Wandel befindet.

Wird sich Kuoni weiterhin als Premiumanbieter positionieren?

Ja. Den Namen als Premiumanbieter haben wir uns hart erarbeitet, und wir wollen mit dem Kuoni-Brand unsere Angebote nicht ausschliesslich mit Preisvorteilen verkaufen. Wenn wir Angebote sehen, die für den Kunden Mehrwert schaffen, dann darf es auch etwas mehr kosten. Dennoch müssen wir für alle Kunden interessant sein. Mit Helvetic Tours etwa treten wir preislich aggressiver auf.

Kuoni hat in den letzten Jahren, eigentlich gegen den Trend, sehr viel Geld investiert in «Old-School»-Reisebüros. Haben Sie in den Reisebüros eigentlich noch Wachstumsraten gegenüber den Online-Buchungen?

Ich würde das nicht «Old-School»-Reisebüros nennen. Wir haben viel Geld investiert, um unsere Kunden in einem tollen Ambiente empfangen zu können. Und wir haben viel Geld investiert in die Ausbildung unserer Mitarbeiter. Wir glauben an die Zukunft des persönlichen Kontakts in Reisebüros, weil der Kunde heutzutage mit sehr vielen Informationen im Internet konfrontiert ist. Das zeigt sich auch am Umstand, dass wieder mehr jüngere Leute ins Reisebüro kommen. Die sagen sich: Ich will kein Wochenende drangeben, um im Internet nach einem richtigen Package zu suchen. Aber selbstverständlich können bei uns auch einfachere Reisen auf dem Internet gebucht werden.

Schweizer Reiseanbieter klagen über die Konkurrenz der Onlinebuchungsportale aus Deutschland. Hat man diese Konkurrenz zu lange unterschätzt?

Nicht unterschätzt, jedoch wurden wir durch die Währungssituation überrumpelt. Die Konkurrenz aus Deutschland wurde für die Schweizer Reiseanbieter vor allem vor drei Jahren zum Problem, als der Euro praktisch den Gleichstand zum Franken erreichte. Damals wurden unsere Reisen innert kürzester Zeit unglaublich teuer. Die Lage hat sich inzwischen stabilisiert. Aber ein gewisser Marktanteil ist weg seither, der Markt ist internationaler geworden.

Was haben Sie für Online-Pläne und Visionen für Kuoni?

Wir haben schon einiges gemacht, die Zahlen im Internet sind deutlich steigend. Die Online-Buchungen stammen zum Teil von Kunden, die gar nicht zu uns in die Reisebüros kommen. Das ist positiv. Was wir noch besser machen müssen: Dem Kunden Hilfe bieten. Wir haben ein enormes Wissen innerhalb des Unternehmens. Das wollen wir aktiver im Internet darstellen.

Wie entwickelt sich das Segment der Luxusreisen, also das oberste Segment?

Das ist ein Bereich mit begrenztem Potenzial im kleinen Schweizer Markt. Der Markt ist stabil, und das wird auch so bleiben, trotz der tendenziell günstigeren Preise für First- und Business-Class-Reisen.

Im Video-Interview äussert sich Marcel Bürgin auch zum Reiseverhalten der Schweizer und zu attraktiven und noch relativ unbekannten Reisedestinationen.

Das Interview entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Kuoni eingeladen hatte.