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Die Lieblingsaktie, die niemand will

Die Syngenta-Aktie steht bei Marktbeobachtern hoch im Kurs. Doch wie im 2013 reiht sich der Titel auch im laufenden Jahr ganz unten im SMI-Tableau ein. Lohnt sich ein Contrarian-Einstieg?
29.01.2014 14:52
Von Ivo Ruch
Syngenta hat in diesem Jahr bereits rund 8 Prozent an Wert eingebüsst.
Syngenta hat in diesem Jahr bereits rund 8 Prozent an Wert eingebüsst.
Bild: ZVG

Mit einem Abschlag von über einem Prozent am Mittwoch beschleunigt sich die Talfahrt der Syngenta-Aktie. Das Jahresminus beträgt nun knapp 8 Prozent, nur die Swatch-Titel stehen noch schlechter da. Bereits im 2013 waren die Valoren des Basler Agrarchemieherstellers die einzigen im Swiss Market Index (SMI) mit einer negativen Jahresbilanz.

Die schlechte Performance der Aktie ist umso erstaunlicher, weil mehrere Marktbeobachter den Titel zum Kauf empfehlen. So bestätigt Vontobel jüngst ihre positive Anlagebeurteilung und empfiehlt den Titel zum Kauf, das Kursziel setzt die Privatbank bei 415 Franken. Derzeit notieren die Titel bei 327 Franken. Auch die Zürcher Kantonalbank hat in ihrer neuesten Beurteilung den Titel erneut mit "Übergewichten" bewertet – ein Rating, das sie seit längerem vertritt.

Guten Mutes ist auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. Sie glaubt, dass sich der Markt zu fest auf die Bewegungen beim Maispreis konzentriere. Goldman hat das Kursziel für die kommenden zwölf Monate zwar von 480 auf neu 440 Franken reduziert, was aber immer noch ein Kurspotenzial von mehr als 30 Prozent bedeutet. Zudem behält Goldman die Aktie auf ihrer viel beachteten "Conviction List". Anleger könnten von Aktienrückkäufen und Sonderdividenden profitieren, begründet Goldman Sachs ihre Kaufempfehlung.

Und schliesslich setzten auch die Analysten der Deutschen Bank den Titel auf den Kaufzettel. Mit einem KGV von 16,5 für 2014 und 13,7 für 2015 sei der Titel relativ günstig bewertet, heisst es in einer Analyse.

Ergebnisenttäuschung ist wahrscheinlich

Derzeit kämpft Syngenta aber an vielen Fronten mit Problemen. So formierte sich in den USA jüngst Widerstand gegen zwei genmodifizierte Mais-Saatgutvarianten von Syngenta. Zwei gewichtige US-Interessenorganisationen fordern gar einen Verkaufsstopp für den Genmais.

Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgte auch die auf unbestimmte Zeit hinausgeschobene Marktzulassung eines zukunftsträchtigen Fungizids für den brasilianischen Markt. Analysten haben aber für das vierte Quartal bereits einen Umsatzbeitrag des Produkts im Umfang von bis zu 200 Millionen Dollar einkalkuliert. Eine Ergebnisenttäuschung bei der Präsentation des Jahresergebnisses für das 2013 ist somit vorprogrammiert.

Gleichzeitig lassen sich von den bereits bekannten Quartalszahlen des US-Rivalen Monsanto eher verhaltene Rückschlüsse auf das Saatgutgeschäft in Nord- und Südamerika ziehen. Auch das hat dem Aktienkurs der Basler in den letzten Wochen spürbar zugesetzt.

Kommt die Entspannungs-Rally?

Dennoch könnte die Tendwende bei Syngenta bald eintreffen. Laut dem cash Insider könnte es zu einem sogenannten "Sell the rumors, buy the facts" kommen. Das heisst: Syngenta liefert zwar schlechte Zahlen, der Markt reagiert dann aber mit einer Entspannungs-Rally. Für risikotolerante Anleger bieten die Kursrückschläge somit gute Einstiegsgelegenheiten.

Eine solche Entspannungs-Rally trat zuletzt beim Genfer Warenprüfer SGS ein. Nach der Präsentation der eher enttäuschenden Zahlen am 21. Januar schossen die Titel rund 5 Prozent in die Höhe.