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«Die momentane SMI-Schwäche ist eine Kaufgelegenheit»

Der SMI steuert nach 2015 heuer schon wieder auf eine negative Jahresperformance zu. Für ZKB-Anlagechef Christoph Schenk ist das kein Grund zum Hadern, sondern eine Einstiegsmöglichkeit, wie er im cash-Börsen-Talk sagt.
25.11.2016 00:10
Von Pascal Züger
Christoph Schenk, Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, im Börsen-Talk.
Bild: cash

Das Börsenjahr 2016 neigt sich dem Ende entgegen. Für den Swiss Market Index (SMI) dürfte es ein weiteres Jahr zum Vergessen sein: Die Performance seit Jahresbeginn beträgt minus 12 Prozent, nachdem der Index schon 2015 2 Prozent nachgegeben hatte. Das war damals das erste Minus seit 2011.

Es müsste also noch viel passieren, damit der SMI die zweistellige negative Prozentzahl bis zum Jahresende aufholen könnte. Allein in den letzten fünf Handelstagen gab der SMI nochmals um knapp 3 Prozent nach, während die Börsen in USA, Japan, China und Grossbritannien in dieser Woche sogar leicht zulegen konnten. 

Wieso läuft es der Schweizer Börse schlechter als anderswo? "Es ist ein neues Austarieren", sagt Christoph Schenk im Börsen-Talk mit cash. Aufgrund der neuen Situation mit Donald Trump als gewählten US-Präsidenten müssten sich Anleger zuerst bewusst werden, was dies für Europa, den Euro, die in Europa anstehenden Wahlen und die Schweiz bedeute. "Deshalb leiden wir ein bisschen."

LafargeHolcim mit Potenzial nach oben

"Aber die momentane Schwäche ist eher eine Kaufgelegenheit als ein Verzweiflungsakt", fügt Schenk an. Vom Infrastrukturprogramm, das von Trump angekündigt wurde, profitierten vor allem Investitionsgüter. Und in der Schweiz gibt es laut Schenk es viele Unternehmen mit guten Investitionsgütern. "Daher sollte der SMI eher steigen, weil das Good News sind."

Konkret sieht Schenk vor allem einen Schweizer Titel aus diesem Bereich, welcher nun eine spannende Kaufgelegenheit sein könnte: LafargeHolcim. Der französisch-schweizerische Zementriese mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona macht derzeit eine Umstrukturierung durch, welche unter anderem 250 Entlassungen beinhaltet. Eine neu eingeschlagene Strategie sieht höhere Preise vor, mit denen höhere Margen eingeheimst werden sollen.

Doch es läuft noch nicht alles wunschgemäss: Letzte Woche hat LafargeHolcim das Mittelfrist-Ziel etwas nach unten angepasst, was dem Kurs leicht zusetzte. Dennoch konnte der Titel seit Ende Juni fast 40 Prozent zulegen und notiert derzeit nur knapp unter dem Jahreshoch.

Der Fokus liegt bei den Wahlen in Europa

Obwohl Schenk jetzt zum Aktien-Einstieg rät, erwartet er in diesem Jahr noch keine Börsen-Rally. Durch den Gewinn Trumps sei in Europa die Angst aufgekommen, dass Populisten an die Macht kommen und das europäische Projekt gefährden könnten. "Durch diese Sorge müssen wir zuerst durch, aber ansonsten sind die Aussichten gar nicht so schlecht", sagt Schenk.

Wichtige Wahlen stehen in Europa vor der Haustür: Am 4. Dezember wird in Italien über ein Verfassungsreferendum abgestimmt. Nächstes Jahr stehen dann am 15. März die Parlamentswahlen in den Niederlanden, am 11. Juni die Parlamentswahlen in Frankreich und im Herbst schliesslich die Bundestagswahl in Deutschland an.

Lage in den USA verbessert sich

Neben den Unsicherheitsfaktoren gibt es aber viel positives: "Europas Unternehmensgewinne sehen gut aus und die USA gibt Rückenwind", sagt Schenk weiter. In Amerika laufe die Konjunktur gut und werde sich sogar noch weiter aufhellen. Nach dem von Trump angekündigten Programm könne man in den USA die Zinswende als eingeläutet anschauen.

In einem Ausblick für das nächste Jahr spricht die Zürcher Kantonalbank davon, dass die USA weiterhin die Funktion als Wachstumslokomotive wahrnehme. Es komme es zu einer Zinsnormalisierung, was zugleich das globale Renditeniveau anheben werde.

In Europa hingegen werden die Bewegungen der Wirtschaft noch immer "harzig" sein, ist Schenk überzeugt. Die EZB werde weiterhin viel Geld einschiessen und die Schweiz als Exportnation werde sich an dem ausrichten müssen. Auch die Schweizerische Nationalbank werde tendenziell expansiv bleiben.

Im Börsen-Talk mit cash sagt Christoph Schenk ausserdem, wo er das Zinsniveau in den nächsten 12 Monaten sieht.