börsen-talk

«Die Nationalbank interveniert laufend»

Laut Alfred Herbert zwingt der schwache Euro die Nationalbank laufend zu Interventionen am Devisenmarkt. Im Börsen-Talk erklärt der cash-Guru auch, warum ihm Aktien der Grosskonzerne am Herzen liegen.
24.04.2015 01:02
Von Marc Forster
cash-Guru Alfred Herbert zu Besuch in der Redaktion von cash.
Bild: cash

Eine Euro-Franken-Parität hält Alfred Herbert für möglich, auch wenn die Nationalbank laufend in den Kurs eingreife: "Sie tut dies praktisch jeden Tag: Sie interveniert schon am Morgen von der Filiale in Singapur aus, um die Spitzen zu brechen. Diese Woche kam das jeden Tag vor, und die SNB war auch von Zürich aus aktiv", sagt Herbert im cash-Börsen-Talk. Solange die Europäische Zentralbank im Milliardenumfang Anleihen kaufe, werde nicht der Franken schwächer, sondern auch der Euro.

Dennoch hegt Herbert keine grossen Hoffnungen für die Einheitswährung. Für Aufregung habe zwar diese Woche die Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank gesorgt, bei den Negativzinsen einen grossen Teil der Ausnahmeregelungen zu streichen - ändern an der Euro-Schwäche werde das aber wenig.

Auf dem Weg zum SMI-Allzeithoch

Den Aktienmarkt halten die Währungsturbulenzen indessen nicht: Der etwas unstete Kurs, den der SMI seit März hinlegt, dürfte laut Alfred Herbert so weitergehen, die Richtung zeige aber eher nach oben. Das billige Geld der Notenbanken – es dürfte laut dem cash-Guru noch einmal billiger werden – treibe die Aktienmärkte an: "Ich sehe ein Allzeithoch, wir sind auf dem Weg dazu!"

Der cash-Guru rät in jedem Falle zu Investments in die Blue Chips: Ertragskraft und die Fähigkeit, Dividenden auszuschütten, sprächen für die Aktien der grossen Konzerne. Mit dem Quartalsergebnis des Pharmakonzerns Roche zeigt sich Herbert zufrieden. Bei Branchennachbar Novartis sehe das Bild schlechter aus, als es sei, und zwar vor allem wegen der laufend stärker werdenden Berichtswährung und grossen Geschäften, die in der US-Währung gemacht würden: "Novartis muss die Dollar in Franken zurückwandeln." Die Pharmawerte blieben eine Stütze in jedem Portefeuille.

«Credit Suisse ist eine Baustelle»

Weniger milde fällt sein Urteil über die Credit Suisse aus, die nach acht Jahren Brady Dougan als CEO mit Tidjane Thiam eine neuen Chef bekommen wird: "Es ist weiterhin eine volle Baustelle." Einen Umbau der Bank im Stil der UBS hält Herbert für sinnvoll, aber: "Die CS hinkt der UBS hinterher."

Er glaube aber daran, dass die CS unter einer neuen Führung Fortschritte machen werde. Zur sich zu Ende neigenden Ära des alten CS-Chefs fällt Herbert noch ein lakonischer Kommentar ein: "Man hat noch nie einen so braven Brady Dougan gesehen wie an der letzten Ergebnispräsentation. Der Wanderprediger schaltet langsam ab und neue Kräfte betreten das Eis."

Die Ankündigung von Richemont, dass wegen Verlusten in den Anlagen der Gewinn deutlich tiefer ausfallen werde, ändert wenig an der grundsätzlichen Einschätzung, die Herbert für die Luxusgüterbranche trifft, zu der auch der SMI-Titel Swatch gehört: Wegen des lahmenden Geschäfts für teure Uhren in Asien sieht er die Boomphase im Schmuck- und Uhrengeschäft als beendet.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zum Seilziehen um einen Reformplan für Griechenland und zu den Gefahren einer «politischen Börse».