«Die Parität ist eine wichtige Grenze»

Der Franken wertet sich gegenüber dem Euro weiter auf. Was sind die Gründe dafür und wie geht die SNB damit um? Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, nimmt Stellung.
21.04.2015 14:00
Interview: Ivo Ruch
Thomas Stucki ist ehemaliger Anlagechef der Schweizerischen Nationalbank.
Thomas Stucki ist ehemaliger Anlagechef der Schweizerischen Nationalbank.
Bild: cash

cash: Der Franken hat sich gegenüber dem Euro in den letzten Wochen stetig aufgewertet. Was sind die Gründe dafür?

Thomas Stucki: Es gibt im Moment keinen alleinigen Grund. Ich sehe im Franken ein klares Bild der Überreaktion. Nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze hat sich der Franken zuerst stark aufgewertet und dann eine Gegenbewegung vollzogen. Diese läuft nun aus und die wahre Grundstärke des Frankens kommt zum Ausdruck. In diesem Umfeld können dann Unsicherheitsfaktoren wie beispielsweise rund um Griechenland zusätzlichen Einfluss haben.

Das Währungspaar nähert sich der Marke von 1,02. Wie weit kann der Euro-Franken-Kurs noch fallen?

Die Parität ist grundsätzlich eine wichtige Grenze. Ich sehe den Euro-Franken-Kurs in den nächsten Wochen zwischen 1 und 1,05 schwanken, mit kurzfristigen Ausschlägen in Richtung Parität.

Gestern wurde bekannt, dass die Giroguthaben der Schweizer Banken bei der Nationalbank in der letzten Woche gestiegen sind. Ist das ein Indiz, dass die SNB am Devisenmarkt interveniert hat?

Ich glaube nicht, dass die SNB momentan aktiv ist. Es würde meiner Meinung nach auch keinen Sinn machen, denn sie würde damit zum falschen Zeitpunkt Munition verschiessen.

Wann wäre dann der richtige Zeitpunkt?

Wenn der Euro zum Franken deutlich unter Parität fallen würde. Aber dann müsste die SNB richtig viel Geld in die Hand nehmen.

Gegen den Dollar hat der Franken ebenfalls dazugewonnen. Wie entwickelt sich dieses Währungspaar?

In diesem Zusammenhang ist das Währungspaar Euro und Dollar wichtig. Wie gegenüber dem Euro dürfte sich der Dollar auch gegenüber dem Franken noch aufwerten, allerdings nicht bis zur Parität. Eher im Bereich 0,98 bis 0,99.

Dollar-Franken oder Euro-Franken, welcher Wechselkurs ist wichtiger für die Schweizer Wirtschaft?

Das kommt darauf an, wie ein Unternehmen exponiert ist. Grundsätzlich kann man sagen, dass die grossen multinationalen Firmen eher auf den Dollar schauen und die KMU eher auf den Euro.