Die Prognosen zum Börsenjahr 2014

Aktien, Gold oder doch Obligationen? Experten geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum nächsten Börsenjahr und sagen, wo sich interessante Investmentmöglichkeiten bieten.
04.12.2013 01:00
Von Ivo Ruch
Was verrät der Blick in die Glaskugel?
Was verrät der Blick in die Glaskugel?
Bild: iNg

Bleiben Schweizer Aktien auch 2014 attraktiv?

Der Schweizer Aktienmarkt gehört für Christian Gattiker von der Bank Julius Bär im nächsten Jahr nicht zu seinen absoluten Lieblingen: "Es gibt attraktivere Märkte." Dennoch bietet die Schweizer Wirtschaft solide Rahmenbedingungen. Economiesuisse rechnet für 2014 mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts um 2,2 Prozent. Das ist zwar mehr als doppelt so viel wie die Eurozone, aber weniger als die prognostizierten 3,4 Prozent der USA.

Die defensiven Titel an der Schweizer Börse seien langsam teuer, sagt Gérard Piasko im cash-Video-Interview. Der Anlagechef Schweiz der Deutschen Bank setzt deshalb auf konjunkturabhängige Branchen, beispielsweise Maschinenbau. Für die Hyposwiss zählt neben Zurich auch der Swatch-Titel zu den Aktienfavoriten für das kommende Jahr. Dies aufgrund des wachsenden Schwellenländermarkts, der eine wichtige Rolle für den Uhrenkonzern spielt. Dividenden-Favorit von Anlagechef Thomas Stucki ist Kaba. Beim Schliesstechnikkonzern sieht er steigende Ausschüttungen – aktuell beträgt die Dividendenrendite eher durchschnittliche 2,7 Prozent.
 

Welche Aktienmärkte werden weiter steigen?

Der MSCI World, als Index der weltweiten Aktienmärkte, hat in diesem Jahr 21 Prozent zugelegt und damit die meisten Experten überrascht. Doch Aktien sind trotz dieses Kursanstiegs noch nicht überbewertet, meint Stucki. Er sagt, die Kurs-Gewinn-Verhältnisse lägen in Europa, Japan und den USA "im langjährigen Durchschnitt". Und die Schwellenländer-Aktien seien sogar unterbewertet. Dennoch mahnen andere Stimmen zur Vorsicht. Piasko bevorzugt im nächsten Jahr vor allem asiatische Aktien - ganz im Gegensatz zu den südamerikanischen Titeln.

Zusätzlichen Antrieb werden die Aktienmärkte von der Wirtschaftsentwicklung erhalten. Die Konjunkturerholung in den entwickelten Ländern werde 2014 weitergehen, sind die Experten der Bank Julius Bär überzeugt. Das führe dazu, dass die Abkoppelung der Wachstumsraten in den Schwellenländern vom Rest der Welt vorerst vorbei sei, sagt Chefstratege  Gattiker.

Trotz allgemein positiver Aussichten müssen sich die Anleger auch im kommenden Jahr auf Kursschwankungen einstellen. Solange die Vorgehensweise der amerikanischen Zentralbank offen bleibt, sind die Börsen anfällig auf Volatilität. Zudem könnten im Frühling wieder politische Grabenkämpfe um das US-Budget die Börsen beunruhigen. "Die Märkte werden auf jedes Gerücht reagieren", sagt Stucki von der Hyposwiss.

Bleiben die Zinsen tief?

Die US-Notenbank werde zwar 2014 einen Teil ihrer expansiven geldpolitischen Massnahmen zurückfahren oder ganz beenden. Doch die erste US-Leitzinserhöhung seit der Finanzkrise komme erst Ende 2015 oder gar erst 2016, sagen die Bär-Experten. Auch die Notenbanken in Europa, Japan, Grossbritannien und der Schweiz werden ihre Leitzinsen im nächsten Jahr unverändert nahe bei Null lassen.

Der Zinsanstieg am langen Ende dauere hingegen an, so Thomas Stucki von der Hyposwiss. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries steigt seit Mitte 2012 an und steht momentan bei 2,8 Prozent. Im Verhältnis zur konjunkturellen Entwicklung sei das Zinsniveau noch zu tief, so Stucki. Zudem steigen die Zinsen am langen Ende, "wenn die Fed ihre Bond-Käufe zurückfährt", so Piasko zu cash. Und er sagt: "Weil die Konjunktur gut läuft, sind auch Anleihen mit tieferer Kreditqualität im Portfolio interessant."

(K)eine Immobilienblase?

Über drohende Immobilienblasen wird in seit Monaten spekuliert. Auch in der Schweiz haben die Preise für Eigentumswohnungen einen neuen Höchststand erreicht. Angetrieben wird der Run auf Wohneigentum nicht zuletzt durch die nach wie vor tiefen Zinsen. So tendiert der UBS-Immobilienblasenindex in Richtung Überhitzung. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage äusserten sich auch die cash-Leser besorgt: Für 62 Prozent der Umfrage-Teilnehmer ist die Immobilienblase in der Schweiz bereits Tatsache.

Anderer Meinung ist Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff. Er sieht keinen bevorstehenden Crash bei Wohnimmobilien . Plötzliche Preiseinbussen innert zwölf Monaten könnten nur passieren, wenn das Zinsniveau explodiere. Und davon geht Neff nicht aus.

Dennoch ist bei einem künftigen Investment in Immobilien Vorsicht angesagt. Insbesondere an Schweizer Hotspots wie Genf, Zürich, Zug oder in gewissen Bergregionen sind die Preise bereits stark angestiegen. Als internationale Blasenherde gelten die Immobilienmärkte von London, Hongkong oder Shanghai.
 

Was läuft an der Währungsfront?

Am Dollar scheiden sich die Geister. Während die Analysten der Bank Julius Bär eine schwächere US-Valuta erwarten, ist die Hyposwiss gegenteiliger Meinung. Geht es nach der Privatbank, kommt es 2014 zu einer "Wiedererstarkung des US-Dollars". Der "Greenback" werde im Zuge der Konjunkturerholung und des Fed-Taperings an Gunst gewinnen, während der Euro an Wert verlieren dürfte, so die Hyposwiss.

Für Julius-Bär-Chefstratege Christian Gattiker wird sich der chinesische Yuan im nächsten Jahr "als neue globale Reservewährung" etablieren. Der Grund: China werde seine Währung nicht abwerten, sondern mit einem starken Renminbi den Binnenkonsum ankurbeln. Anleger, die sich aus der Komfortzone wagen, könnten mit dem Renminbi eine hübsche Rendite erzielen, so das Fazit des Bär-Analysten.

Beide Banken sind sich indes einig, dass die Schweizerische Nationalbank die Anbindung des Frankens an den Euro auch im nächsten Jahr beibehalten wird. Das hat zur Folge, dass das Schicksal des Frankens weiterhin vom Euro abhängen wird.
 

Findet Gold den Boden?

"Mit Gold wird man im nächsten Jahr nicht reich", bringt Thomas Stucki die allgemeine Befindlichkeit gegenüber dem Edelmetall auf den Punkt. Tatsächlich sind die positiven Goldstimmen momentan kaum hörbar. Der einstige sichere Hafen notierte am Dienstag bei 1218 Dollar und hat in diesem Jahr bereits 27 Prozent an Wert verloren. Eine Talfahrt, die laut Experten auch 2014 andauern wird.

Wird der Dollar stärker, ist das in der Regel schlecht für Gold. Mit diesem Szenario rechnet Gérard Piasko von der Deutschen Bank. Er sieht einen "seitlich bis abwärts" gerichteten Goldpreis, der aber vierstellig bleiben werde. Konkret wird Christian Gattiker, der Gold einen Sturz auf 1000 bis 1100 Dollar pro Unze zutraut.

Wer trotzdem an Edelmetallen interessiert ist, dem bietet sich Palladium als Alternative an. Das Metall wird vor allem in der Autoindustrie verwendet und übertrifft Gold in der Performance schon seit längerem. Der wachsende Automarkt in China und den USA biete Palladium eine gute Zukunft, ist Davis Hall, der Edelmetallexperte von Crédit Agricole, überzeugt.
 

Geben Rohstoffe Gas?

Sobald sich die politischen Spannungen zwischen den USA und Iran weiter beruhigen, wird wieder mehr iranisches Öl auf den Markt fliessen und dementsprechend den Ölpreis nach unten drücken. Das wird 2014 eintreten, ist Gérard Piasko überzeugt. Auch Christian Gattiker traut Rohstoffen nicht sonderlich viel zu und sagt, diese brauche es als Anlage nicht im Portfolio: "Der Boom ist vorbei." Schon in diesem Jahr ist der Ölpreis mit einem Plus von 0,8 Prozent kaum vom Fleck gekommen.

Eher lohnt es sich, auf Aktien von Rohstoffunternehmen zu setzten. Diese Titel stehen so weit hinter dem Gesamtmarkt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Und bei einigen Titeln wie Freeport-McMoran Copper & Gold oder DuPont sehen Analysten überdurchschnittliches Gewinnpotenzial.
 

Gérard Piasko sagt im cash-Video-Interview, wie lange der Höhenflug an den Aktienmärkten noch andauern könnte.