«Die Renditen von Staatsanleihen prophezeien Übles»

Die Nachfrage nach als sicher geltenden Vermögenswerten trieb die Renditen vieler Anleihen jüngst auf Rekordtiefs. Laut Obligationen-Spezialisten ein sehr schlechtes Zeichen.
09.07.2016 07:38
Ratlosigkeit: Viele Finanzspezialisten wissen nicht, wohin die Reise geht.
Ratlosigkeit: Viele Finanzspezialisten wissen nicht, wohin die Reise geht.
Bild: Bloomberg

Für Anleger weltweit zählte diese Woche in erster Linie Sicherheit. Die Verunsicherung wegen des britischen Votums für einen Austritt aus der Europäischen Union nahm zu.

Die Nachfrage nach als sicher geltenden Vermögenswerten trieb die Renditen vieler Anleihen auf Rekordtiefs, nachdem William Dudley, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, erklärte, die Brexit-Auswirkungen könnten eskalieren, wenn sie für Verwerfungen über Grossbritannien hinaus sorgten.

Der Yen wertete auf seinen höchsten Stand seit dem 24. Juni auf, als das britische Referendum erstmals für Aufruhr an den globalen Märkten sorgte. Die Goldnotierungen erreichten ein Zweijahreshoch, was wiederum die Aktien von Bergbaufirmen anschob, die Edelmetalle fördern. Das Pfund sackte auf seinen tiefsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten.

"Alle versuchen, auf eine Situation zu reagieren, die es noch nie vorher gegeben hat", sagte Stewart Richardson, Investmentchef bei RMG Wealth Management in London. "Es gab schon vorher Schocks im System, aber so etwas hatten wir noch nicht. Und es wird noch lange dauern, bis wir die Antworten wissen." 

Renditen sagen, dass etwas sehr Übles bevorsteht

Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries und zehnjähriger Bundesanleihen waren diese Woche weiter unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe der Eidgenossenschaft sackte bis auf minus 0,6 Prozent ab. Auch die Renditen zehnjähriger Anleihen aus Australien, Japan, Frankreich und Grossbritannien fielen auf Rekordtiefs.

Die enorme Nachfrage nach Staatsanleihen wirft bei Investoren die Frage auf, wie schlimm die Brexit-Folgen wohl noch werden. 

"Es fühlt sich allmählich so an wie 2008", sagte John Anderson von Smith & Williamson Investment Management in London. "Die Renditen von Staatsanleihen sagen, dass etwas sehr Übles bevorsteht." Zehnjährige italienische Anleihen rentierten fünf Basispunkte niedriger bei 1,22 Prozent, die Rendite entsprechender spanischer Papiere fiel vier Basispunkte auf 1,15 Prozent.

Deutschland begab am Vormittag zweijährige Schatzanweisungen im Volumen von vier Mrd. Euro zu einer Durchschnittsrendite von minus 0,69 Prozent.

(Bloomberg)