«Die Schere im Kunstmarkt geht teilweise stark auseinander»

Baloise-Finanzchef German Egloff äussert sich im cash-Interview zu den teils «ungesunden» Trends im internationalen Kunstmarkt, zum Kunst-Engagement der Baloise - und zum Anstieg der Zinsen an den Märkten.
28.11.2016 13:50
Interview: Daniel Hügli
German Egloff ist Leiter des Konzernbereichs Finanz der Baloise.
German Egloff ist Leiter des Konzernbereichs Finanz der Baloise.
Bild: ZVG

Seit 1999 verleiht die Versicherungsgesellschaft Baloise anlässlich der Kunstmesse Art Basel zwei Kunstpreise. Die beiden Preisträger erhalten je 30'000 Franken. Dazu kauft Baloise Werkgruppen der betreffenden Künstler und schenkt diese Kunstwerke jeweils im Folgejahr an zwei bedeutende Kunstmuseen Europas. So geschehen auch Ende vorletzter Woche, als Baloise in Anwesenheit von VR-Präsident Andreas Burckhardt und CEO Gert de Winter dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main eine Arbeit von Mathieu Kleyebe Abonnenc schenkte. Der am Schenkungsanlass ebenfalls anwesende Baloise-Finanzchef German Egloff beantwortet Fragen zum Kunstengagement von Baloise.

cash: Herr Egloff, das Kunstförderungs-Engagement lässt sich Baloise jährlich etwa eine Viertelmillion Franken kosten. Wie messen Sie den Erfolg eines solchen Engagements?

German Egloff: Das ist jedenfalls keine quantitative Frage. Der Erfolg zeigt sich eher im Renommee, welches der Baloise-Kunstpreis in der Kulturszene mittlerweile geniesst, in der Zusammenarbeit mit den Museen und Künstlern sowie nicht zuletzt in den Begegnungen mit kunstinteressierten Kunden und Mitarbeitenden. Die Tatsache, dass von bisher 36 Baloise-Kunstpreisträgern 20 Künstlerinnen und Künstler nach der Auszeichnung jeweils kulturelle Botschafter ihres Landes an der Biennale in Venedig waren, ist nicht zuletzt ein Beleg dafür, dass wir mit dem Kunstengagement mehr machen, als einfach Geld zu verteilen. Es zeigt, dass wir einen kulturellen Mehrwert schaffen können.
 
Wie lange plant Baloise, das Kunst-Engagement in diesem Umfang fortzuführen? Und stand es intern nie zur Diskussion?

Grundsätzlich hat die Vergabe eines solchen Preises, auch für die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger, nur dann einen Wert, wenn das Engagement auf Langfristigkeit ausgelegt ist. Wir haben kein Enddatum festgelegt und werden dies so lange weiterführen, wie es im Gesamtkontext unseres Kunstengagements sinnvoll und stimmig ist. Aktuell ist das ohne jeden Zweifel der Fall. Natürlich wird ein solches Engagement regelmässig und kritisch hinterfragt, auch mit Bezug auf dessen Werthaltigkeit. Aber wir sind überzeugt, dass gerade in der heutigen Zeit die Möglichkeit da sein muss, dass Unternehmen, insbesondere solche mit einer langfristigen Optik, sich im Sinne des Gemeinwohles engagieren können, ohne dass sich daraus unmittelbar eine direkte Opportunität zur Generierung neuer Geschäfte ergibt.

Die Kunstsammlung von Baloise umfasst etwa 1400 Werke. Hat man deren Wert einmal geschätzt? Und wie viele Werke kauft das Unternehmen pro Jahr für den Eigenbesitz?

Die genaue Zahl pro Jahr kann nicht beziffert werden, weil diese variiert. Grundsätzlich ist es so, dass die Kunstkommission, welche aus fünf kunstinteressierten Mitarbeitenden sowie einem externen Kunstberater besteht, für Ankäufe über ein fixes jährliches Budget verfügt. Gekauft werden dann wenn immer möglich Werke respektive Werkgruppen von jungen Kunstschaffenden. Natürlich haben wir den Wert der Sammlung auch schätzen lassen. Schliesslich sind die Werke ja entsprechend versichert.

Auffallend viele Topmanager aus der Versicherungsbranche interessieren sich auch privat für Kunst. Hat das primär damit zu tun, dass die Unternehmen Kunst versichern?

Wenn dem so ist, was ich nicht weiss, dann hat das vielleicht damit zu tun, dass man affiner wird, wenn man die Gelegenheit hat, der Kunst im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit näher zu kommen. Die Tatsache, dass man von hoffentlich guter Kunst umgeben ist und als Mitarbeitender die Möglichkeit hat, Kunst in seinem Büro aufzuhängen oder hauseigene Kunstausstellungen zu besuchen, erleichtert den Zugang. Ausserdem verfügen wir bei der Baloise mit Martin Schwander über einen künstlerischen Berater, der die Gabe hat, auch Leute für Kunst zu begeistern, welche anfangs eher zurückhaltend sind. Das gilt allerdings gleichermassen für alle Kolleginnen und Kollegen, nicht nur für das Topmanagement. 
 
Sie persönlich treten privat als Sponsor und Gönner von Künstlern und Kunstgruppen auf. Weshalb?

'Sponsor und Gönner' sind zu grosse Worte. Ich sammle privat ein wenig, und zwar vor allem regionale Kunstschaffende, die ich persönlich kenne. Ich bin also eigentlich Kunde, nicht Sponsor, denn ich kriege ja etwas Gutes für mein Geld. Daneben unterstütze ich mit bescheidenen Beträgen Institutionen, welche sich um die Entwicklung und die Ausstellung von Kunst verdient machen. Dies deshalb, weil ich die Hoffnung habe, dass die Welt dadurch eine etwas bessere wird. Wie gesagt, ich sammle in bescheidenem Rahmen und mit übersichtlichem Budget. Trotzdem gehen mir allerdings mittlerweile die Wände aus…

Wie beurteilen Sie die Preisentwicklung auf dem internationalen Kunstmarkt?

Die Schere im internationalen Kunstmarkt geht teilweise stark auseinander. Es gibt Künstler, so genannte Kunstmarkt-Highflyer, die auch stark von den Auktionshäusern propagiert werden. Ein Werk von Gerhard Richter kann dann auch mal 30 bis 40 Millionen Dollar kosten. Die Entwicklung im restlichen Kunstmarkt ist dagegen eher schleppend. Der Grund für die Bereitschaft gewisser Kreise, teilweise Unsummen für Kunstinvestitionen zu tätigen, liegt sicher auch in der aktuellen Tiefzinssituation. Das ist eine ungesunde Entwicklung, da keine Relationen mehr gewahrt werden. Geografisch gesehen ist der US-Markt im zeitgenössischen Bereich der nach wie vor grösste und potenteste. Deshalb drängen auch viele europäische Galerien auf diesen Markt, speziell nach New York. Gut möglich, dass dieser Boom dann in zehn Jahren im asiatischen, speziell im chinesischen Raum stattfindet.

Sie werden zusammen mit Anlagechef Martin Wenk per Ende 2017 aus der Baloise-Konzernleitung austreten, aber weiterhin für Aufgaben zur Verfügung stehen. Welche sind das?

Das Kunstengagement werde ich zum Beispiel weiterhin begleiten. Das umfasst zum einen den Baloise-Kunstpreis, aber auch die Arbeit mit unserer Kunstkommission im Rahmen unserer eigenen Sammlung. Ich werde zudem auch meine Mandate als Verwaltungsrat und Vorsitzender der Prüfungs- und Risikoausschüsse der Baloise Luxembourg sowie der Baloise Insurance Belgien weiterführen. Diese Liste muss nicht abschliessend sein, eventuell bieten sich zu gegebener Zeit noch weitere Sachen an.

Noch kurz eine Frage zu den Märkten: Seit der Wahl von Donald Trump in den USA sind die Kapitalmarktzinsen deutlich gestiegen. Hält der Trend mittel- und langfristig an?

Das würde uns natürlich freuen, und es gibt auch Prognostiker, die das tatsächlich so sehen. Aber ich möchte keine Vermutungen anstellen, da ich keine schlüssige Logik für die aktuelle Bewegung erkennen kann.

German Egloff ist seit Dezember 2004 Leiter des Konzernbereichs Finanz der Baloise. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen war er in verschiedenen leitenden Funktionen bei den Winterthur Versicherungen Schweiz tätig. Von 1998 bis 2002 war Egloff Chief Financial Officer der Winterthur Schweiz und Verwaltungsrat von Wincare, ab 2000 deren Präsident. Von 2002 bis 2004 amtete er als Chief Financial Officer bei Zurich Financial Services Schweiz.

cash weilte auf Einladung von Baloise an der Kunstpreisverleihung in Frankfurt.