Die Schweizer Börse rutscht weiter ab

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Freitag etwas rückläufig. Bei leicht volatilem Verlauf der Einzeltitel startete der SMI etwas höher in die Sitzung, rutschte dann aber bald in den roten Bereich.
18.11.2016 12:55
An der Börse wachsen die Türme am Freitag nicht in die Höhe: Die Lafarge-Holcim-Aktie taucht kräftig.
An der Börse wachsen die Türme am Freitag nicht in die Höhe: Die Lafarge-Holcim-Aktie taucht kräftig.

Dennoch zeichnet sich dank der Gewinne an den vier Tagen davor auf die Gesamtwoche gesehen zum zweiten Mal in Folge ein Plus ab. Nachdem dieses in der Vorwoche im Nachgang zur Wahl Trumps in den USA noch markant ausgefallen war, dürfte es diese Woche aber bescheiden sein. Immerhin wurden die Avancen der Vorwoche trotz des grossen Rätselratens um den künftigen Kurs des angehenden neuen US-Präsidenten mehr als verteidigt.

Nach der jüngsten Rede der Fed-Chefin Janet Yellen vom Vortag scheint eine Zinserhöhung durch das Fed im Dezember noch etwas wahrscheinlicher als davor schon. Ins Blickfeld rücken vermehrt aber auch bereits die Wahlen von Österreich und die Referendumsabstimmung in Italien vom 4. Dezember, wo beiderorts weitere Terraingewinne der Rechtspopulisten drohen. Die Aussichten für die Euro-Zone würden derzeit durch die politischen Risiken überschattet, hiess es in Marktkreisen. Es sei nicht auszuschliessen, dass der gegenwärtige europäische Rahmen in den nächsten Monaten durch destabilisierende Wahlergebnisse gefährdet werde.

Der SMI rutscht bis gegen Mittag um 0,6% auf 7919 Punkte ab. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,4% auf 1249 und der breite SPI 0,4% auf 8664 Punkte. Im SMI/SLI stehen 18 Verlierern 11 Gewinner gegenüber, Schindler notieren unverändert.

Lafarge-Holcim-Aktie taucht nach Änderung der Mittelfirstziele

Lafarge-Holcim haben sich nach nervösem Start und zeitweise positiven Notierungen mit einem Minus von 3,1% am Tabellenende etabliert. Der Zementkonzern hat - wie angesichts der vollzogenen Bereichsverkäufe erwartet - seine Gewinnziele gesenkt. Die UBS äusserte sich zwar positiv, aber wenig überrascht. "Insgesamt treffen die vom Unternehmen gesetzten Ziel wohl die Erwartungen der meisten Investoren", so das Fazit der Bank. Um die Ziele zu erreichen, sei 2017/18 jedoch ein jährliches organisches Wachstum des EBITDA von rund 15% nötig - was im historischen Vergleich recht hoch wäre. Die Dividendenpolitik und der angekündigte Aktienrückkauf werden indes eher positiv bewertet.

Markantere Abgaben verzeichnen darüber hinaus auch Actelion und Dufry (je -1,7%). Für das Minus des Gesamtmarktes sind indes vor allem die schwachen Roche (-0,9%) und Novartis (-0,7%) verantwortlich. Letzteren helfen auch positive Produkte-News zum Biosimilar Etanercept nicht viel.

Von den Finanztiteln geben Swiss Re (-0,8%) und CS (-0,6%) am meisten nach. Die Aktien der Grossbank profitierten nur zu Beginn von einer Aufnahme in die "European Focus List" durch die Citigroup. Diese gewichtet gemäss ihrer Anlagestrategie generell die Banken über, da sich der Sektor aus der "Wertfalle" befreit habe, wie es heisst. Auch UBS (-0,4%) büssen an Terrain ein.

Julius Bär und Zurich immer noch gesucht

Auf der Gegenseite befinden sich Julius Bär mit einem Plus von 0,6%. Diese waren bereits am Vortag im Anschluss an das Interimstatement nach zehn Monaten gesucht. Zurich legen immerhin noch einmal um 0,1% zu, auch dieser Titel zeigte sich am Vortag stark. J.P. Morgan hat im Nachgang zum Investorentag vom Donnerstag das Kursziel leicht erhöht und gleichzeitig das Rating "Overweight" bestätigt. Gelobt wird dabei die attraktive Dividendenpolitik, die ambitiöseren Kostenziele sowie die Reduktion des Anlagerisikos.

Die grössten Gewinne verzeichnen derzeit Syngenta (+1,4%), während Clariant, Galenica und Sika je rund 1% vorrücken.

Im breiten Markt verzeichnen Hügli nach einer Gewinnwarnung am Vorabend ein Minus von 2,8%.

Cembra Money Bank (+1,6%) gewinnen dagegen an Wert, nachdem die Bank die Verlängerung der Kooperation mit der Migros für die Cumulus-Mastercard-Kreditkarte bis 2022 bekanntgegeben hat. Baader Helvea bezeichnet dies als positiven Schritt in mehrfacher Hinsicht.

Stärker sind die Avancen von Valartis (+3,7%), nachdem das Kantonsgericht Zug die definitive Nachlassstundung aufgehoben hat. Die Bankengruppe gilt nun als vollständig saniert.

(AWP)