Die UBS hat Lust auf Nebenwerte

Auch in der Schweiz entwickeln sich die Nebenwerte seit Monaten bestenfalls im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt. Für die UBS ein Grund mehr, dieses Marktsegment genauer unter die Lupe zu nehmen.
24.10.2014 08:43
Von Lorenz Burkhalter
Einer der Neuzugänge auf der Empfehlungsliste der UBS für Nebenwerte: Die Aktien des Börsendebutanten SFS Group.
Einer der Neuzugänge auf der Empfehlungsliste der UBS für Nebenwerte: Die Aktien des Börsendebutanten SFS Group.
Bild: iNg

Den Aktien kleinerer und mittelgrosser Firmen wird nachgesagt, dass sie auf lange Sicht besser als jene grosser Unternehmen abschneiden. Hierzulande konnten sie in den letzten Monaten allerdings nur mit Mühe und Not mit dem seit Jahresbeginn um 6,7 Prozent höheren Swiss Performance Index (SPI) schritthalten.

In einer Studie räumt die UBS Investmentbank mit den gängigsten Vorurteilen betreffend den europäischen Nebenwerten auf. Die für die Grossbank tätigen Verfasser machen selektive Kaufgelegenheiten aus.

Neben den Aktien der beiden einzigen Schweizer Vertreter Burckhardt Compression und SFS Group setzt sich die 20 Firmen starke Liste aus jenen von African Barrick Gold, Andritz, Anima Holding, Berendsen, Berkeley Group, Bodycote International, Bpost, Flughafen Wien, Groupe Eurotunnel, Home Retail Group, Howden Joinery Group, NH Hoteles, NOS, Sanitec, Teleperformance, TUI und Uniqa Insurance zusammen. Allerdings unterbreitete Geberit den Aktionären von Sanitec erst vergangene Woche eine attraktive Übernahmeofferte.

Europäische Nebenwerte besser als ihr Ruf

Die Nebenwerte hätten über die letzten vier Monate schlechter als der breite Markt abgeschnitten, so die Strategen der UBS Investmentbank. Sie machen einerseits negative Veränderungen bei den Branchenpräferenzen der Anleger und andererseits den Fokus letzterer auf grosskapitalisierte Standardwerte für diese Entwicklung verantwortlich.

Die Verfasser räumen in der Studie mit Vorurteilen gegen die Nebenwerte auf. Zur Bewertung: Entgegen ihrem Ruf halten die Strategen die Nebenwerte nicht für teuer bewertet. Auf Basis der nächstjährigen Gewinnschätzungen liege die Bewertung auf dem historischen Durchschnitt sowie auf dem Stand grosskapitalisierter Aktien. Zu den Gewinnmargen: Entgegen der anders lautenden Meinung seien die durchschnittlichen Gewinnmargen noch immer unter ihrem Höchststand aus dem Jahr 2007. Anders die Gewinnmargen grosser Unternehmen, welche sich in die Nähe der damaligen Höchststände erholt hätten. Zu den vom Wirtschaftsumfeld ausgehenden Gefahren: Zwar sei die Erholung der europäischen Wirtschaft nach der Finanzkrise deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Die Schätzungen für die Unternehmensgewinne seien allerdings seit gut 42 Monaten in Folge rückläufig. Dennoch rechnen die Studienverfasser ab dem kommenden Jahr mit einer Erholung bei den Unternehmensgewinnen. Rückenwind erhoffen sie sich dabei vom schwächeren Euro.

Bei der UBS Investmentbank kommt man zum Schluss, dass die Nebenwerte besser als ihr Ruf sind. Der Fokus der Anleger auf die grosskapitalisierten Standardwerte eröffne selektive Kaufgelegenheiten, so heisst es. Dabei hält sich die Grossbank an ihre Empfehlungsliste für die Aktien kleiner und mittelgrosser Unternehmen. Da die Nebenwerte weniger stark von der Entwicklung des breiten Marktes abhängig sind, macht eine hohe Titelselektivität denn auch Sinn.