Die Unsicherheit an den Märkten bleibt

Die Anleger bleiben wegen Konjunktursorgen und der Furcht vor weiteren Turbulenzen an den chinesischen Börsen und beim Ölpreis auch in der kommenden Woche nervös.
30.01.2016 14:14
Am Donnerstag legt die Credit Suisse ihre Zahlen für 2015 vor.
Am Donnerstag legt die Credit Suisse ihre Zahlen für 2015 vor.
Bild: Bloomberg

"Eine Erholung ist nicht in Sicht, es stehen weiter starke Kursschwankungen bevor", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Der Dax legte im Januar mit einem Minus von knapp neun Prozent einen der schlechtesten Jahresstarts seiner Geschichte hin. Und auch die Performance des Swiss Market Index (SMI) betrug im ersten Monat des Jahres enttäuschende minus 5,7 Prozent. Den letzten Handelstag des Monats beendete der Schweizer Leitindex allerdings mit einem Plus von 2 Prozent und die letzte Handelswoche mit einem leichten Aufschlag von 0,6 Prozent.

Für den Auftrieb sorgte vor allem die Hoffnung auf weitere Geldspritzen der Notenbanken. Am Freitag senkte die Bank von Japan (BoJ) den Einlagenzins auf minus 0,1 Prozent. Börsianer gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im März bereits nachlegen wird. "Die Zentralbanken stehen parat, aber das ist nicht die solideste Stütze für den Aktienmarkt", sagt Basse.

Dennoch zeige die Geldflut ihre Wirkung, erklärt Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. "Wer auf einen kräftig fallenden Aktienmarkt setzt, hat von nun an die japanische und europäische Zentralbank gegen sich." Das sei ein Kampf gegen Windmühlen. "Und an den Märkten will niemand Don Quijote sein."

US-Arbeitsmarktdaten im Fokus

Eindeutig im Mittelpunkt steht für die Marktteilnehmer aber die Zinspolitik in den Vereinigten Staaten. Nach den zuletzt vorsichtigeren Tönen von Fed-Chefin Janet Yellen zum Thema Konjunktur sei eine baldige weitere Zinsanhebung wieder weniger wahrscheinlicher geworden, kommentieren die Analysten von Unicredit. Alle Optionen - inklusive einer Erhöhung im März - blieben aber auf dem Tisch.

Deswegen schauen die Anleger vor allem auf die Konjunkturdaten der weltgrößten Volkswirtschaft. Am Montag steht der ISM-Index ins Haus. Experten rechnen im Schnitt mit einem leichten Anstieg auf 48,5 Punkte. Am Freitag folgt der mit Spannung erwartete Arbeitsmarktbericht für Januar. Von Reuters befragte Experten rechnen im Schnitt mit 210.000 neuen Stellen. Anleger schauen aber auch genau auf die Entwicklung der Arbeitslosenquote und der Stundenlöhne. "Hier gibt es Potenzial für starke Kursschwankungen, wenn die Daten nicht eindeutig ausfallen", sagt Basse.

Am Donnerstag wird es in Großbritannien spannend, wenn die Bank of England ihren Inflationsbericht und Zinsentscheid bekanntgibt. Experten gehen nicht davon aus, dass die Briten an den Leitzinsen schrauben. Am Montag stehen zudem aus China die Einkaufsmanagerindizes Industrie und Dienstleistungen ins Haus.

Ist das die Trendwende beim Öl?

Etwas in den Hintergrund rückte am Aktienmarkt zuletzt das Thema Öl. Die Ölpreise konnten in der alten Woche um rund acht Prozent zulegen. Zeitweise kletterte die führende Nordseesorte Brent wieder an die Marke von 36 Dollar je Fass (159 Liter) heran. Verantwortlich dafür waren Aussagen des russischen Energieministers, wonach Saudi-Arabien eine Kürzung der Fördermengen von fünf Prozent vorgeschlagen hat.

Zudem kursierten Gerüchte über ein nahendes Treffen der Opec-Länder. Marktteilnehmer blieben aber skeptisch. Sollte sich die Hoffnung zerschlagen, dürften die Preise wieder stark fallen, prognostiziert Commerzbank-Experte Eugen Weinberg.

Wegen des herrschenden Überangebotes hat sich Erdöl seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent verbilligt. Den Ölkonzernen brechen deswegen die Gewinne weg, sie forcieren ihre Sparmaßnahmen. BP und US-Branchenprimus Exxon Mobil geben am Dienstag Aufschluss über ihren weiteren Kurs, Shell am Donnerstag.

Woche der Grossbanken

Die Bilanzsaison ist in vollem Gange und dürfte daher auch für Bewegung sorgen. Bei der Credit Suisse (Donnerstag) müssen sich Anleger wegen Abschreibungen auf einen Verlust im vierten Quartal gefasst machen. Auch die anderen SMI-Banken Julius Bär (Montag) und die UBS (Dienstag) präsentieren ihre Jahreszahlen. Neben den Banken gewähren auch AMS (Dienstag), ABB, Syngenta (beide Mittwoch), Swisscom, Emmi, Leonteq (alle Donnerstag) sowie die EMS-Chemie (Freitag) Einblick in die Geschäftsbücher. Bei den US-Firmen legen unter anderem am Montag nach US-Börsenschluss der Google-Mutterkonzern Alphabet und am Dienstag Pfizer ihre Bilanzen vor.

(Reuters)