Die Wonne- und Schmerz-Aktien im Mai

Anders als es eine Börsenweisheit besagt, haben sich Anleger im Mai nicht von der Börse verabschiedet. cash zeigt, wo Sie sich im letzten Monat eine goldene Nase verdient haben - und wo nicht.
01.06.2015 01:05
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Wer im Mai auf Syngenta setzte, hat ein gutes Händchen bewiesen.
Wer im Mai auf Syngenta setzte, hat ein gutes Händchen bewiesen.
Bild: Bloomberg

Wer sich zuletzt an die alte Börsenweisheit "Sell in May an go away" hielt, verpasste etwas. Denn der hiesige Aktienmarkt rückte im Mai deutlich vor und liess dabei die meisten international bedeutenden Indizes hinter sich. Mit einem Plus von knapp 3 Prozent in den letzten vier Wochen drang der Swiss Market Index (SMI) auch wieder in die Region des Jahreshochs bei 9475 Punkten vor.

Damit hat sich die Schweizer Börse einerseits gut vom Kurssturz von Anfang Mai erholt. Andererseits fällt auf: Seit dem SNB-Schock im Januar verläuft der Schweizer Leitindex in einem Band zwischen 8800 und 9400 Punkten. Ob ein Ausbruch nach oben aus diesem Verlaufsbereich bevor steht, ist zumindest fraglich. Die letzte grosse cash-Umfrage unter renommierten Börsen-Experten zeigte etwa, dass im laufenden Jahr kaum noch jemand mit deutlichen Kursgewinnen rechnet.

Trotzdem konnten Anleger satte Gewinne verbuchen, wie ein Blick auf die auffälligsten Einzeltitel des zurückliegenden Monates zeigt.

Syngenta: Die bockige Braut, die ihren Marktwert steigert

Im Monat Mai gab es einen Überflieger, der alle anderen Titel in den Schatten stellte: Syngenta. Die Performance des Agrochemiekonzerns schnellte in den letzten vier Wochen um ganze 36 Prozent nach oben. In absoluten Zahlen stieg der Preis pro Aktie von 314 auf aktuell 429 Franken. Möglich gemacht hat diesen Höhenflug ein Übernahmeangebot des US-Konzerns Monsanto, der 449 Franken je Syngenta-Aktie bietet. Syngenta lehnt jedoch ab. Doch das ist noch keineswegs das Ende einer anscheinend einseitigen Lovestory: Die bockige Syngenta macht sich damit nur noch attraktiver. Anleger rechnen mit einer höheren Offerte.

Finanztitel: Es wird wieder heller

Grosses Aufschnaufen bei der UBS: Im Fall der Manipulationen im Devisenhandel hat die Bank vor knapp zwei Wochen eine unerwartet günstige Einigung mit US-Behörden erzielt und ist um eine Strafklage herum gekommen. Insgesamt wird die Bank Bussen von knapp 550 Millionen Dollar bezahlen. Am Tag der Bekanntgabe der Strafe legte die UBS-Aktie um 3 Prozent zu, auch anderen Finanztiteln gab dies einen leichten Schub nach oben.

Darüber hinaus lieferten die meisten Finanztitel im ersten Quartal überzeugende Zahlen ab. Die UBS hatte mit einem Gewinn von fast 2 Milliarden Franken das beste Quartalsergebnis seit langem, die Credit Suisse steigerte ihren Reingewinn um 23 Prozent, Julius Bär verzeichnet zwar einen leichten Rückgang der Vermögen, blieb aber über den Erwartungen und auch der Versicherer Zurich überraschte mit einem Reingewinn von 1,22 Milliarden Franken positiv. Ob diese Finanztitel jedoch weiterhin diesem Aufwärtstrend folgen werden, dürfte zumindest fraglich sein. Denn: Es laufen weiterhin Strafuntersuchungen gegen UBS und Co., und der Strukturwandel in der Finanzwelt ist noch nicht abgeschlossen.

So riet etwa Daniel Egger, Anlagechef der Privatbank Maerki Baumann, im cash-Börsen-Talk, bei Bankaktien "nicht mit beiden Händen zuzugreifen". Und wenn, dann würde er die UBS der Credit Suisse "klar vorziehen". Für den Monat Mai betrachtet sollte Egger recht behalten: Während der UBS-Titel um 10 Prozent zulegte, mussten sich Credit-Suisse-Aktionäre mit einer Performance von plus 4 Prozent begnügen (siehe Tabelle).

Swatch: Das Problemkind

Weniger freundlich sieht es in der Welt von Nick Hayek aus. Der Swatch-Chef sah den Kurs seiner Aktie im Mai um satte 10 Prozent absacken. Grossen Kummer bereitet dem Uhrenhersteller der erstarkte Franken. Denn die Swatch erzielt neun von zehn Franken im Ausland. Gleichzeitig fällt knapp die Hälfte der Kosten in Franken an. Eine ungünstige Konstellation.

Doch das ist bei Weitem nicht das einzige Problem im Hause Swatch. Aktuell sind die Lagerbestände überdurchschnittlich hoch, was Kapital bindet und die Dividendenaussichten schmälert. Zusätzlich fressen Apple und andere grosse Anbieter mit den neuen Smartwatches dem Uhrenkonzern den Umsatz weg. Betroffen ist vor allem das für die Swatch Group wichtige tiefe und mittlere Preissegment. Dieses trägt bei den Westschweizern rund einen Drittel zum Jahresumsatz bei. Die Leidensgeschichte von Swatch dürfte noch weiter gehen.

Breiter Markt im Höhenrausch

Der Swiss Performance Index (SPI) entwickelte sich im letzten Monat mit dem grossen Bruder im Gleichschritt. Doch gemessen seit Anfang Jahr steht er mit mehr als 7 Prozent viel deutlicher im Plus. Als Resultat ist der SPI im Mai auf einen neuen Höchststand geklettert (9554 Punkte). Überflieger im zurückliegenden Monat war die in der Öl- und Gasindustrie tätige Alpha Petrovision. Aber: Die insolvente Gesellschaft zieht sich im September von der Börse zurück. Der Penny Stock macht mitunter zweistellige Kursveränderungen an einem Tag – in beide Richtungen.

Aufhorchen lässt auch der Solar-Zulieferer Meyer Burger. Eine optimistische Geschäftsprognose und ein Grossauftrag aus Asien haben den in der Vergangenheit arg gebeutelten Titel um mehr als 17 Prozent haussieren lassen. Die Analystengemeinde ist dennoch skeptisch. "Kauf"-, "Halten"- und "Verkauf"-Empfehlungen halten sich in etwa die Waage.

Biotech: Licht und Schatten

Am breiten Markt zeigt sich noch ein weiterer Trend. Denn wieder einmal sorgen diverse Biotech-Firmen sowohl für die guten wie auch für die schlechten Nachrichten. Auf der einen Seite gehören Basilea, Molecular Partners und Evolva zu den erfolgreichsten SPI-Aktien im Mai mit Kursgewinnen von 10 Prozent und mehr. Cytos (-38 Prozent) und Therametrics (-13 Prozent) verlieren hingegen deutlich an Wert (siehe Tabelle). Die Gründe dafür sind wie immer unterschiedlich. Basilea-Aktien wurden unlängst stark von Übernahmespekulationen angetrieben. Innerhalb von zwei Handelstagen wurden rund 500‘000 Namenaktien umgesetzt. Das entspricht 5 Prozent des Aktienkapitals.

Auch Molecular hat sich – nach dem holprigen Börsenstart im Dezember 2014 – zuletzt ordentlich entwickelt. Berichte über Fortschritte bei eigenen Produkten und solchen mit Partnern gaben der Aktie mächtig Schub. Cytos hingegen befindet sich immer noch auf dem Pfad der Restrukturierung. Die starken Kurs-Anstiege und -Verluste im laufenden Jahr zeigen, dass die Strategie der Zürcher noch nicht zu überzeugen weiss. Eines haben die erwähnten Unternehmen allerdings gemeinsam: Gewinn erwirtschaften sie noch keinen. Dass diese Aktien deshalb nur etwas für risikoaffine Anleger sind, versteht sich von selbst.

Sunrise: Unsichere Gehversuche

Wie Swisscom im SMI gehört auch im SPI ein Telekomkonzern zu den Underperformern. Sunrise, erst seit letztem Februar auf dem Börsenparkett unterwegs, überzeugt bislang kaum. Insbesondere schlechte Quartalszahlen und ein zurückhaltender Ausblick für das Gesamtjahr 2015 haben den Titel in die Tiefe gerissen. Dies, obschon Sunrise immer wieder als Aktie mit einer attraktiven Dividendenrendite (3,8 Prozent) erwähnt wird.

Die Gewinner und Verlierer am SMI im Mai

Top Flop
Titel Performance, in % Titel Performance, in %
Syngenta +36 Swatch -10
UBS +8 Adecco -1
Transocean +8 Swisscom -1
Actelion +6 Richemont -1
Julius Bär +5 SGS -1
Zurich +4 Givaudan 0
Credit Suisse +4 Holcim 0
Roche +4 ABB +1
Geberit +3 Nestle +1
Swiss Re +3 Novartis +2

Quelle: cash.ch, Stand 29.05.2015

Die Gewinner und Verlierer am SPI im Mai

Top Flop
Titel Performance, in % Titel Performance, in %
Alpha PetroVision +50 Cytos -38
Meyer Burger +18 Schlatter -33
u-blox +17 Therametrics -13
Orell Füssli +14 Zwahlen&Mayr -12
Evolva +14 Gategroup -11
Basilea +14 Sunrise -11
BVZ +12 Von Roll -9
Bq Prof Gestion +12 Loeb -8
Mobilezone +11 Implenia -8
Sonova +11 Tamedia -7

Quelle: cash.ch, Stand 29.05.2015