Die zehn aufregendsten Börsen der Welt

Der sinkende Ölpreis hat die Performance der Börsenplätze weltweit geprägt - negativ oder positiv. Das sind die zehn auffälligsten Börsenplätze des Jahres.
17.12.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Die Börse in Ägypten gehört zu den Gewinnern des Jahres.
Die Börse in Ägypten gehört zu den Gewinnern des Jahres.
Bild: Bloomberg

Shanghai: Bullenrally oder Abkühlung?

Der "Shanghai SE Composite" hat eine Achterbahnfahrt hinter sich. Am wichtigsten Aktienindex des chinesischen Festlands ging vor allem im Herbst die Post ab. Als zweitgrösster Erdölimporteur der Welt profitiert China von den tiefen Ölpreisen. Auch die breite Masse liess sich vom Aktienboom mitreissen: Auf dem Festland wurden so viele Aktiendepots eröffnet wie seit drei Jahren nicht mehr. Das alles hat die Experten von Morgan Stanley veranlasst, das Potenzial für eine "Ultra-Bullenrally" in China auszurufen. Innerhalb von 18 Monaten werden sich die Aktienkurse demnach verdoppeln.

Trotzdem folgte auf die Rekordjagd Anfang Dezember der jähe Absturz um mehr als 5 Prozent. Der Höhenflug am Aktienmarkt spiegle nicht die Konjunktur in China wider, die mit dem weiter gebremsten Wachstum deutliche Schwächen zeige, sagten dann kritische Beobachter. Dennoch: Andere asiatische Indizes wie der Hang Seng (Hongkong) oder der Nikkei (Japan) liegen in diesem Jahr mit ihren Renditen weit hinter Shanghai zurück.

Venezuela: Volatile Karibikbörse

Die inkonstante Börse von Caracas sorgt in den Ranglisten der besten und schlechtesten Handelsplätzen regelmässig für Aufsehen – mal positiv, mal negativ. Noch zur Jahresmitte war der "Venezuela Stock Market Index" die schlechteste Börse der Welt. Doch seither hat sie mehr als 80 Prozent zugelegt. Im Jahresverlauf steht ein Plus von knapp 50 Prozent zu Buche und wie in den drei Jahren zuvor ein Platz unter den ersten Drei (siehe Tabelle).

Grund für diese Volatilität ist einerseits die unberechenbare Wirtschaftspolitik des Karibikstaats. Andererseits beträgt das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen nur einige Tausend Franken, was einzelnen Akteuren viel Macht gibt. An der Börse sind wenige Unternehmen gelistet und davon befinden sich viele in staatlicher Hand. Zudem haben die tiefen Ölpreise das vom Erdölexport abhängige Land an den Rand einer Staatspleite geführt. Hinzu kommen eine rekordhohe Inflation von mehr als 60 Prozent und eine schwache Währung. All diese Aspekte relativieren den Erfolg des Börsen-Seriensiegers.

Pakistan: Schwarzgeld und Erdöl

Ebenfalls mehr als 40 Prozent zulegen konnte der "Karachi 100 Index". Die Börse in Pakistans Mega-Metropole gehört seit Jahren zu den Top-Performern. Der Kursanstieg in den letzten fünf Jahren beläuft sich auf mehr als 230 Prozent. Beobachter sagen, das widerspiegle das wirtschaftliche Potenzial des Landes. Pakistan gilt als Vertreter der schnell wachsenden Frontier Markets (Grenzmärkte). Rund 30 Prozent der Marktkapitalisierung kommen von Unternehmen aus der Ölindustrie. Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist der Textilsektor.

Kritiker schreiben hingegen einen Teil der Rally dem Schwarzgeld zu: Aktienkäufer mussten zwischen 2012 und 2014 keine Rechenschaft über die Herkunft ihres Geldes ablegen. Nach der Einführung dieser Regelung verdoppelte sich das Handelsvolumen auf dem Parkett von Karachi. Weiter steht die Börse im Ruch, unter dem Einfluss von Insiderhandel und Kursmanipulationen zu stehen.

Ägypten: Tourismus gibt Schub

Der "EGX 30 Index" setzt sich in der Spitzengruppe fest. Bereits bei Halbzeit des Börsenjahres landete die Börse von Kairo in den Top Ten. Ein wichtiger Treiber ist die politische Stabilisierung in Ägypten und damit zusammenhängend der Aufschwung im Tourismus. Die Auslastung der Hotels hat sich nach der Aufhebung der Reisebeschränkungen für Ägypten deutlich verbessert. Davon profitiert auch der an der Schweizer Börse SIX kotierte Immobilienentwickler Orascom, der seinen Gewinn vervierfachen konnte. Mit mehr als 37 Prozent Gewinn stellt die Börse in Kairo den Swiss Market Index (+6 Prozent) allerdings in den Schatten.

Indien: Stimmungsmacher Modi

Indiens Leitindex, der "BSE Sensex Index", ist schon seit längerem auf Rekordjagd. Alleine in den letzten drei Jahren hat sich sein Wert beinahe verdoppelt, im laufenden Jahr beträgt das Plus immerhin 35 Prozent. Dieser Höhenflug hat viel mit politischen Erwartungen zu tun. Mehr als 20 Prozent hat der Sensex seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi im Mai zugelegt.

Der 64-jährige Modi ist mit dem Versprechen angetreten, die Wirtschaft Indiens ankurbeln, die Steuern zu reformieren, zehn Millionen Arbeitsplätze zu schaffen und mehr Geld in die Energie-, Strassen- und Schienennetze zu stecken. Marktbeobachter rechnen damit, dass die indischen Unternehmensgewinne 2015 um rund 14 Prozent steigen werden.

Russland: Rubel und Öl auf Talfahrt

An Moskaus Börse, der schlechtesten weltweit, geht es zurzeit drunter und drüber. Unter dem Druck westlicher Sanktionen hat die russische Währung seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent ihres Wertes verloren. Um den Rubelverfall und die steigende Inflation zu bekämpfen, hat die russische Notenbank in den vergangenen Wochen wiederholt die Leitzinsen angehoben – zuletzt auf 17 Prozent.

Auch vom Aktienmarkt ziehen sich Investoren zusehends zurück. Der "RTS Index" hat im laufenden Jahr über 50 Prozent verloren (siehe Tabelle). Ein Absturz auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Besserung ist kaum in Sicht. Denn Russland brechen durch die anhaltende Talfahrt der Ölpreise weitere Export-Einnahmen weg. Die Gefahr einer Staatspleite nimmt laufend zu. Bereits mehren sich die Marktstimmen, die Vergleiche herstellen zwischen der Rubel-Krise von 1998 und der heutigen Situation.

Ukraine: Wirtschaft am Boden

Ähnliches gilt für den Aktienmarkt in der Ukraine. Die Kriegswirren mit Russland haben den "Ukrainian Equities Index" in unruhiges Fahrwasser geschickt. Doch die zynische Börsenweisheit "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" ist hier kein guter Ratgeber. Denn die Wirtschaft des gebeutelten Landes ist regelrecht zusammengebrochen. Im dritten Quartal ist das BIP um mehr als 5 Prozent geschrumpft. Im Osten der Ukraine, wo die Auseinandersetzungen mit den prorussischen Separatisten stattfinden, sind etwa 50 Prozent der industriellen Infrastruktur zerstört worden. Angesichts eines drohenden Staatsbankrotts hat der Internationale Währungsfonds von der Ukraine härtere und schnellere Reformen gefordert.

Portugal: Enttäuschte Hoffnung

Noch vor wenigen Monaten galt Portugal als heisses Anlagethema. Das Land sei ein Musterschüler unter Europas Krisenländern. Die konservative Regierung hat zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen unter anderem eine Reihe von Privatisierungen angestossen. Zudem konnte der Euro-Rettungsschirm im Mai offiziell verlassen werden.

Doch die Wirtschaftskrise in den Euroländern lastet weiterhin auf diversen Unternehmen des Leitindex "PSI 20", mit dem es seit Anfang April nur noch bergab gegangen ist. Das Minus seit Januar beträgt somit 27 Prozent. Mit verantwortlich für diese Baisse war auch die in finanzielle Nöte geratene Grossbank Banco Espirito Santo. Die Angst ging um, ihre Probleme könnten den gesamten portugiesischen Finanzsektor in die Krise stürzen. Der Aufschwung könnte im nächsten Jahr kommen. Die EU-Kommission rechnet im nächsten Jahr mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Bis 2016 werde der Wert auf 1,7 Prozent steigen.

Athen: Banken wanken

Auch der "Athex Composite" war im vergangenen Jahr noch einer der besten Börsenindizes Europas. Doch inzwischen ist der griechische Leitindex die viertschlechteste Börse der Welt. Seit Anfang Jahr hat er 30 Prozent verloren. Hinter dem Rückgang steht vor allem der Einbruch bei den Banken. Piraeus Bank, Eurobank Ergasias und National Bank of Greece haben massiv an Wert eingebüsst. Besonders stark war der Einbruch am 9. Dezember, als der Athex fast 13 Prozent abgab – der grösste Tagesverlust seit 1987.

Nicht nur Aktienanleger laufen Griechenland davon. Auch die Risikoaufschläge für Staatsanleihen legten jüngst stark zu. Die Ankündigung vorgezogener Präsidentschaftswahlen schürte die Unsicherheit in dem noch immer hochverschuldeten Land. Zuletzt hatte die griechische Wirtschaft nach sieben Jahren Rezession zwar Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung gezeigt. Kommt es jedoch zu einem politischen Machtwechsel, stehen der griechischen Börse wohl weiterhin unruhige Zeiten bevor.

Nigeria: Weiteres Öl-Opfer

Das ölproduzierende Nigeria ist ein weiteres Opfer des Ölsturzes. Seit Mitte Jahr hat der "Nigeria Stock Exchange" 30 Prozent Verlust eingefahren. In den letzten Monaten kamen religiös motivierte Unruhen hinzu. Regelmässig kommen Zivilisten bei Attentaten der Islamistengruppe Boko Haram ums Leben. Die sektenartige Bewegung kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias.

Doch die wirtschaftlichen Voraussetzungen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas sind besser als es die Börsenperformance suggeriert. Die wachsende Mittelschicht und die sehr junge Bevölkerung Nigerias werden immer konsumfreudiger. Ein Umstand, der auch Starinvestor Mark Mobius anlockte. Er schwört auf Westafrika und insbesondere Nigeria.

Die besten Börsen 2014

Börsenplatz Performance in %
Shanghai SE Composite +51
Venezuela Stock Market Index +50
Karachi 100 Index (Pakistan) +41
EGX 30 Index (Ägypten) +37
BSE Sensex Index (Indien) +35
Sri Lanka Colombo All Shares +32
PSEi (Philippinen) +31
Nairobi All Shares (Kenia) +24
Jakarta Composite Index (Indonesien) +23
Stock Exchange of Thai +21

 

Die schlechtesten Börsen 2014

Börsenplatz Performance in %
RTS Index (Russland) -55
Ukrainian Equities Index -40
PSI 20 Index (Portugal) -30
Athex Composite Share -29
Nigeria Stock Exchange All Share -28
Colombia Colcap Index -27
Austrian Traded Index -20
MSE Top 20 Index (Mongolei) -15
Budapest Stock Exchange Index -14
Kuwait SE Price Index -14

Die Performance basiert auf Schweizer Franken.

Quelle: Bloomberg, Stand 16. Dezember 2014