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Die ZKB wird zur Strategie gedrängt

Die Zürcher Kantonalbank, das war und ist ein Gemischtwarenladen mit viel unternehmerischen Freiheiten - aber kaum vorhandener Strategie. Doch nach dem SNB-Verdikt muss sich Zürich fragen: Welche Kantonalbank wollen wir?
11.11.2013 13:20
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash
Zuletzt erzielte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) einen Reingewinn von 744 Millionen Franken, die Kantone und Gemeinden freuten sich über eine Ausschüttung von 374 Millionen Franken. Die ZKB-Kundenvermögen betragen fast 200 Milliarden Franken.
 
Zu behaupten, der ZKB fielen solche Leistungen wegen der vielen Vorteile, die eine Kantonalbank mit 100 Prozent Staatsgarantie geniesst, einfach so in den Schoss, täte den knapp über 5000 ZKB-Mitarbeitern unrecht. Aber die ZKB ist in vielen Dingen ein Selbstläufer. Ausgestattet mit vielen unternehmerischen und regulatorischen Freiheiten.
 
Die Bank baute ihr traditionelles Retail- und Firmenkundengeschäft reichlich aus. Daneben wurde das Investmentbanking massiv forciert, ebenso das Private Banking, dort zuletzt gar mit Ausflügen ins Prestigesegment Family Office. Daneben gabs Rekördli der besonderen Art: Der ZKB-Gold-ETF wurde zum grössten seiner Art, das physisch hinterlegte Gold sprengte die Tresore am ZKB-Hauptsitz an der Bahnhofstrasse. Die ZKB versteht sich als "regional verankerte und global vernetzte Universalbank", ohne dies je genauer definiert zu haben.
 
Der strategische Wildwuchs, der mit einer bisweilen haarsträubenden Corporate Governance einher ging, sorgt indes regelmässig für Skandale im ZKB-Land. 2007 half die Handelsabteilung der ZKB bei der feindlichen Übernahme von Sulzer, obwohl die ZKB gleichzeitig die Hausbank des Industrieunternehmens war. Damals wollte die ZKB auch Exporte für einen umstrittenen Staudamm in der Türkei finanzieren. Dann kam die umstrittene Übernahme einer dubiosen Privatbank in Österreich. Und jetzt lähmt der Fall der unversteuerten US-Kundengelder die Bank weitgehend.
 
Die strategische Orientierungslosigkeit der ZKB könnte nun aber ein Ende haben. Denn nun ist, wie die UBS und die Credit Suisse, auch die ZKB zu gross, um unterzugehen. Sie ist systemrelevant. Das heisst, die von der ZKB erbrachten Leistungen sind für die Volkswirtschaft unverzichtbar. Und sie sind nicht kurzfristig durch andere Marktteilnehmer zu ersetzen.
 
Die von der Schweizerischen Nationalbank verfügte Systemrelevanz der ZKB bringt es mit sich, dass die Bank ihre Kapitalbasis stärken muss. Die ZKB muss auch einen Massnahmenplan vorbereiten, wie die Bank eine Weiterführung der systemrelevanten Funktionen bei einem Ausfall gewährleisten kann.
 
Dieser finanzielle und organisatorische Kraftakt muss einen Denkprozess auslösen. Bei der Belegschaft, bei der Geschäftsleitung, beim Bankrat, beim Kantonsparlament, bei den Gemeinden und beim Steuerzahler. Die Fragen müssen sein: Welche Geschäfte will sich die ZKB leisten? Wo liegt der Fokus der Geschäftstätigkeit? Welche Strategie verfolgt die ZKB?
 
Der sprudelnde Gewinn der ZKB vernebelte bei Kanton und Gemeinden immer wieder die Sinne. Die SNB zwingt die ZKB-Stakeholder nun hoffentlich zu einer grundlegenden Standortbestimmung.