Die Zukunft der Deutschen Bank - Eine Commerzbank 2.0?

Die Deutsche Bank verordnet sich eine Radikalkur. Weniger Investmentbanking, mehr Fokus auf Unternehmenskunden. Das wird den Wettbewerb auf dem Heimatmarkt verstärken.
13.07.2019 21:10
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Bild: cash

Der große Wurf von Christian Sewing soll zu einer kleineren Bank führen. Wenn alles nach Plan läuft, dann hat die Deutsche Bank in drei Jahren noch 74.000 Vollzeit-Mitarbeiter, die sich um Privatkunden und Unternehmen kümmern und sie mit grundsoliden Dienstleistungen versorgen: Konten, Kredite, Vermögensverwaltung, dazu die Beratung bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen, die Platzierung von Anleihen und die Absicherung von Währungsrisiken.

Vorstandschef Sewing nennt das "eine neue, eine bessere Deutsche Bank", näher am Kunden und weniger mit sich selbst beschäftigt. Im Grundsatz wäre es eine etwas globalere Commerzbank. Und damit könnte die erst im Frühjahr beerdigte Fusion unter den beiden heimischen Großbanken mittelfristig doch wieder ein Thema werden.

"Für die Deutsche Bank sind die angekündigten Schritte eine Zeitenwende", sagt Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, dem Fondshaus der Sparkassen. "Mit der Vergangenheit wird abgeschlossen." Auch die Ratingagentur Moody's attestiert: Von allen strategischen Nachjustierungen, die die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren gemacht habe, sei die aktuelle vermutlich die realistischste, erklären die Analysten.

Casino war gestern

Früher drehten die Händler in New York und London das große Rad - und verdienten vor der Finanzkrise Milliarden. Die Privatkunden zu Hause waren eher schmückendes Beiwerk. Doch seit dem Crash an den Märkten 2008 ist das Handelsgeschäft schwieriger und vor allem teurer geworden, die Regulierer haben die Kapitalanforderungen stetig nach oben geschraubt. Wenn die Einnahmen nicht stimmen, werden aus schwarzen Zahlen schnell rote.

Sewing, seit 15 Monaten auf dem Chefsessel, aber schon Jahrzehnte in der Bank, steuert nun um: Das Investmentbanking wird drastisch verkleinert. Es soll sich auf klassische Dienstleistungsfunktionen für Unternehmen auf dem Kapitalmarkt beschränken. Daneben wird eine Unternehmensbank neu eingerichtet, die an die Firmenkunden-Sparte der Commerzbank erinnert. Sie kümmert sich künftig nicht nur um das Brot-und Buttergeschäft für große Konzerne: Finanzierungen und Zahlungsverkehr. Auch die meisten kleineren und mittleren Unternehmen, die bisher von der Privatkundenbank bedient wurden, werden nun an die Firmenkundensparte angedockt.

Sewing wehrt sich gegen den Eindruck, die einst so stolze Investmentbanking-Sparte könnte am Ende nur noch als verlängerte Werkbank für die Unternehmensbank dienen. Im Geschäft mit Anleihen und Devisen, aber auch in der Transaktionsberatung gehöre die Deutsche Bank zu den Besten, erklärte er am Montag in einer Telefonkonferenz. Und dennoch: Die Strukturen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank gleichen sich an, was ein Zusammengehen beider Häuser in ein paar Jahren leichter machen könnte.

"Die goldenen Zeiten sind vorbei"

Im Frühjahr hatte es noch geheißen, es passe einfach nicht, der Mehrwert sei nicht ausreichend, zunächst müsse jeder seine eigenen Hausaufgaben machen. Als Ergänzung zum starken Fokus auf Unternehmenskunden jedweder Größenordnung käme von der Deutschen Bank noch die Vermögensverwaltung rund um die DWS hinzu.

Die Erfahrungen der Commerzbank sind aber auch ein warnendes Beispiel. Der Umbau der Firmenkundensparte war zunächst schmerzhaft. Er kostete viel Energie, zahlreiche Kunden vermissten ihren bekannten Ansprechpartner und die Erfolge ließen länger als erhofft auf sich warten. Zudem ist der Wettbewerb gerade im deutschen Firmenkundengeschäft beinhart. Neben den Landesbanken buhlen auch zahlreiche ausländische Geldhäuser - von BNP Paribas über ING bis Unicredit - um das Geschäft mit den deutschen Unternehmen. Die Folge: Die Margen sind hauchdünn. Dank einer höheren Kreditvergabe steigen bei vielen Instituten die Erträge trotzdem - doch wie lange noch?

"Die goldenen Zeiten im Corporate-Banking sind vorerst vorbei", sagte Christian Graf vom Beratungsunternehmen Bain bereits im November, bevor sich die Konjunkturaussichten deutlich eintrübten. "Das liegt nicht nur an den dauerniedrigen Zinsen, der Regulierung und neuen digitalen Angeboten. Vielmehr heizen die Banken mit ihren Expansionsplänen den Wettbewerb selbst immer stärker an."

Was macht die Commerzbank?

Auch die Commerzbank will ihre Strategie nun noch einmal nachbessern, voraussichtlich im Herbst. Vorstandschef Martin Zielke hat die Tür für ein Zusammengehen mit der Deutschen Bank nie gänzlich zugeschlagen, potentielle Interessenten aus dem Ausland wie die französische BNP oder die niederländische ING hält er auf Abstand. So könnte am Ende vielleicht doch die Deutsche Bank zum Zuge kommen - auch wenn Sewing das Thema am Montag herunterspielte.

Nach Einschätzung von Deka-Mann Speich stehen die Chancen ganz gut, dass die Deutsche Bank trotz aller Umsetzungsrisiken hält, was Sewing verspricht. "Sie wird irgendwann die PS wieder auf die Straße bringen und dann ist sie in einer besseren Position, das Thema Konsolidierung wieder aufzunehmen. Die einzige Frage wird sein: Wer ist der Partner? Macht man die deutsche Lösung oder doch die europäische?" 

(Reuters)

 

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