Dies ist die Aktie der Stunde

Der Aktienkurs von Orascom zeigt zurzeit steil nach oben. Doch weil der Titel stark von Übervater Samih Sawiris und der politischen Situation in Ägypten abhängt, ist Vorsicht geboten.
11.06.2014 14:32
Von Ivo Ruch
Die Orascom Development Holding ist seit Mai 2008 an der Schweizer Börse SIX kotiert.

Am 2. Juni war Orascom-Gründer Samih Sawiris zu Gast in Roger Schawinskis Talksendung und äusserte sich sehr optimistisch zu Ägyptens Zukunft und zu den Aussichten für seine Firma. Seither ist es mit der Aktie des Immobilienentwicklers noch einmal um 30 Prozent nach oben gegangen. Fast die Hälfte dieses Gewinns verbucht der Valor am Mittwoch. Seit Anfang April beträgt das Plus bereits mehr als 70 Prozent (siehe Chart).

Orascom hängt stark am Tropf von Sawiris: Er ist temporärer CEO, VR-Präsident und Mehrheitsaktionär in Personalunion. Zudem garantiert er dem Unternehmen die Liquidität.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat Orascom erstmals seit der ägyptischen Revolution wieder einen Gewinn realisieren können. Grund dafür war neben einer Belebung im Segment Immobilien und Bau auch die massive Einsparung von Kosten. Zudem gab die Firma bekannt, dass sie ihr operatives Geschäft auf Ägypten, Oman und Montenegro fokussieren wolle.

Orascom-Aktienkurs seit Anfang April

Quelle: cash.ch, Stand: 11.6.2014

Kehrt in Ägypten Ruhe ein?

Immer wieder aufflammende politische und wirtschaftliche Unsicherheiten in Ägypten – wo Orascom 77 Prozent des Umsatzes erzielt – bescherten dem Aktienkurs bereits mehrmals heftige Kurstaucher. Wer zum Beispiel Mitte 2008 auf Orascom gesetzt hatte, musste mit ansehen, wie die Aktie um rund 90 Prozent absackte.

Die jüngste politische Normalisierung in Ägypten hat bestimmt geholfen, dass Investoren wieder mehr auf Orascom vertrauen. Der kürzlich gewählte Präsident Abdel Fattah al-Sisi weiss nicht nur die Armee hinter sich, sondern auch 90 Prozent der Bevölkerung und grosse Teile der Intellektuellen. Davon dürften auch die ägyptischen Ferienorte profitieren, die in der Beliebtheitsskala der Schweizerinnen und Schweizer jüngst auf den letzten Platz zurückgefallen sind. Noch hält aber das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) an seiner Reisewarnung für Ägypten fest.

UBS ist wenig optimistisch

Auch vom touristischen Grossprojekt in Andermatt, an dem Orascom zu 49 Prozent beteiligt ist, kamen gute Neuigkeiten. So wurden die Pläne von Samih Sawiris für einen Ausbau und Zusammenschluss der Skigebiete von Andermatt und Sedrun vom Bund bewilligt. Und bereits im Dezember konnte das Fünfsterne-Hotel "The Chedi" eröffnet werden.

Trotz dieser positiven Nachrichten bleibt Orascom eine risikoreiche Aktie, die auch in Zukunft in Kurs-Turbulenzen geraten dürfte. Laut einem Research-Papier der UBS ist Orascom mehreren Risiken ausgesetzt. Insbesondere in Schwellenländern sei das Unternehmen gegenüber politischen und sozialen Gefahren exponiert, welche die Liquidität von Immobilien-Investments beeinträchtigen könnte. Die UBS-Analysten empfehlen die Orascom-Aktie denn auch zum Verkauf und setzen das Kursziel bei 7 Franken fest – am Mittwoch steht der Titel bei 21 Franken.

Sein persönliches Engagement bei Orascom möchte Samih Sawiris möglichst bald herunterfahren. "Ich möchte die Gesellschaft so schnell wie möglich so strukturieren, dass sie eine selbstständige, gut geführte Public Company ist", sagte er zum Schluss der Sendung "Schawinski".