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Diese Aktie kennt nur eine Richtung

Die Aktie eines Luzerner Milchverarbeiters mausert sich zum heimlichen Star unter den Schweizer Nebenwerten. Wie es weiter geht und wo die Risiken für die Anleger lauern.
22.05.2014 11:10
Von Frédéric Papp
Der Milchpulver- und Babynahrungshersteller ist seit Mai 2011 an der SIX kotiert.
Der Milchpulver- und Babynahrungshersteller ist seit Mai 2011 an der SIX kotiert.

Was ein CEO-Wechsel für den Aktienkurs bedeuten kann, lässt sich exemplarisch am Kursverlauf des Luzerner Milchverarbeiters Hochdorf ablesen. Seit Thomas Eisenring im Sommer 2013 die Fäden im Unternehmen zieht, ist die Aktie über 60 Prozent nach oben geklettert. Damit liegt Hochdorf unangefochten an der Spitze der an der Schweizer Börse SIX kotierten Nahrungsmittelhersteller.

Kursperformance der Hochdorf-Aktie innerhalb eines Jahres

Eisenring verpasste dem Unternehmen ein Effizienz- und Sparprogramm. Dieses offenbarte bereits seine Wirkung. Im Geschäftsjahr 2013 steigerte Hochdorf den Umsatz und den Ertrag stärker als erwartet. Die Aktionäre kamen in den Genuss einer Dividendenerhöhung von 3 auf 3,20 Franken je Namenaktie.

Für weiter steigende Kurse und somit einer Höherbewertung der Firma ist die Erzielung eines möglichst hohen Free Cashflows massgebend. Und diesbezüglich sind die Luzerner gut unterwegs. So sei der Start ins laufende Geschäftsjahr gut gelungen, teilte das Unternehmen an der Generalversammlung Anfang Mai mit. In den drei Bereichen Milchderivate, Baby Care und Cereals & Ingredients sind Wachstumsinitiativen angestossen worden.

China gilt als Schlüsselmarkt

Vor allem Asien, insbesondere China, gilt als attraktiver Wachstumsmarkt für die Hochdorf-Produkte, nicht zuletzt, weil die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt seit Jahren immer wieder von seltsamen Lebensmittelskandalen heimgesucht wird. Eigelb gefärbt mit Schwermetallen, vergiftete Babymilch - in China hört man so etwas beinahe täglich. Essen ist gefährlich geworden. Und das in einer Gesellschaft, in der Essen mehr als nur Verpflegung ist, sondern auch Medizin, Kunstform, Geschichte und Gemeinschaft.

Gelingt es Hochdorf, sich zusätzlich zu den bereits bestehenden Partnerschaften als qualitativ hochwertiger Anbieter von Milchprodukten in China zu etablieren, sind volle Kassen vorprogrammiert. Das Land zählt mittlerweile gegen 1,4 Milliarden Einwohner. Stand 2013 macht der Erlös in Asien 6,6 Prozent vom Gesamterlös von 380 Millionen Franken aus. Hilfreich ist hier das Label "Made in Switzerland", das in China einen sehr hohen Stellenwert hat.

Kapazitätsausbau in der Pipeline

Doch Hochdorf fehlen derzeit die Kapazitäten, um solch einen riesigen Markt zu versorgen und gleichzeitig andere attraktive Märkte wie in Lateinamerika, im Nahen Osten oder in Afrika zu bedienen. Zu diesem Zweck sollen die Produktionsstätten in der Schweiz entlastet werden durch Akquisitionen im Euro-Raum. Aus der Schweiz heraus sollen primär schweizaffine Länder wie China beliefert werden. Und aus den künftigen Produktionsstätten in Europa die restlichen Märkte.

Die Akquisition wird durch eine im Mai von der Generalversammlung genehmigte massive Kapitalerhöhung um nominal 4,5 Millionen auf 13,5 Millionen Franken finanziert und muss bis spätestens in zwei Jahren vollzogen werden. Marktbeobachter gehen davon aus, dass mit einer Akquisition noch im laufenden Jahr zu rechnen ist. Für Stirnrunzeln sorgt die Bestimmung des Verwaltungsrats, dass das Bezugsrecht unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschlossen werden kann. Dies hätte für die Aktionäre einen Verwässerungseffekt zur Folge.

Illiquider Handel

Für Hochdorf wird entscheidend sein, ob die Internationalisierungsstrategie gelingt. Das Unternehmen selbst bezeichnete diese Strategie an der Generalversammlung Anfang Mai als den "einzig möglichen Wachstumsmotor". Anleger müssen also vor allem darauf ein Auge haben. Ob Hochdorf bezüglich der Wachstumsstrategie auf Kurs ist, darüber gibt spätestens der Zwischenabschluss am 20. August Aufschluss.

Aus Anlegersicht problematisch ist der dünne Handel. Pro Tag wechseln gerade mal durchschnittlich 950 Aktien die Hände, das ergibt bei einem aktuellen Preis von 131 Franken ein Handelsvolumen von 125'000 Franken. Will man verkaufen, findet aber keinen Käufer, bleibt einem nichts weiter übrig, als beim Fallen der Kurse zuzuschauen.