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Diese Aktie überrollt die Konkurrenz

Die Aktie von Interroll gehört derzeit zu den Börsen-Überfliegern. Trotz Allzeithoch stehen die Zeichen auch in Zukunft auf Wachstum - wäre da nicht ein Wermutstropfen.
11.08.2015 11:30
Von Ivo Ruch
Wo Pakete bewegt werden, sind Interroll-Produkte meist nicht weit entfernt.
Wo Pakete bewegt werden, sind Interroll-Produkte meist nicht weit entfernt.
Bild: www.interroll.com

Die Aktie läuft und läuft – stetig aufwärts. Im laufenden Jahr hat der Interroll-Titel mehr als 29 Prozent zugelegt, seit dem SNB-Schock Mitte Januar sind über 50 Prozent. Noch eindrücklicher ist die langfristige Sicht: Seit dem Tiefpunkt bei 170 Franken im März 2009 hat sich der Börsenkurs mehr als vervierfacht und ist mittlerweile beim Allzeithoch von 689 Franken angelangt.

Besonders positiv reagierten die Börsianer am letzten Freitag auf die Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr. Die Interroll-Gruppe konnte Umsatz, Auftragseingang und Gewinn deutlich steigern, mit der Aktie ging es steil nach oben. Die in der Vergangenheit angestossenen Wachstumsinitiativen zahlten sich dabei aus – trotz rauem Wind an der Währungsfront. "Ein beeindruckendes erste Halbjahr weiter über den Erwartungen", kommentierte die Neue Helvetische Bank den Zahlenkranz.

Kursverlauf der Interroll-Aktie im laufenden Jahr, Quelle: cash.ch

Für den weiteren Jahresverlauf ist das Unternehmen zuversichtlich. Im Lichte der guten Performance sowie des starken Auftragseingangs im ersten Halbjahr starte man optimistisch ins zweite Semester 2015, teilte Interroll anlässlich der Ergebnispräsentation mit.

Tessiner Einzelkämpfer

Mit 1800 Mitarbeitern an 31 Standorten stellt Interroll Produkte für die interne Logistik, die Automation und die sogenannte Stückgutförderung her. Das sind zum Beispiel Bestandteile für Förderbänder oder Sortieranlagen. Zu den Kunden gehören unter anderen Amazon und Red Bull, aber auch Flughäfen und Postunternehmen.

Auch für die Zukunft eines der wenigen Tessiner Unternehmen am Schweizer Aktienmarkt sind Marktbeobachter zuversichtlich. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht beispielsweise vielerorts weiteren Nachholbedarf nach effizienten Logistiklösungen. Da der Interroll-Umsatz derzeit noch stark vom Europageschäft abhängt, dürfte vor allem in Nordamerika und Asien weiteres Wachstum möglich sein. In Europa hingegen könnte Interroll von der wirtschaftlichen Erholung profitieren.

Dabei profitiert Interroll von einem weit verbreiteten Trend hin zu mehr Automatisierung: Kleider, Esswaren oder Bücher werden übers Internet bestellt und an der Haustüre in Empfang genommen. Die industriellen und logistischen Prozesse zwischen Herstellung und Lieferung von Produkten laufen vermehrt automatisch ab – mithilfe von Interroll-Produkten. Der E-Commerce-Boom hat auch zur Folge, dass das Paketvolumen und dementsprechend die Zahl von Retournierungen laufend zunimmt. "Immer mehr Postgesellschaften sehen sich gezwungen, ihre veraltete Logistik aufzurüsten", schreibt die ZKB in einer aktuellen Unternehmensstudie.

Unterstrichen wurde diese Entwicklung erst kürzlich wieder. Der Online-Versandhändler Amazon steigerte im zweiten Quartal seinen Umsatz um fast 20 Prozent auf 23,2 Milliarden Dollar. Auch der Mode-Shop Zalando wuchs in den letzten Monaten stärker als von Analysten erwartet.

Wermutstropfen Liquidität

Die starke Aktienperformance hat allerdings zur Folge, dass die Interroll-Aktie mittlerweile teuer geworden ist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (2016) von 20 ist sie längst kein Schnäppchen mehr. Und noch etwas trübt das ansonsten heitere Aktien-Bild: Die Aktien sind verhältnismässig wenig liquide. Dies weil nicht einmal 50 Prozent der Titel im freien Umlauf sind.

Interroll ist also nichts für kurzfristige Engagements, sondern etwas für langfristig orientierte Anleger. Die ZKB macht zudem darauf aufmerksam, dass der Mangel an Fachkräften (insbesondere Ingenieuren), wie er in der Schweiz immer wieder festgestellt wird, für die Firma ein Risiko darstellen könnte.