Diese Aktien haben das China-Virus

Die Unsicherheiten in China belasten Firmen, welche in den letzten Jahren im Reich der Mitte expandiert haben. cash zeigt, welche Schweizer Aktien stark von Chinas Wirtschaft abhängen und daher wacklig geworden sind.
26.08.2015 01:00
Von Pascal Züger
Wohin geht die Reise? Chinas Wirtschaft ist von Unsicherheit geprägt
Wohin geht die Reise? Chinas Wirtschaft ist von Unsicherheit geprägt
Bild: Pixabay

Wer ein starkes Wachstum anstrebt, hat in den chinesischen Markt zu expandieren. So das Credo jahrelang bei vielen Firmen. Wachstumsraten von deutlich über 7 Prozent der chinesischen Wirtschaft waren "courant normal".

Doch aufgrund der neusten Ereignisse scheint ein starker Fokus auf das Reich der Mitte derzeit mehr Handicap als Chance zu sein: Der chinesische Yuan hat sich zum Franken stark abgewertet (siehe Grafik), die Börse in Shanghai hat in zwei Tagen 15 Prozent eingebüsst, und die Wachstumsprognosen wurden auf 7 Prozent gesenkt. Sofern diese denn stimmen.

Entwicklung Franken-Yuan-Kurs der letzten drei Monate, Quelle: cash.ch

Eine Studie von Citi Research zeigt, dass europäische Firmen im Schnitt 12 Prozent des Umsatzes im Raum Asien-Pazifik erwirtschaften. In der Technologiebranche macht diese Region 25 Prozent des Umsatzes aus, in der Nahrungsmittelbranche sind es 17 Prozent und bei Banken weniger als 10 Prozent.

Auch Schweizer Firmen haben in den letzten Jahren stark in den chinesischen Markt expandiert und haben sich so ein ansehnliches China-"Exposure" aufgebaut. Doch welche Schweizer Firmen, bzw. deren Aktien, sind besonders stark vom chinesischen Markt abhängig? cash stellt einige solcher Titel vor. 

Swatch und Richemont: Sowohl Franken- als auch Yuan-Opfer

Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie hat für den Monat Juli den grössten monatlichen Exportrückgang seit sechs Jahren gemeldet. Vor allem die Entwicklung in China war bedenklich. Ein starker Franken bei gleichzeitig schwachem Yuan - eine sehr ungünstige Konstellation für die Uhrenexporteure Swatch und Richemont. Entsprechend ist auch die bisherige Jahres-Performance der beiden Titel mit minus 17 respektive minus 20 Prozent alles andere als berauschend.

AMS, U-Blox und LEM: Dämpfer in der Zukunftsbranche

Alle drei Titel operieren in zukunftsträchtigen Technologiebranchen. Dumm nur, dass sie allesamt stark nach China ausgerichtet sind. Während bei U-Blox (plus 32 Prozent) immerhin die Performance seit Jahresbeginn erfreulich ist, fallen hier AMS (minus 2 Prozent) und LEM (minus 9 Prozent) bloss ein bisschen ab. Auch wenn die Titel jetzt unten durch müssen, bei einer Stabilisierung Chinas sind positive Kurssprünge durchaus wieder im Bereich des Möglichen.

Oerlikon: Kurseinbruch beim Liebling der Analysten

Die 4-Wochen-Performance der Technologiegruppe mit Sitz in Pfäffikon SZ zeigt mit minus 13 Prozent deutlich nach unten. Trotz dem Chinaeinbruch geniesst die Aktie den Ruf des Analysten-Lieblings. Verlustreiche Bereiche wurden ins Ausland verkauft und das Kerngeschäft Oberflächenbehandlung mit der Übernahme von Sulzer Metco verstärkt. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und die Credit Suisse geben eine Kaufempfehlung aus. Die Kursziele der Analysten reichen von 13,5 bis 14,6 Franken. Stand heute wäre das ein Aufwärtspotential von über 30 Prozent. 

Schindler: China als leichte Wachstumsbremse

Trotz einer China-Exposure von 20 Prozent hat sich Kurs des weltweiten Herstellers von Aufzügen sehr ordentlich entwickelt. Die Jahresperformance liegt bei plus 12 Prozent. China als weltweit wichtigster Neuanlagenmarkt werde "bestenfalls geringfügig wachsen", schreibt Schindler in einer Mitteilung zum Halbjahresergebnis. In den übrigen asiatischen Ländern sei hingegen mit einem guten Wachstum zu rechnen. Credit Suisse und Baader Helvea führen den Titel auf "Kauf", die ZKB bleibt mit "Marktgewichten" da skeptischer.

Logitech: Anstieg erwartet - trotz China

In den letzten 4 Wochen rasselten die Logitech-Aktien um 9 Prozent talwärts. Trotzdem wird der Firma mit Hauptsitz in Apples, Kanton Waadt eine rosige Zukunft prophezeit: Die UBS setzt den Titel auf "Kaufen" und das Kursziel auf 16. Der cash Insider hat den Titel gar auf seiner Liste der Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2015. Aber aufgepasst, neben der China-Krise sieht sich Logitech auch einem anderen Risiko gegenüber: Was, wenn die Schwellenländer keine Desktop-PCs wollen, sondern sich direkt mobile Internetgeräte zulegen? Der auf Computerzubehöre spezialisierten Logitech würde das sicherlich nicht gefallen.

 

Aktien der Schweizer Börse mit hohem Umsatz-Anteil in China

Titel China-Anteil am Umsatz, in % Kursentwicklung 4-Wochen, in %
AMS 45 -11
Meyer Burger 40 +4
Swatch 37 -9
U-Blox 32 -7
LEM 26 -8
Oerlikon 25 -13
Richemont 24 -10
Infineon 20-25 -7
Logitech 20 -9
Panalpina 20 +4
Schindler 20 -3
SGS 20 -8
SFS 14 -7
Givaudan 10 -5
Clariant 9 -6
Nestlé 7 -1

Quelle : cash.ch, ZKB, Studien von Citi Research, Morgan Stanley und Kepler