Diese Aktien profitieren vom Urnengang

Spekulations-Stopp-Initiative und zweite Gotthard-Tunnelröhre: Analysten sehen Aktien, die vom letzten Abstimmungs-Wochenende profitieren sollten.
03.03.2016 08:25
Von Lorenz Burkhalter
Der Baukonzern Implenia gilt als Spezialist für grosse Infrastrukturprojekte.
Der Baukonzern Implenia gilt als Spezialist für grosse Infrastrukturprojekte.
Bild: ZVG

Selten zuvor warf ein Abstimmungs-Wochenende in der Schweiz derart hohe Wellen im Ausland. Das ist nicht zuletzt auch damit zu erklären, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gleich über mehrere umstrittene Vorlagen entscheiden mussten.

Mit der abgelehnten Spekulations-Stopp-Initiative und der angenommenen zweiten Gotthard-Tunnelröhre gelangten gleich zwei Vorlagen vors Volk, denen Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft nachgesagt werden. Für den Leiter der Aktienanalyse Schweiz von Kepler Cheuvreux steht fest: Das Abstimmungsergebnis dürfte den Ruf des Wirtschaftsstandorts Schweiz stärken. In einem Strategiepapier nennt er nun Aktien, welche vom Volksentscheid profitieren sollten.

Obschon der Spekulations-Stopp-Initiative der Jungsozialisten von vornherein keine allzu gute Chancen an der Urne nachgesagt wurde, zeigt sich der Experte dennoch beruhigt vom klaren "Nein".

Für ihn steht fest, dass bei den hiesigen Nahrungsmittelherstellern wie Aryzta, Barry Callebaut, Nestlé oder Lindt & Sprüngli ein entscheidender Risikofaktor wegfällt. Die betroffenen Unternehmen hätten sich bei einer Annahme durch das Stimmvolk nicht mehr über Termingeschäfte und ähnlichen Transaktionen absichern können und wären damit den stark schwankenden Agrarrohstoffpreisen ausgesetzt gewesen, so schreibt der Chefanalyst. Da jedoch bereits im Vorfeld des Abstimmungs-Wochenendes mit einem "Nein" gerechnet worden sei, würden sich die Auswirkungen auf die Kursentwicklung dieser Aktien wohl in Grenzen halten.

Zweite Gotthard-Röhre: Klarer Favorit bei Aktien

Was die zweite Gotthard-Tunnelröhre anbetrifft, so sieht er durchaus Fantasie vom mit 3 Milliarden Franken dotierten Bauvorhaben auf die hiesige Wirtschaft ausgehen. Als mögliche Gewinner bezeichnet der Experte den auf grosse Infrastrukturprojekte spezialisierten Baukonzern Implenia sowie den Innerschweizer Baustoffhersteller Sika. Er erachtet den Volksentscheid aber auch für die beiden Transportunternehmen Kühne+Nagel und Panalpina zumindest als geringfügig positiv.

In den letzten Tagen ist die Implenia-Aktie denn auch schon kräftig gestiegen. Sie notiert derzeit um 7,6 Prozent über dem Schlussstand vom Freitag und steht bei 55,90 Franken. Bis zu den letztjährigen Höchstkursen bei 68,20 Franken besteht aber noch immer Luft. Bislang nicht reagiert hat die Aktie von Sika, was sich mit dem noch immer vor sich hin schwelenden Streit rund um den Verkauf der Kontrollmehrheit nach Frankreich erklären lässt.

Was den Ruf des Wirtschaftsstandorts Schweiz bei ausländischen Grosskonzernen anbetrifft, so gibt man bei Kepler Cheuvreux noch keine Entwarnung. Es seien schliesslich weitere folgenschwere Initiativen, beispielsweise rund um das Verhältnis zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, im Entstehen.