Diese Aktien sind bei den «Grossen» begehrt

Veraison setzt neu auf Rieter, die Credit Suisse reduziert ihre Anteile bei Kardex: In den letzten zwei Wochen ist es zu einigen Mutationen bei Firmenbeteiligungen gekommen. cash zeigt, was sich getan hat.
02.09.2015 15:13
Von Pascal Züger
Der Zürcher Vermögensverwalter Veraison steigt neu bei Rieter ein.

Privatanleger folgen gerne den Anlagestrategien der Grossinvestoren. Denn setzt ein grosser Vermögensverwalter auf eine bestimmte Aktie, schlummert in diesem Titel womöglich bisher unentdecktes Potenzial, so der naheliegende Schluss. Umgekehrt deutet ein Ausstieg aus einem Titel auf fehlendes Vertrauen und womöglich einen baldigen Kurssturz hin.

Deshalb lohnt es sich, dann und wann einen Blick auf die Beteiligungen der "Grossen" zu werfen. Zwar müssen Investoren nicht alle Aktienbewegungen offenlegen, doch gibt es von der Schweizer Börse vorgeschriebene, meldungspflichtige Grenzen. Werden die Grenzwerte von 3, 5, 10, 15, 20, 25, 33 1/3 und 66 2/3 Prozent des Stimmrechts unter- oder überschritten, ist eine Meldung an die entsprechende Gesellschaft und die Börsenbetreiberin SIX obligatorisch.

Doch Vorsicht: Die Interpretation von Mutationen bei Beteiligungen ist nicht immer so leicht. Teilweise hat der Investor auch andere Gründe, die zum Kauf oder Verkauf einer Aktie führen, die nicht direkt mit der Attraktivität des Titels zu tun haben. Die Veränderungen sind also immer mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen, zumal sie nicht kommentiert werden müssen. Ein Blick auf die neu gemeldeten Beteiligungen lohnt sich für Anleger trotzdem immer wieder.

Veraison Capital entdeckt eine neue Perle

Ende letzter Woche meldete der Vermögensverwalter Veraison Capital eine neue Beteiligung von 3,01 Prozent an Rieter, auch die Rieter Holding selbst hat ihre Beteiligung auf über 3 Prozent hochgeschraubt. Die beiden werden so gleichauf zu den drittgrössten Aktionären des Textilmaschinenherstellers nach Peter Spuhler und Michael Pieper. Die Rieter-Aktien fielen Anfang letzter Woche auf ein Sechs-Monats-Tief, ehe sie in den nächsten Tagen einige Prozent dazugewannen.

Veraison Capital wurde 2015 von Aktionärsaktivist Gregor Gerber und ex-Sonova-Chef Valentin Chapero gegründet. Greber will als Aktionär nicht nur Kapitalgewinne einheimsen, sondern auch Mitspracherecht und Verantwortung wahrnehmen. Veraison investiert ausschliesslich in - nach eigener Ansicht - unterbewertete Titel und besitzt neben Rieter bislang meldungspflichtige Anteile an Orell Füssli (8,4 Prozent), Mikron (5,1 Prozent), Komax (5,0 Prozent) und Goldbach Group (16,3 Prozent).

Bei Goldbach Group wiederum reduzierte Swisscanto letzte Woche ihre Beteiligung auf unter 3 Prozent, nachdem man die Beteiligung am Werbevermarkter noch im Juni über eben diese 3-Prozent-Schwelle gehievt hatte. Der Titel zeigt seit Juni eine Abwärtstendenz.

Grossanleger haben neue Ziele im Visier

In den letzten zwei Wochen sind bei einigen Firmen auch neue Namen aufgetaucht: Die Jahresperformance von EFG International sieht mit minus 10 Prozent mager aus. Die jüngste Abwärtstendenz konnte wohl auch dadurch gestoppt werden, weil mit Wellington Management und F&C Managers in den letzten 12 Tagen gleich zwei grosse Anleger neu mit über 3 Prozent an EFG International beteiligt sind. Folgt bald ein Kursfeuerwerk? Gemäss Analysten wäre ein Auftrieb möglich, wenn der Vermögensverwalter endlich seine Kosten in den Griff bekommt.

Mitte August hat Capital Group, eine in Los Angeles ansässige Investmentgesellschaft, zudem ihre Beteiligung an Kühne+Nagel bekanntgegeben. Der Anteil am Logistikkonzern liegt nun bei 3 Prozent, nur drei andere Investoren besitzen noch grössere Firmen-Anteile. Dieser Kauf hat die Kühne+Nagel-Aktie nicht nach oben getrieben. Im Gegenteil: Die Titel gaben seither um fast 7 Prozent nach.

Der umtriebige Staatsfonds aus Norwegen

Der Staatsfonds Norwegens, der grösste seiner Art überhaupt, betätigt sich auch gerne am Schweizer Aktienmarkt und ist an über der Hälfte der kotierten Schweizer Firmen beteiligt, so an Credit Suisse, Ascom, Autoneum oder Forbo. Die Skandinavier trennten sich letzten Donnerstag von einigen Swiss Life-Aktien, unterschritten dabei den 3-Prozent-Stimmrechtsanteil, nachdem man zu Beginn des Jahres die Anteile am Versicherer noch erhöht hatte.

Dafür langte derselbe Staatsfonds bei Gategroup zu und kommt nun auf 3,33 Prozent Beteiligung. Pictet ging wiederum in die andere Richtung, die Anteile an der ehemaligen Swissair-Gesellschaft wurden auf unter 3 Prozent reduziert. Das ganze zeigt die Unsicherheit über die Zukunft von Gategroup: Nach der Halbierung der Geschäftsleitung und einer strategischen Neuausrichtung hofft man nun auf eine erfolgreiche Zukunft.

Am Meyer Burger-Titel scheinen die BlackRock-Investoren plötzlich Zweifel an deren Attraktivität bekommen zu haben. Nachdem man bis vor kurzem fleissig Titel zukaufte, am 22. Juli die 3-Prozent- und am 20. August die 5-Prozent-Marke überschritt, folgte nun letzten Freitag wieder der Rückzug auf 4,78 Prozent Stimmrechtsanteil. Oder will man beim weltweit grössten Vermögensverwalter die hohe Volatilität von Meyer Burger ausnutzen und durch Verkäufe kurzfristige Gewinne einheimsen?

Die Titel von Kardex haben dieses Jahr schon fast 40 Prozent zugelegt. Und die Lagerlogistik-Gruppe hat am 13. August mit den Halbjahreszahlen die Analysten überzeugt. Nur die Credit Suisse scheint da skeptisch zu sein und reduzierte vor zwei Wochen die Beteiligung auf unter 5 Prozent. Möglicherweise traut die Schweizer Grossbank Kardex keine grösseren Sprünge mehr zu.