Diese Aktien stehen auf der Kippe

Bei den Rekordwerten an den Börsen droht mehreren Aktien ein empfindlicher Kursrutsch. cash nennt die gefährdeten Unternehmen.
06.08.2014 01:05
Von Marc Forster und Ivo Ruch
Am Pharma- und Drogeriekonzern Galenica könnten sich Anleger die Finger verbrennen.

Viele Aktienmärkte bewegen sich nach wie vor auf Rekordniveaus. So etwa der Dow Jones, der deutsche Dax oder auch der britische FTSE100. Auch der Schweizer Aktienmarkt hat satte Steigerungen hinter sich, wovon nicht zuletzt die hohen Bewertungen zeugen.

"Der Schweizer Gesamtmarkt ist im Zehnjahresvergleich etwa 5 bis 10 Prozent zu hoch bewertet", sagt etwa Panagiotis Spiliopoulos, Researchleiter bei der Bank Vontobel. Dies obwohl der Swiss Market Index (SMI) jüngst unter die Marke von 8400 Punkten fiel und somit nur noch gut 2 Prozent höher als am Jahresbeginn liegt.

Verschiedene Einzeltitel am Schweizer Markt weisen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) auf, die Werte von 20 teilweise übersteigen. Diese Titel beegen sich nun auf dünnem Eis. Denn sollten sich ihre Gewinnerwartungen als zu ambitiös erweisen, könnte es rasch zu einer Korrektur kommen. Dazu können folgende Valoren gezählt werden: Aryzta, DKSH, Ems-Chemie, Geberit, Givaudan, Julius Bär, Kühne+Nagel, Lindt & Sprüngli, Partners Group, Sika oder u-Blox.

Daneben sind weitere Aktien von Firmen für Kurskorrekturen anfällig. Bei ihnen spielen andere Gründe als die Bewertung eine Rolle:

Galenica: Die Pharma- und Drogeriegruppe Galenica bleibt eine teure Aktie, solange der Financier Martin Ebner beteiligt ist. Er und andere Aktionäre treiben den Kurs an. Ebner hält über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex und über die BZ Bank gut 5 Prozent der Galenica-Aktien und kann über Optionen weitere 10,6 Prozent beziehen. Ebner ist bekannt dafür, dass er Firmen oder Teile davon gerne zu einem höheren Preis weiterverkauft.

Würden Ebner oder andere Aktionäre wie die US-Riesen Alliance Boots oder Walgreens ihre Anteile verkaufen, könnte es zu einem Kursrutsch kommen. Die Aktie steht nach einem Jahreshöchststand von 957 Franken im März derzeit bei 820 Franken. Der Analyst von der UBS hat als Erster das Kursziel seit Ende März von 890 auf 810 Franken zurückgenommen und empfiehlt die Aktie seit Ende Juli zum Verkauf. Weiterer Kursrückgang nicht ausgeschlossen.

Nobel Biocare: Immer wieder wurde Nobel Biocare mit Übernahmespekulationen in Verbindung gebracht. Zuletzt bestätigte der Dentalimplantatehersteller aus Glattbrugg, dass sie im Frühstadium von Übernahmeverhandlungen stehe. Marktbeobachter würden einen Zusammenschluss mit dem Rivalen Straumann favorisieren. Ein Zusammenschluss zwischen der weltweiten Nummer zwei und der Nummer drei im Markt für Dentalimplantate würde den Aktionären vermutlich den grössten Mehrwert bescheren.

Nach den neusten Übernahmespekulationen stieg die Nobel-Aktie erst stark an, verlor dann aber etwas an Terrain. Derzeit herrscht grosse Unsicherheit darüber, wie hoch der Übernahmepreis ausfallen soll. Und sollten sich die Übernahmeverhandlungen unerwartet zerschlagen, wird die Aktie sowieso sinken.

Performance der Nobel-Biocare-Aktie in diesem Jahr, Quelle: cash.ch

 

Mobimo: Die Aktie der Luzerner Immobiliengesellschaft ist in diesem Jahr kaum vom Fleck gekommen. Von ihrem Höchststand im August 2012 bei 228 Franken hat sie bisher 20 Prozent an Wert eingebüsst - am Dienstag notiert sie bei 185 Franken. Dies obwohl Mobimo im Geschäftsjahr 2013 das beste Unternehmensergebnis erzielen und die Dividende erhöhen konnte.

Doch der Titel drängt sich auch in Zukunft nicht auf, da die Unwägbarkeiten auf dem Schweizer Immobilienmarkt zurzeit zu gross sind. So sind die Behörden bestrebt, die Risikonahme der Banken bei der Hypothekenvergabe zu reduzieren und mehr Eigenkapital zu verlangen. Zusätzlich ist noch ungewiss, wie sich die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative auf die Baukonjunktur auswirken wird. Hinzu kommt, dass der zuvor heiss gelaufene Immobilienmarkt erste Ermüdungserscheinungen zeigt. Unter dem Einfluss derselben Faktoren steht auch die Generalunternehmung Allreal.

Meyer Burger: Die Namenaktien von Meyer Burger stehen seit März unter Verkaufsdruck. Alleine am Montag ist sie um 8 Prozent eingebrochen. Damit hat der Titel des Solarindustriezulieferers in den letzten vier Wochen 20 Prozent an Wert verloren. Nur zwei Titel im Swiss Performance Index (SPI) waren in diesem Zeitraum schlechter unterwegs. Doch laut Experten ist der Aktienkurs immer noch zu hoch.

Für das Geschäftsjahr 2013 hatte Meyer Burger tiefrote Zahlen vorgelegt. Das im bernischen Gwatt niedergelassene Unternehmen reagierte darauf mit der zweiten Kapitalerhöhung innerhalb von weniger als einem Jahr. Bereits rechnen Experten damit, dass eine weitere Kapitalerhöhung nötig sein könnte. Denn die Auftragslage wird sich in naher Zukunft kaum aufhellen. Ein Grund dafür ist, dass das US-Handelsministerium teilweise deutlich über den Erwartungen liegende Strafzölle für Solarzellen und –module aus China und Taiwan bekanntgab. Zudem gab die deutsche Bundesnetzagentur bekannt, dass die Nachfrage nach Solaranlagen im Juni um 80 Prozent zum Vorjahr zurückgegangen sei. Marktbeobachter erwarten für die kommenden Woche denn auch enttäuschende Halbjahreszahlen.