Diese Auto-Aktien haben Benzin im Tank

Trotz teils markanter Kurssteigerungen bei Auto-Aktien bleibt die Ausgangslage für weitere Kursavancen günstig. Allerdings vermögen nicht alle Autobauer zu überzeugen.
10.03.2014 13:47
Von Frédéric Papp
Marktbeobachter halten grosse Stück auf die Daimler-Aktien.
Marktbeobachter halten grosse Stück auf die Daimler-Aktien.
Bild: Bloomberg

Anleger, die vor einem Jahr Auto-Aktien kauften, haben sich eine goldene Nase verdient. General Motors kletterten 32 Prozent, Renault und Daimler 28 beziehungsweise 46 Prozent. Die Fiat-Papiere haben sich innert Jahresfrist fast verdoppelt. Und unter Starkstrom stehen auch die Aktien des Elektro-Autobauers Tesla - sie haussierten 530 Prozent.

Beschleunigt haben die Aktienkurse starke Verkaufszahlen in den USA und China im vergangenen Jahr. 55 Prozent aller produzierten Automobile werden in diesen beiden Märkten verkauft. Und aus China, dem weltweit grössten Absatzmarkt, kommen weitere ermutigende Zahlen. So ist der Pkw-Absatz im Februar um 18 Prozent gestiegen und hat damit die Erwartungen von Analysten übertroffen.
Auch in Westeuropa rechnet die Branche nach einer mehrjährigen Absatzkrise für das laufende Jahr mit einer leichten Erholung.

Porsche zum Discountpreis

Vor allem auf die Daimler-Aktie hält die Analysten-Gemeinde grosse Stücke. Neue Modelle wie die C-Klasse oder der Geländewagen GLA dürften den Aktienkurs des deutschen Premiumherstellers weiter nach oben drücken. Die Aktie des Konzerns notiert derzeit bei einem Kurs von 68 Euro und ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von elf noch recht günstig bewertet.

Neben Daimler bescheinigen Branchenexperten auch Porsche weiteres Kurspotenzial. Zwar prozessieren Hedgefonds gegen den Autobauer wegen der gescheiterten VW-Übernahme. Porsche habe den Übernahmepoker im Oktober 2008 nicht transparent gemacht, so der Vorwurf der Investoren. Die Klagesumme beläuft sich auf 5,7 Milliarden Euro. Das Gericht macht den Klägern aber wenig Hoffnung. Der Unternehmenswert von Porsche wird in etwa auf 31 Milliarden Euro geschätzt. Teilt man dies durch die rund 300 Millionen Porsche-Aktien resultiert ein fairer Wert von rund 100 Euro. Derzeit notiert die Aktie bei 75 Euro. Wird die Klage abgewiesen, könnte sich der Discount schlagartig schliessen.

Toyota stellt neuen Produktionsrekord auf

Gut in Schuss ist auch der japanische Autokonzern Toyota. Das Unternehmen knackte kürzlich die 10-Millionen-Produktionsmarke. Weiter überzeugt Toyota mit einer soliden Produktepalette, die insbesondere in Japan, aber auch in China auf grosse Nachfrage stösst. So erhöhte Toyota den Absatz in China im Februar um 43 Prozent. Mit einem KGV von 10 ist die Aktie ebenfalls günstig bewertet.

Die Aktien der amerikanischen Ford Motor Company rangieren auf den Empfehlungslisten für Analysten in aller Welt ziemlich weit oben. Das war im November 2008 - genau vor fünf Jahren - noch ganz anders. Damals war die gesamte US-Autoindustrie so gut wie pleite, auch Ford. In China stieg der Absatz von Ford im Februar um 67 Prozent auf rund 73‘000 Stück. Der US-Hersteller verdrängte damit Toyota von Platz fünf der grössten ausländischen Hersteller in China.

VW, Fiat und Tesla in der Defensive

Jedoch überzeugen nicht alle Hersteller gleichermassen. Bei Audi zum Beispiel stehen für 2014 keine markanten Neuheiten an. Skepsis herrscht auch beim italienischen Autobauer Fiat. So muss Fiat-Chef Sergio Marchionne erst noch beweisen, ob der Plan, sein Unternehmen durch die Kooperation mit Chrysler wieder auf Kurs zu bringen, aufgeht. Anleger sollten sich beim Aktienkauf deshalb vorerst zurückhalten.

Mit seinem enttäuschenden Ausblick und einer milliardenschweren Offerte für die VW-Tochter Scania hat Volkswagen für Verdruss unter Anlegern gesorgt. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn rund 10 Prozent.

Auch bei der Kursrakete Tesla ist Vorsicht geboten. Zwar verfünffachte sich der Aktienkurs innert Jahresfrist. Ein Blick auf die Gewinnsituation zeigt aber, dass Teslas Börsenwert vor allem auf dem Prinzip Hoffnung basiert: Das KGV beträgt 68 für 2015. Angesichts dieser stolzen Bewertung setzen denn auch viele Investoren auf einen Rückgang des Aktienkurses. Rund 25 Prozent der gehandelten Tesla-Aktien sind in den Händen von Leerverkäufern.

Autowerte agieren zyklisch

Eines sollten Investoren beim Kauf von Autoaktien generell im Hinterkopf behalten: Die Automobilbranche ist sehr konjunkturabhängig, die Aktienkurse können mitunter stark schwanken. Zwar erholt sich die Weltwirtschaft allmählich, die Eurokrise ist aber noch nicht endgültig ausgestanden.

Anleger sollten zudem ein Augenmerk auf China legen. Zwar setzte es bei den Pkw-Absätzen im Februar eine positive Überraschung ab. Andere Konjunkturdaten trüben aber die Stimmung. So ist der Einkaufsmanagerindex im Februar auf den tiefsten Stand seit acht Monaten gefallen. Wie sich die Autohersteller mittelfristig entwickeln, ist ungewiss. Anleger, die sich dieser Risiken bewusst sind, können momentan aber guten Gewissens zugreifen.