Diese Bankanleihen machen Investoren nervös

Im vergangenen Jahr galten sie als die sichere Sache für Anleger am Anleihemarkt. In diesem Jahr werden sie zunehmend zu einem Albtraum.
10.02.2016 07:42
Deutsche Bank (links) und UBS in Frankfurt: Das europäische Bankensystem könnte wegen der Wachstumsverlangsamung anfälliger werden.
Deutsche Bank (links) und UBS in Frankfurt: Das europäische Bankensystem könnte wegen der Wachstumsverlangsamung anfälliger werden.
Bild: cash

Die riskantesten Bankanleihen brachten Investoren 2015 Erträge von rund acht Prozent ein, wie aus Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Damit übertrafen sie jedes andere Anleiheinvestment weltweit. In diesem Jahr sind diese Gewinne binnen sechs Wochen ausgelöscht worden, selbst unter Einrechnung von Zinszahlungen.

Investoren machen sich zunehmend Sorgen, ob die Banken angesichts schwächerer Ergebnisse und Markteinbrüchen weltweit in der Lage sein werden, die Zinsen bei einigen Papieren zu bezahlen oder - wie von Anlegern erhofft - die Anleihen zurückzukaufen. Die Papiere erlauben den Banken, die Bedienung der Kupons ohne einen Zahlungsausfall auszusetzen, und sie werden im Falle von Stress in Aktien gewandelt oder abgeschrieben.

Am Montag hieß es in einer Mitteilung der unabhängigen Analysefirma CreditSights, die Deutsche Bank dürfte Probleme haben, im kommenden Jahr die Zinsen auf solche Papiere zu bezahlen. Die Bank reagierte mit einem ungewöhnlichen Schritt und teilte mit, sie verfüge über ausreichende Zahlungskapazitäten für die Kuponzahlungen der nächsten zwei Jahre.

"Die Besorgnis bei diesen Bonds signalisiert richtige Angst, dass das europäische Bankensystem wegen der Wachstumsverlangsamung schwächer und anfälliger werden könnte, als viele Leute ursprünglich gedacht hatten", sagt Gary Herbert, Fondsmanager bei Brandywine Global Investment Management in Philadelphia. "Die Anleihen sind das Epizentrum der Wachstumssorgen weltweit - und es sieht nicht schön aus."

"Sie sind das erste, was aus den Portefeuilles fliegt"

Die Bedenken der Vermögensverwalter weiten sich auch auf die Bankanleihen aus, die mehr Sicherheit bieten. Das macht deutlich, wie Investoren jetzt vor den Risiken einer breiten Gruppe von Anlagen davon laufen, von Aktien über Rohstoffe bis zu Unternehmensanleihen. Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall bei den mehr Sicherheit bietenden vorrangigen unbesicherten Anleihen von US-amerikanischen und europäischen Finanzfirmen sind auf das höchste Niveau seit 2013 geklettert.

Seit ihren jüngsten Ergebnisvorlagen sehen europäische Banken weniger solide aus. So hat beispielsweise die Deutsche Bank im Januar ihren ersten Jahresverlust seit 2008 vorgelegt und der Aktienkurs ist gefallen. Bei Credit Suisse ist der Kurs auf den niedrigsten Wert seit 1991 gesunken, nachdem die Schweizer Bank ihren größten Quartalsverlust seit der Krise präsentierte.

Seit April 2013 haben Banken ein Volumen von 91 Mrd. Euro oder 102 Mrd. Dollar der riskantesten Anleihen, der sogenannten AT1-Bonds, die zum zusätzlichen Kernkapital zählen, aufgelegt. Wenn eine Bank in Schieflage die Papiere nicht zum ersten Termin zurückzahlt oder die Kuponzahlungen aussetzt, dürften Investoren das sinkende Schiff verlassen, was einen breiteren Ausverkauf an den Märkten für Unternehmensanleihen lostreten könnte.

"Sie sind das erste, was aus den Portefeuilles fliegt", sagt David Butler, Portfoliomanager bei Rogge Global Partners in London. "Wenn der breitere Anleihenmarkt dreht, trifft das die Investoren.

Höhere Renditen

Die AT1-Anleihen wurden in Europa aufgelegt und bieten mit durchschnittlich sieben Prozent eine der höchsten Renditen an den Anleihemärkten. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Rendite für europäische Junkbonds liegt laut Indizes von Bank of America Merrill Lynch bei weniger als sechs Prozent.

Kritiker sagen, die Banken seien zu undurchsichtig und die AT1-Anleihen zu komplex, als dass man sie richtig verstehen könnte. Auch seien sie zu unterschiedlich und ähnelten zu sehr Aktien, als dass man sie als Anleihen betrachten könne. Bei so vielen Unbekannten sind die Risiken hoch.

Investoren machen sich auch nicht nur Sorgen, dass die Banken die Kuponzahlungen ausfallen lassen könnten. Sie befürchten auch, dass manche Banken aufgrund steigender Finanzierungskosten die Papiere nicht bereits bei der ersten Gelegenheit zurückzahlen werden. Dann müssten die Investoren die Anleihen länger halten, als sie gehofft hatten.

"Das ist ein Risikofaktor, der den Markt offenbar mehr belastet", sagt Jonathan Weinberger, weltweiter Leiter Capital Markets Engineering bei Société Générale in London. Es könne für manche Banken wirtschaftlich vorteilhafter sein, die Papiere weiter laufen zu lassen, als sie zu kündigen und zu refinanzieren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Finanzinstitut die Gelegenheit zur Kündigung der Anleihen nicht wahrnimmt. So hat die Deutsche Bank im Jahr 2008 nachrangige Bonds im Volumen von einer Mrd. Euro nicht zurückgezahlt und darauf verwiesen, dass es teurer wäre, sie zu refinanzieren. Das ließ den Aktienkurs abrutschen und die Kosten für Absicherungen gegen Zahlungsausfälle kletterten.

Der Kurs der 7,125-Prozent-Anleihe der Deutschen Bank im Volumen von 650 Mio. Pfund und ohne Laufzeitbegrenzung fiel am Montag auf weniger als 70 Pence je ein Pfund Nominalwert. Das war der niedrigste Kurs seit der Emission im Mai 2014. Bei UniCredit ist der Kurs der Anleihe im Volumen von einer Mrd. Euro und einem Kupon von 6,75 Prozent auf rund 75 Cent je ein Euro Nominalwert gesunken, nach 94 Cent zu Jahresbeginn.

"Wenn Dein Geschäft einen Bezug zum Finanzmarkt hat, dann ist Stress im Markt nicht gut für Dich", sagt Timothy Doubek, Vermögensverwalter bei Columbia Threadneedle Investments in Minneapolis.

(Bloomberg)