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Diese Bergbahn-Aktie geht hoch hinaus

Die Jungfraubahnen schreiben trotz rückläufigen Wintergeschäfts Rekordzahlen. Die Aktie ist auf Allzeithoch und durchbricht wohl bald eine Schallmauer. Auch eine Gruppe aufmüpfiger Bauern kann den Erfolg nicht stoppen.
21.09.2015 15:42
Von Pascal Züger
Jungfraubahnen: Im Sommer top, im Winter flop.
Jungfraubahnen: Im Sommer top, im Winter flop.
Bild: cash

Der Schweizer Tourismus leide unter dem starken Franken, hört man seit der Mindestkursauflösung immer und immer wieder. Wirklich? Der Aktienkursverlauf der Jungfraubahn Holding spricht eine völlig andere Sprache: Zwar rasselte der Kurs nach dem 15. Januar, als die Nationalbank die Kursuntergrenze aufhob, um fast 9 Prozent nach unten, doch währte das Tief nur sehr kurz.

Inzwischen weisen die Berner Oberländer mit plus 25 Prozent eine sehr stolze Jahresperformance auf. Allein 10 Prozent Zuwachs gab es seit dem 9. September. Die Aktie ist auf einem Allzeithoch und kratzt bald an der 100-Franken-Marke, wie folgender Grafik zu entnehmen ist:

Jahresperformance der Jungfraubahnen-Aktie, Quelle: cash.ch

Grund für diesen Aufschwung ist das Rekordergebnis im ersten Halbjahr 2015: "Die Jungfraubahnen haben Umsatzzahlen erreicht, die in der Planung erst in 3 bis 4 Jahren vorgesehen waren", sagt Ronald Wildmann, Leiter des Analystenteams von Research Partners, auf Anfrage von cash. Und dies, obwohl es im Wintergeschäft harzt. Die Jungfraubahnregion verliert jeden Winter, wie übrigens viele andere Schweizer Skigebiete auch, an Gästen.

Ansturm asiatischer Touristen

Der Grund für die Hausse der Aktien lässt sich also nicht im Wintersport-Segment finden, welches knapp ein Fünftel des Umsatzes und nur etwa ein Achtel des Gewinns ausmacht. Es ist das Sommer-Geschäft, das boomt: Allein im ersten Halbjahr 2015 stiegen die Besucherzahlen um 19,6 Prozent. In den Monaten Juli und August wurde fast täglich die Kapazitätsgrenze von 5000 Besuchern pro Tag erreicht.

60 Prozent des Umsatzes wird durch asiatische Gäste generiert. "In Asien wurde eine gute Marketingstrategie verfolgt, was sich in den hohen Besucherzahlen bemerkbar macht", sagt Wildmann dazu. Ein grosser Vorteil asiatischer Gäste ist die Wetterunabhängigkeit: Während Gäste aus der Nähe ihren Besuch bei Regen noch kurzfristig absagen können, haben Asiaten ihre Ferien meist schon lange im Voraus gebucht und treten ihre Reise so oder so an. Für die Planungssicherheit der Bergbahnen ein Segen.

Wie erfreulich sich diese volle Kapazitätsauslastung im Sommer auch anhört, so hat sie doch einen gewichtigen Nachteil: Das Potential für den Sommer ist ausgereizt, eine Steigerung ist kaum mehr möglich.

Das grosse Modernisierungprojekt

Und hier ruhen die Hoffnungen auf dem V-Bahn-Projekt. Diese Bahn soll vom neu gestalteten Terminal Grund aus Wintersportler schneller in das Skigebiet bringen und gleichzeitig die Reise auf das Jungfraujoch zeitlich verkürzen. Der Tourismus-Region würde dies den dringend benötigten Innovationsschub geben.

Das Projekt ist aber noch nicht durch, es regt sich Widerstand. Dieser kommt allen voran von der Bergschaft Wärgistal. Dies ist eine Gruppe von Bauern, welche das Überfahren der Bergbahn über ihre Kuhweide genehmigen müssen. Im ersten Wahlgang wurde die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit nicht erreicht, deshalb kommt es am 21. Oktober erneut zu einer Abstimmung.

Die zusätzlich benötigten Stimmen dürfte da wohl erreicht werden, zumal den Bauern eine angemessene finanzielle Entschädigung zusteht und auch die Region, welche von der neuen Bahn enorm profitieren würde, einen gewissen Druck ausübt. Bei Zustimmung müssten noch allfällige Einsprachen abgearbeitet werden und frühestens 2017 könnte mit dem Bau begonnen werden, welcher rund zweieinhalb Jahre dauern sollte.

So oder so eine gute Investition

Für die Aktionäre wäre ein Scheitern des Projektes aber kein Desaster. Die Jungfraubahnen besässen dann einen beträchtlichen Free Cashflow sowie eine hohe Nettoliquidität. "Die Wahrscheinlichkeit einer Auszahlung in Form einer Sonderdividende wäre dann sehr hoch", so Wildmann. Dies würde die historische Dividendenrendite von 1,9 Prozent aufpeppen.

Ein weiteres Plus für Aktionäre, unabhängig vom Projekterfolg, sind Gutscheine und Vergünstigungen, welche quasi als zusätzliche Dividende angesehen werden können. 2015 bekamen Aktieninhaber eine Tageskarte für das Streckennetz der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren im Wert von 22 Franken geschenkt. Rechnet man dies auf die ausbezahlten 1,80 Franken hinzu, betrug die Dividendenrendite 2015 ganze 25 Prozent.