Diese Schweizer Firmen feuern aus allen Rohren

Einmal im Monat erstellt Kepler Cheuvreux eine Rangliste der Unternehmen mit der stärksten Geschäftsentwicklung. Medaillen gehen an Also, Schweiter und Feintool. Orior landet auf dem vierten Platz.
02.09.2016 09:11
Von Lorenz Burkhalter
Der Sieger in diesem Monat: Der IT-Dienstleister Also und seine Aktie.
Der Sieger in diesem Monat: Der IT-Dienstleister Also und seine Aktie.
Bild: iNg

Schon seit Wochen spielt die Musik in den Nebenwerten. Mittlerweile spielt sie sogar so laut, dass sie bei uns am Schweizer Aktienmarkt das Handelsgeschehen in den grosskapitalisierten Standardwerten übertönt.

Deshalb überrascht nicht, dass auf der von Kepler Cheuvreux monatlich erstellten Rangliste der Aktien mit dem stärksten Momentum ausschliesslich solche von kleineren und mittelgrossen Unternehmen zu finden sind. Die drei Medaillen-Plätze und der undankbare vierte Platz gehen an:

Platz 1 - Also: Beim IT-Logistiker befinden sich nur ein Drittel der ausstehenden Aktien in Streubesitz. Eine komfortable Zweidrittelmehrheit hält der Innerschweizer Aufzugshersteller Schindler. Wie am Donnerstag bekannt wurde, will Also den niederländischen Rivalen Five 4 U übernehmen. Das ist kein kleiner Brocken, strebt dieser im laufenden Jahr doch einen Umsatz von 285 Millionen Euro an.

Erst am Dienstag erklomm die Also-Aktie bei 84,40 Franken neue Mehrjahreshöchstkurse. Obwohl diese nicht gehalten werden konnte, errechnet sich seit Anfang August noch immer ein Plus von fast 10 Prozent.

Platz 2 - Schweiter: Vier Wochen ist es her, dass der Maschinenhersteller aus Horgen mit einem überzeugenden Ergebnis für die erste Jahreshälfte aufwarten konnte. Während sich der Umsatz bestenfalls im Rahmen der Erwartungen bewegte, übertraf die Gewinnentwicklung diese ziemlich deutlich. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen die Umsatzmilliarde knacken.

Nach der Ergebnisveröffentlichung setzte die Aktie von Schweiter im Laufe des letzten Monats zu einem regelrechten Höhenflug an. Mit 1125 Franken liegt ihr Kurs aktuell um gut 15 Prozent über dem Stand von Anfang August.

Platz 3 - Feintool: Der Automobilzulieferer und seine Aktie sorgten in den letzten Tagen an der Börse gleich mehrfach für Gesprächsstoff. So wartete das Unternehmen mit einem unerwartet starken Halbjahresergebnis auf und erhöhte darauf abgestützt auch gleich noch die Zielsetzungen für das gesamte Jahr. In der Folge hagelte es Kaufempfehlungen aus der Analystengemeinde. Kepler Cheuvreux selber nahm die Erstabdeckung der Feintool-Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 120 Franken auf und die Berenberg Bank stufte sie sogar mit 130 Franken lautenden Kursziel von "Hold" auf "Buy" herauf.

Die kräftigen Kursgewinne sind aber auch eine Folge des engen Marktes. Noch vor der Halbjahresergebnispräsentation wechselten an gewissen Tagen nur ein paar hundert Titel die Hand. Seit Anfang Juli legte der Kurs um ziemlich genau 10 Prozent zu. Letztmals mussten Anleger vor über 15 Jahren so tief für die Feintool-Aktie in die Tasche greifen.

Platz 4 - Orior: Auch der Fleischverarbeiter aus Zürich ist an der Börse kein unbeschriebenes Blatt. Zwar wurde das erst kürzlich veröffentlichte Halbjahresergebnis den Analystenerwartungen nur knapp gerecht. Am selben Tag gab Orior allerdings die Expansion ins umliegende Ausland mittels der Übernahme der Culinor Food Group bekannt. Diese kam in Expertenkreisen unerwartet gut an und zog gleich mehrere Kaufempfehlungen nach sich. So stufte die Zürcher Kantonalbank die Aktie von "Marktgewichten" auf "Übergewichten" herauf. Vontobel hob das Anlageurteil hingegen mit einem Kursziel von 80 (alt: 65) Franken von "Hold" auf "Buy" an.

Davon angepeitscht legte der Kurs der ansonsten als langweilig verschrienen Aktie in der Spitze um gut 7 Prozent auf 74,80 Franken und damit auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte zu.

Aktuelle Rangliste:

Platz Unternehmen
1 Also
2 Schweiter
3 Feintool
4 Orior
5 Comet
6 Inficon
7 Bell
8 Huber+Suhner
9 Logitech
10 Mobimo

Quelle: Kepler Cheuvreux

Diese vier Unternehmen haben gleich mehrere Dinge gemeinsam: Bei ihnen allen wurden in den vergangenen drei Monaten sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnerwartungen deutlich angehoben, ihre Aktien notieren nahe an den oder in Reichweite zu den Jahreshöchstkursen, ihr Handelsvolumen lag in den letzten 20 Tagen deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Monate und es gab netto Titelkäufe aus dem Verwaltungsrat oder der Geschäftsleitung. Konkrete Angaben für das jeweilige Unternehmen macht Kepler Cheuvreux allerdings nicht.

Und in noch einem Punkt sind sich diese Firmen sehr ähnlich: Nicht nur ihr Aktienkurs, auch ihre Bewertung ist im Zuge der starken Nachfrage nach Nebenwerten kräftig gestiegen. Ob und wie nachhaltig diese hohen Kurse sind und ob Anleger jetzt noch auf den schon eine ganze Weile rollenden Zug aufspringen sollten, bleibt höchst fraglich.