Diese sicheren Häfen stehen hoch im Kurs

Wenn die Börsen verrückt spielen, fliesst viel Kapital in vermeintlich zuverlässigere Anlagen. cash mit einer Übersicht zu den momentan beliebten sicheren Häfen.
16.02.2016 14:55
Von Ivo Ruch
Sichere Parkplätze für Kapital sind gesucht: Im Bild der Überseehafen von Barcelona.
Sichere Parkplätze für Kapital sind gesucht: Im Bild der Überseehafen von Barcelona.
Bild: cash

Letzte Woche war es wieder einmal wie in alten Zeiten: Getrieben von grosser Nervosität rauschten die Börsen in die Tiefe. Gleichzeitig war eine deutliche Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber Euro und Dollar erkennbar. Oder anders ausgedrückt: Auf der Suche nach Sicherheit wurde Kapital in Anlagen verschoben, die in Franken ausgegeben werden.

Auffallend ist das deshalb, weil die hiesige Währung ihren Ruf als sicherer Hafen in den letzten Monaten ein Stück weit verloren hatte. So hat sich der Euro-Franken-Kurs nach dem überraschenden Ende der Kursuntergrenze im letzten Januar stetig von 0,84 auf 1,12 emporgearbeitet. Der jüngste Effekt ist bereits wieder verpufft: Euro-Franken stieg in den letzten Tagen von 1,09 auf über 1,10.

Stattdessen sind andere Devisen als Sicherheitsdepot beliebt. Der Euro hat sich gegenüber den meisten wichtigen Währungen aufgewertet. Mit Ausnahme des japanischen Yen, der in den letzten Wochen einen regelrechten Höhenflug erlebt.

cash-Leser verzichten auf Gold

Anstelle des Schweizer Frankens rückten noch andere vermeintlich sichere Anlagen in den Fokus. Parallel zu den weltweiten Turbulenzen an den Aktienmärkten gewann Gold an Beliebtheit. Der Preis für das Edelmetall ist seit Anfang Jahr um mehr als 14 Prozent auf aktuell 1212 Dollar pro Unze geklettert. Dies nachdem Börsianer seit Ende 2012 einen Bogen um Gold gemacht hatten.

Das tut die Mehrheit der cash-Leser weiterhin. In einer aktuellen Umfrage geben 53 Prozent von mehr als 2000 Votanten an, derzeit nicht auf Gold zu setzten – trotz Aktienbaisse und Nullzinsen. Gold gilt traditionell als Schutz gegen Inflation. Doch die Aussichten auf Preissteigerungen sind düster und kaum ein Experte traut dem Goldpreis noch weitere Avancen zu.

Auch Silber verzeichnete jüngst ähnliche Kursgewinne wie Gold, während Palladium kaum mehr gefragt ist. Überhaupt haben Rohstoffe momentan einen schweren Stand. Der Bloomberg Commodity Index notiert 28 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr.

Run auf Staatsanleihen

In jüngster Zeit hat sich auch der Run auf Staatsanleihen sicherer Schuldner akzentuiert. Obwohl viele Investoren dabei einen Verlust in Kauf nehmen müssen. Das derzeit risikoscheue Umfeld hat dazu geführt, dass die Renditen globaler Staatsanleihen auf ein Rekordtief gefallen sind. Laut Angaben von JP Morgan Asset Management notieren 26 Prozent der globalen "Government Bonds" mit einer Rendite von unter 0 Prozent, wie die Grafik zeigt. Zudem rentieren 64 Prozent dieser Produkte mit weniger als 1 Prozent.

Da neben der Schweiz auch die Notenbanken der Euro-Zone, Japans, Schwedens und Dänemarks zu negativen Leitzinsen übergegangen sind, dürften die Anleihenrenditen noch längere Zeit auf historisch tiefen Niveaus verharren.