Diese «Silicon Valley»-Aktien sind einen Kauf wert

Apple, Facebook, Tesla und Co gelten als Vorreiter der Tech-Szene und sind im berühmten Silicon Valley ansässig. Einige dieser Wachstums-Aktien locken zum Einstieg, während andere zu stark gehypt wurden.
10.10.2016 18:27
Von Pascal Züger
Tim Cook, CEO von Apple, präsentiert die SmartWatch. Doch gibts auch für die Aktie ein Daumen hoch?
Tim Cook, CEO von Apple, präsentiert die SmartWatch. Doch gibts auch für die Aktie ein Daumen hoch?
Bild: Bloomberg

Es gilt als das mächtigste Tal der Welt. Als ein Ort, wo Querdenker erwünscht sind und selbst die verrücktesten Ideen eine Chance haben. Ein Ort auch, der viele Kritiker hat: Das Silicon Valley in Kalifornien. Die grossen disruptiven Veränderungen der letzten und womöglich auch nächsten Jahrzehnte stammen von hier: Das Internet, das Smartphone und wohl bald selbstfahrende Autos im alltäglichen Verkehr.

Bei all der Kreativität und Innovationskraft aus diesem Tal erstaunt es wenig, dass sich Anleger um Aktien solcher Firmen geradezu reissen. Und der nächste grosse Börsengang aus der Silicon-Valley-Familie steht im kommenden Frühjahr an: Die schnell wachsende Chatplattform Snapchat will an die Börse gehen. Und das mit einer schier unglaublichen Bewertung von 25 Milliarden Dollar oder mehr. Das bislang grösste Finanzmarktdebüt weltweit war das des chinesischen Online-Händlers Alibaba, das 2014 rund 25 Milliarden Dollar einbrachte.

Doch auch in Kalifornien ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Aktienkurse basieren häufig auf Fantasien von künftigen Entwicklungen und nicht auf gegenwärtigen Zahlen. Erweisen sich diese Erwartungen als Luftschlösser, kann der Kurs dieser Aktien plötzlich stark in die Tiefe gehen. Wie bei Twitter geschehen: Als letzte Woche bekannt wurde, dass weder Alphabet noch Walt Disney an einer Übernahme interessiert sind, stürzte die Aktie des darbenden Kurznachrichtendienst-Anbieters an einem Handelstag um 20 Prozent in die Tiefe. Als sich am Montag nun auch noch der letzte grosse Kauf-Interessent Salesforce zurück zog, ging es gleich nochmals 14 Prozent runter.

Anleger sollten bei den Silicon Valley Aktien deshalb nicht blind zugreifen, sondern gezielt auf Titel mit echtem Potenzial setzen. cash zeigt, wo sich ein Einstieg lohnen könnte (Performance-Tabelle unten):

Alphabet - die eierlegende Wollmilchsau

Seit Oktober 2015 trägt die Muttergesellschaft von Google den Namen Alphabet. Seit November 2008 hat sich der Aktienkurs mehr als versechsfacht und überstand dabei auch grössere Börsenstürme praktisch unbeschadet. Auch in diesem Jahr ging es bisher 18 Prozent aufwärts. Erfreulich verlief das zweite Quartal 2016, welches Alphabet einen Gewinn von 4,88 Milliarden Dollar bescherte. Der Gewinn kommt hauptsächlich vom Suchdienst Google und wird in andere Geschäftsfelder investiert, welche derzeit noch hohe Kosten verursachen: Etwa selbstfahrende Autos, Medikamente, Google Glasses, Internet-Drohnen oder neuerdings auch eigene Smartphones. Trotz der schon lange andauerenden Kurs-Rallye zeigt die Aktie dank den rosigen Aussichten noch keine Ermüdungserscheinungen: Das Potenzial nach oben bleibt gross.

Apple – Buffetts neuer Liebling

Investoren zeigten sich ziemlich überrascht, als im Mai 2016 Warren Buffett über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mit rund einer Milliarde Dollar bei Apple eingestiegen war. Zumal der bekannte Investor für seine Skepsis gegenüber Technologie-Aktien bekannt ist und es zu einer Zeit geschah, als viele gar ein Ende der goldenen Apple-Zeiten sahen. Denn einen Monat zuvor verkündete Apple den ersten Umsatzrückgang seit 13 Jahren und unterbot gar die bereits tief gesetzten Erwartungen. Der iPhone-Verkauf harzte massiv. Buffett interpretierte den folgenden Kursfall von über 15 Prozent in nur zwei Wochen als idealen Einstiegszeitpunkt. Und lag damit richtig: Seit dem tiefsten Stand im Mai bis heute erholte sich die Aktie wieder um 29 Prozent. Das im September lancierte iPhone 7 findet reissenden Absatz - auch wenn Apple keine genauen Verkaufszahlen abgibt. Kaufempfehlungen von Analysten gibt es zuhauf. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von knapp 13 geradezu ein Schnäppchen.

Facebook – die (Werbe-)Einnahmen stimmen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg verteidigt die Vorherrschaft unter den sozialen Netzwerken um jeden Preis. Sich anbahnende Konkurrenz wird aufgekauft: 2012 übernahm Facebook den Online-Foto-Teildienst Instagram, 2014 waren der beliebte Nachrichtendienst WhatsApp und Oculus, ein Hersteller von virtuellen Brillen, an der Reihe. Einzig Snapchat wehrte sich erfolgreich gegen eine Übernahme. Doch bisher tut dies der Facebook-Erfolgsstory keinen Abbruch: Die Aktie kletterte in diesem Jahr um 38 Prozent nach oben. Hauptsächlich dank der Zunahme von Werbeeinnahmen bei Facebook sprang der Gewinn im zweiten Quartal um 186 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Und noch hat Facebook nicht alle Einnahmequellen angezapft, so dass der Anstieg der Aktie noch nicht sein Ende erreicht haben dürfte: Bei Instagram, Oculus und WhatsApp liegt finanziell noch mehr drin. Whatsapp etwa ist derzeit noch kostenlos verfügbar.

GoPro – es kann nur besser werden

Die Aktien des Spezialisten für Actionkameras erlebten ihre beste Zeit in den ersten Monaten nach dem Börsengang im Juni 2014. Vom Höchstwert von 87 Dollar aus dem September 2014 ist der Titel mittlerweile weit entfernt (aktueller Kurs: 16 Dollar). Allein in den letzten 52 Wochen hat GoPro an der Börse 43 Prozent an Wert eingebüsst, da der Produkte-Absatz enttäuschte. Der Titel scheint in den letzten Monaten aber einen Boden gefunden zu haben. GoPro hat für das anstehende Weihnachtsgeschäft schwarze Zahlen und neue Produkte in Aussicht gestellt. Auch wiederaufkommende Übernahmegerüchte  - Apple soll interessiert sein - könnten dem Kurs Auftrieb verleihen. Der Titel ist für risikofreudige Anleger eine Überlegung wert.

Oracle – Korrektur lädt zum Einstieg

Zwischen all den ganz grossen Namen der Tech-Szene geht Oracle schon fast etwas unter. Dabei zählt der Unternehmenssoftware-Hersteller gemessen am Umsatz zu den weltweit grössten seiner Gilde. Der Konzern setzt seit Jahren stark auf sogenannte Cloud-Angebote, bei denen Software und Daten direkt aus dem Netz bereitgestellt werden. Das letzte Quartal stellte jedoch eine leise Enttäuschung dar, das Geschäft mit Softwarelizenzen lief nicht wie gewünscht. In den letzten vier Wochen zeigte die Aktie deshalb vier Prozent südwärts. Doch hat Oracle diesen Sommer einen womöglich wichtigen Zukauf getätigt: Der amerikanische Cloud-Pionier NetSuite wurde für 9 Milliarden Dollar eingekauft. Es könnte bald wieder aufwärts gehen.

Performance ausgewählter "Silicon Valley"-Aktien

Titel 4-Wochen-Performance, in % 52-Wochen-Performance, in %
Facebook 0 37
Yahoo -1 32
eBay -3 29
Electronic Arts 4 23
Microsoft 1 23
Alphabet 2 21
Apple 8 2
Oracle -5 2
Netflix 6 -8
Tesla -1 -9
Twitter 9 -31
GoPro 24 -43

Quelle: cash.ch, Stand: 10. Oktober 2016.

(Mit Material von AWP)